Prozess vor dem Landgericht

Fahrer spielte wohl am Handy: Stadtbus rammt Mann und zermalmt ihn beinahe 

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Der Unfall ereignete sich bereits im Januar.

Eine Narbe auf der rechten Hand erinnert Axel P. noch heute an den 31. Januar - den Tag, als ihn in Schwabing ein Stadtbus rammte – und beinahe zermalmte. Nun wurde der Fall vor Gericht verhandelt.

Viel hätte nicht gefehlt – dann wäre Axel P. (53, Name geändert) heute nicht mehr am Leben. „Ich glaube, ich hatte einige Schutzengel“, sagt er. Eine Narbe auf der rechten Hand wird den Koch immer an den 31. Januar erinnern. Den Tag, als ihn in Schwabing ein Stadtbus rammte – und beinahe zermalmte!

„Ich war unterwegs zu meinem Vater und fuhr gegen 18.30 Uhr auf der Karl-Theodor-Straße.“ An der Kreuzung musste Axel P. halten, dann schaltete die Ampel auf Grün. Er fuhr langsam an und passierte die Belgrad-Straße – da rauschte von links plötzlich der Stadtbus heran. „Er traf meinen Golf von schräg links und fuhr voll in den Kotflügel. Im Auto gingen alle Airbags auf. Ich dachte erst, es brennt.“

Axel P.

Nach dem ersten Schock stieg Axel P. aus und telefonierte noch. Erst später stellte sich heraus, dass seine rechte Hand gebrochen war. „Sie war stark geschwollen, aber das habe ich zunächst gar nicht wahrgenommen. Ich war nur froh, dass in dem Moment keine Tram kam. Das war Riesen-Glück. Sonst wäre vielleicht mehr passiert.“

Am Landgericht wurden ihm 4000 Euro zugesprochen

Nach dem Unfall musste Axel P. operiert werden und konnte wochenlang nicht arbeiten. Noch heute hat er sechs Schrauben in der rechten Hand und muss zur Krankengymnastik. Es sind Folgen des Unfalls, die er nicht einfach hinnehmen will – er verklagte deshalb den Busfahrer auf Schmerzensgeld.

Am Landgericht wurden Axel P. 4000 Euro zugesprochen. Doch in dem Prozess kamen unfassbare Hintergründe heraus! „Der Bus hätte den Unfall klar vermeiden können“, sagt Anwalt Florian Timm. „Es war ein krasser Verkehrsverstoß“, sagte auch Richterin Widera. Denn: „Die Ampel war schon neun Sekunden lang rot. Neun Sekunden! Das muss man sich mal vorstellen.“ Doch damit nicht genug: Nach tz-Informationen hatte der Busfahrer die rote Ampel nicht gesehen, weil er am Handy gespielt hatte.

„Unfassbar, dass so etwas in einem städtischen Bus passiert“, sagt Axel P. „Bei mir hat sich der Fahrer nie entschuldigt.“ Spätestens am 8. August sehen sich beide aber wieder. Dann wird dem Busfahrer der Strafprozess gemacht. Die Anklage lautet auf fahrlässige Körperverletzung. Bis dahin fährt er weiterhin seinen regulären Dienst in Schwabing.

Das sagt die MVG zu dem Vorfall

Dass ein städtischer Busfahrer einen schweren Unfall verursacht, kommt zum Glück nicht oft vor. Die MVG nimmt den Vorfall ernst. „Stand der Dinge ist, dass der Fahrer noch bei uns arbeitet“, sagt Sprecher Matthias Korte. Er bezweifelt, dass es tatsächlich eine Handy-Nutzung am Steuer gegeben hatte. Im Strafprozess vor dem Landgericht wird sich das bald herausstellen. „Wir gehen dem selbstverständlich so rasch wie möglich nach“, sagt Korte. Und ergänzt: „Völlig unstrittig ist, dass die Handy-Nutzung am Steuer untersagt ist. Verstöße werden disziplinarisch geahndet, beispielsweise durch eine Abmahnung.“ Im schlimmsten Falle droht die Kündigung.

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