Neubau-Pläne vorgestellt

Elisabethmarkt: Großer Ärger bei der Infoveranstaltung

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Die geplante Neugestaltung am Elisabethmarkt lässt die Emotionen hochkochen.  

Die Zukunft des Elisabethmarktes bleibt weiter sehr umstritten. Das hat eine Info-Veranstaltung für die Anwohner am Donnerstagabend gezeigt. Die Stimmung war aufgeheizt, die Anwohner wütend.

München - Der Markt ist dringend sanierungsbedürftig, vor allem die heutigen Vorschriften zu Brandschutz und Hygiene können die alten Buden aus den 1950er Jahren nicht mehr erfüllen. Die Stadt will die alten Markthäuschen abreißen lassen, eine Tiefgarage und Lagerräume unter den Platz bauen und dann die Marktbuden wieder aufbauen - allerdings ein wenig anders angeordnet. Das sind die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die Axel Markwardt, Kommunalreferent und zuständig für die Märkte in München, am Donnerstagabend den Anwohnern vorgestellt hat. 

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Etwa 250 Nachbarn und interessierte Bürger waren gekommen. Doch die Pläne für den Umbau stießen auf großen Gegenwind. "Wir sind gekommen um dagegen zu halten", sagte Hubertus von Medinger. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative "Pro-Elisabethmarkt", die in den vergangenen Monaten etwa 23.000 Unterschriften für den Erhalt der Marktstandl gesammelt hat. "Wir wollen, dass der Markt im Bestand saniert wird. Diese Option ist von der Stadt gar nicht erst geprüft worden", fordert von Medinger. 

Etwa 250 Nachbarn und Interessierte waren zur Info-Veranstaltung gekommen. 

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten unterstützen die Initiative in einem offenen Brief an Oberbrügermeister Dieter Reiter und die Stadträte. Mats Hummels, Gerhard Polt und Claus von Wagner gehören zum Beispiel zu den Unterzeichnern. Viele Bürger machten ihrem Ärger aber noch viel deutlicher Luft: Während der Vorträge des Kommunalreferenten und des Architekten gab es immer wieder höhnisches Lachen aus dem Publikum und laute Zwischenrufe: "Das ist doch alles Schmarrn!" 

Die Markt-Pläne sind nicht das einzige Ärgernis 

Rund um den Elisabethmarkt kommen mehrere Probleme zusammen, die miteinander verquickt werden: Anwohner und Händler sind sich nicht einig über den Umbau des Marktes. "Stellen Sie sich einmal sechs Tage in der Woche bei minus zehn Grad in so eine Bude!", rief eine der Händlerinnen den protestierenden Nachbarn zu. Der Zustand des Marktes sei schlicht nicht zu ertagen für viele Händler. 

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Außerdem will die Stadtsparkasse in direkter Nachbarschaft zum Markt einen modernen Wohnkomplex mit etwa 170 Wohnungen, Büros und Läden errichten. Dort steht jetzt noch ein ehemaliges Umspannwerk der Stadtwerke. Doch für die Anwohner ist der geplante Neubau ein architektonischer Alptraum: "Das Haus ist so ziemlich das Greisligste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe", sagte ein Anwohner. Die Nachbarn befürchten, dass die moderne Architektur das Flair des Platzes stört. 

So soll der Neubau der Sparkasse am Elisabethmarkt aussehen. 

Dazu kommt, dass es im benachbarten Gisela-Gymnasium viel zu wenig Klassenräume gibt. Die Schüler und Eltern hofften darauf, dass die Schule einige Räume in dem Neubau nutzen könnte. Doch von der Sparkasse kam dazu aber eine Absage. Viele Anwohner hoffen, die Pläne der Stadt noch verhindern zu können. Ihr Vorbild ist der Markt am Wiener Platz. Auch da hatte es zunächst so ausgesehen, als wäre ein Abriss der Marktstandl unausweichlich, doch dann konnten die bestehenden Häuschen doch saniert und erhalten werden. 

Umfrage: Das sagen die Anwohner zu den Plänen

Schöne Standl 

Ich fände es schön, wenn die Standl so erhalten bleiben würden. Fatal wäre, wenn in den Neubau der Sparkasse ein Supermarkt einzieht und den Händlern am Markt Konkurrenz macht. Es geht das Gerücht um, dass ein Standl weichen muss, das wär’ schlimm! Julian Kirsch (29), Anwohner 

Mehr Räume 

Ich plädiere dafür, dass im Zuge der Umbauten das Gisela-Gymnasium mehr Räume bekommt. Das Sparkassending ist ein Riesenkomplex, der dem Platz den ganzen Charme nehmen wird. Christina Longoni, Elternbeirätin am Gisela-Gymnasium 

Einfach schade 

Ich wohne seit 1964 in der Gegend und würde den charmanten Platz gern so behalten. Aber ich bin fast 70, vielleicht müssen wir Alten auch mal loslassen. Trotzdem schade, wenn tatsächlich der Abriss kommen sollte. Erika Raspe (69), Anwohnerin

Platz für Schüler 

Wir sind für einen Umbau, obwohl es während der Bauzeit für uns sicher anstrengend wird, wenn wir bei dem Lärm Prüfungen schreiben müssen. Aber trotzdem: Wir brauchen Klassenräume im Neubau der Sparkasse! Susto Fanny Ommert (16), Sophia Nikolaides (14) und Fabian Rieth (17), Schülersprecher des Gisela-Gymnasiums

Nostalgisch 

Ich wohne am Elisabethmarkt, aber wir wissen wenig darüber, was geplant ist. Was man halt von den Händlern und den Nachbarn so für Gerüchte hört. In meiner Brust schlagen da zwei Herzen: Einerseits bin ich nostalgisch. Das war immer so schön hier. Das darf man nicht aufgeben. Aber wenn man es schafft, das alte Bild hinüberzuretten, dann freuen sich sicher alle Seiten. Ralf Nagel (48), Anwohner

Die Häuschen im Bestand sanieren 

Wir wollen, dass der Markt nicht abgerissen wird! Die Häuschen könnten im Bestand saniert werden. Das ist doch so wie am Wiener Platz: Erst war von Abriss die Rede - und dann doch eine Sanierung möglich. Hubertus von Medinger und Gerhard Sahner, Bürgerinitiative Pro-Elisabethplatz

Endlich gibt es mal Infos! 

Es ist gut, dass es jetzt eine Info-Veranstaltung gibt und endlich mal gesagt wird, was eigentlich passieren soll. Ich bin dem Umbau gegenüber negativ eingestellt. Der Platz ist im Sommer wahnsinnig schön. Man kann mit den Kindern in der Sonne sitzen, das ist super. Es wäre sehr schade drum! Anja Hauk-Jegen (29), Anwohnerin

Judith Issig

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