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Olympiasee-Gaffer: Staatsanwalt leitet Verfahren ein

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Die Videoaufnahme war dem filmenden Pärchen am Olympiasee im Moment des Einbrechens wichtiger, als zu helfen.

München - Das Gaffer-Video vom Olympiasee liegt der Staatsanwaltschaft vor. Die prüft nun mehrere Tatbestände. Es wäre nicht die erste Verurteilung in solch einem Fall.

Seit Tagen kursiert im Internet das Video eines Elternpaares, das auf dem Olympiasee einbricht. Die Reaktion der beiden Filmer, die über den Vorfall feixen, anstatt zu helfen, löste in den sozialen Medien extreme Empörung aus. Bundesweit greifen die Medien das sogenannte Gaffer-Video auf

Staatsanwaltschaft prüft Tatbestand

Jetzt hat die ganze Sache für die Filmer möglicherweise auch ein juristisches Nachspiel. Es werde ein Verfahren eingeleitet, sagt Hildegard Bäumler-Hösl, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I gegenüber unserer Online-Redaktion. 

Verfahren ist zunächst kein Ermittlungsverfahren

Es handelt sich dabei noch nicht um ein Ermittlungsverfahren, es wird zunächst der Tatbestand geprüft; in erster Linie die „Unterlassene Hilfeleistung“. Doch auch eine Beleidigung kann dem filmenden Pärchen möglicherweise zur Last gelegt werden. Die Kommentare zu den eingebrochenen Personen seien verächtlich gewesen. „Das müssen wir auch prüfen“, erklärt Hildegard Bäumler-Hösl. Was letztlich dabei herauskomme, sei noch nicht abzusehen.

Bis das Material von der Staatsanwaltschaft ausgewertet ist, werde die Polizei nicht handeln. Ermittlungen könnten erst dann angestellt werden, wenn ein gesetzeswidriges Verhalten festgestellt werde, so ein Sprecher des Präsidiums in München. Wann der Tatbestand geklärt sei, sei derzeit noch unklar.

Ein kniffliger Fall

Bei der Unterlassenen Hilfeleistung handelt es sich um einen sehr individuell auslegbaren Paragraphen des Strafgesetzbuches. Im Wortlaut heißt es hier (§323c): „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Da gebe es zwischen verschiedenen Personen große Unterschiede, meint Hildegard Bäumler-Hösl. „Eine alte, gebrechliche Frau hat sicher andere Pflichten als ein junger Mann.“

Ob im vorliegenden Video nun ein solcher Tatbestand vorliege, sei spontan schwer einzuschätzen. Einerseits stehen die Filmer recht weit vom Unglücksort entfernt. Auch stoßen relativ zügig andere Ersthelfer hinzu. Abgesehen davon könne auch die geringe Tiefe des Olympiasees eine Rolle spielen. Einen Notruf kann man aber immer absetzen, alleine damit erfülle man häufig bereits seine Pflicht. „Ob die Sachlage letztlich für Unterlassene Hilfeleistung ausreicht, muss man sehen“, erklärt die Pressesprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft.

Verurteilungen keine Seltenheit

Immer wieder kommt es auch in München zu Anklagen sowie Verurteilungen wegen Unterlassener Hilfeleistung. „Allerdings ist der Strafrahmen da ja recht niedrig angesetzt“, sagt Hildegard Bäumler-Hösl. Geldstrafen kämen zwar in diesem Zusammenhang hin und wieder vor. Vermutlich häufiger, als man es vermuten würde. Eine Gefängnisstrafe sei hingegen eher die Ausnahme.

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