Explosive Kriegs-Relikte

Bomben-Notfall: Schwabinger Krankenhaus auf dem Pulverfass

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Auf dem Gelände des Schwabinger Krankenhauses schlummern mit großer Wahrscheinlichkeit explosive Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg: Fliegerbomben!

Ausgerechnet so kurz vor der Wiesn birgt diese Nachricht Zündstoff: Auf dem Gelände des Schwabinger Krankenhauses schlummern mit großer Wahrscheinlichkeit explosive Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg: Fliegerbomben!

München - Bereits im Oktober 2014 kam der erste Warnschuss: Da hielt eine 112,5 Kilo schwere Fliegerbombe in 1,50 Meter Tiefe an der Ecke Tristan-/König-Marke-Straße unweit des Schwabinger Krankenhauses für sieben Stunden die Anwohner in Atem. Damals mussten nur wenige Patienten in abgewandte Teile des Klinikums umgebettet werden. Die aktuelle Situation ist völlig anders. 

Warum wurde jetzt eine Fliegerbombe am Schwabinger Krankenhaus entdeckt?

Die jüngst begonnene Sanierung des Geländes machte zwingend eine Sondierung nötig. Die Bodenmessungen zeigten laut Johannes Mayer, dem Sprecher des Kreisverwaltungsreferats (KVR): Die Wahrscheinlichkeit von Bombenfunden während der Bauarbeiten ist groß. 

„Die Erdschichten werden von Experten gerade sehr vorsichtig abgetragen, um eventuell darin liegende Bomben nicht zu bewegen oder zu beschädigen.“

Das Bau-Gelände im Osten des Klinik-Areals. Zurzeit finden dort Sondierungsmaßnahmen statt.

Tausende Patienten & Anwohner betroffen

Sollte es notwendig werden, das gesamte Gelände zu räumen, rechnet Mayer mit einem Vorlauf von mehreren Tagen. Im 250-Meter-Radius um die Baustelle sind etwa 1300 Menschen und die Hälfte des Klinik-Areals betroffen. Im 500-Meter-Radius leben 8000 Anwohner, dann wird das komplette Klinikgelände umfasst. Im 1000-Meter-Radius wären rund 38.000 Anwohner sowie alle Patienten und das Klinikpersonal betroffen. Bereits vor Tagen informierte die Polizei alle Pflege- und Betreuungseinrichtungen in der Umgebung, sich Gedanken über eine mögliche Evakuierung ihrer Schützlinge zu machen.

Diese Ankündigungen lösten besorgte Anfragen bei der Stadtverwaltung, dem KVR und den Rettungsdiensten aus. Im Ernstfall würden die Behörden kurzfristig einen sogenannten Katastrophenschutzstab mit Fachleuten von KVR, Feuerwehr und Polizei bilden, der dann die Räumung leitet.

Kampfmittelexperten befürchten das Schlimmste

Ein einziges Mal wurde in Schwabing eine unberechenbare Bombe mit Säurezünder gefunden – die Sprengung an der Feilitzschstraße sorgte deutschlandweit für Aufsehen. Dieses Schlimmste aller Szenarien haben auch die Kampfmittelexperten im Kopf. Zumindest zur Wiesnzeit werden nach Auskunft von KVR-Sprecher Mayer mögliche Blindgänger auf dem Klinikgelände gar nicht erst ausgegraben: „Die Entschärfung wird dann erst nach dem Oktoberfest kontrolliert stattfinden und die Fundstelle bis dahin bewacht.“

Gibt es eine Räumung zur Wiesnzeit?

Denn alle Experten sind sich einig: Eine Räumung zur Wiesnzeit ist nicht möglich. Die Klinik ist Anlaufadresse Nummer eins in der Notfallversorgung während des Oktoberfestes. Ärzte, Schwestern und Pfleger haben geübt, in kürzester Zeit zahlreiche Schwerverletzte zu versorgen. So wurde bereits in der Bauzeit der Allianz Arena mit dem Klinikum ein sogenannter MANV (Massenanfall von Verletzten) geprobt, ein Konzept, das auch für den Fall eines Terroranschlags weiterentwickelt wurde. Zudem rechnen die Experten damit, dass im Laufe der Sondierung mehr als ein Blindgänger gefunden wird – also mehrfache Evakuierungen notwendig werden. Auch das ist für die Retter während der Wiesn nicht zu schaffen.

Die fachgerechte Sondierung möglicher Kampfmittel soll verhindern, dass eine sofortige Evakuierung ohne ausreichend Vorlaufzeit notwendig wird. Mit Messgeräten wird der Boden nach größeren Gegenständen abgesucht, die das Erdmagnetfeld stören. Diese Bilder zeigen auch, wie tief die mutmaßliche Bombe liegt. Dann wird das Corpus Delicti sehr vorsichtig ausgegraben. Das letzte Wort hat immer der Sprengmeister. Je nach Zündsystem und Zustand der Bombe muss er einschätzen, ob unverzüglich geräumt werden muss oder nicht.

Evakuierungspläne stehen bald

Bereits Anfang kommender Woche werden die Evakuierungspläne der Branddirektion stehen. Die meisten Patienten könnten im Falle einer Räumung die Klinik aus eigener Kraft verlassen und in speziellen Räumen oder von Angehörigen solange betreut werden, bis die Rückkehr möglich ist. Sorgen machen den Rettungsdiensten rund 1000 bettlägerige Patienten sowie die Bewohner von drei Altenheimen, die abgeholt, transportiert, versorgt und wieder zurückgebracht werden müssten. Eine Herkulesaufgabe selbst für den großen Münchner Rettungsdienst, die allein kaum zu stemmen ist. Die Stadt kann dafür den Katastrophenfall ausrufen, um überregionale Hilfe anzufordern. KVR-Sprecher Johannes Mayer meint jedoch, „dass es schon genügen würde, in anderen Städten um Unterstützung zu bitten“.

Die Klinik-Leitung vertraut den Konzepten. Sprecher Raphael Diecke: „Wir erleben eine höchst professionelle Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und vertrauen auf deren Expertise und Erfahrung.“

Niemand weiß, was im Boden schlummert - Experten rechnen mit Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die Explosion vor exakt fünf Jahren

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass die „Schwabinger Bombe“ die Stadt tagelang in Atem hielt. Am 27. August 2012 war das Ungetüm auf dem Gelände der Kultkneipe Schwabinger 7 damals gefunden worden. Diese Fliegerbombe hatte einen extrem gefährlichen Säurezünder, der nicht ausgebaut werden konnte. Das 250-Kilogramm-Trumm steckte kopfüber inmitten eines Baugrundstücks im Herzen Schwabings, der Feilitzschstraße. Am Abend des 28. August 2012 wurde die amerikanische Fliegerbombe schließlich gesprengt. Am nächsten Tag offenbarten sich Millionenschäden an den umliegenden Wohnhäusern, Geschäften und Kneipen. Auf dem Grundstück wurde inzwischen ein Neubau errichtet. Sehen Sie hier das Video zur Explosion der Schwabinger Fliegerbombe.

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass die „Schwabinger Bombe“ die Stadt tagelang in Atem hielt.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Schwabing – mein Viertel“.

Von Dorita Plange

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