Kündigung nach 46 Jahren

Hilfswelle für rausgeworfene Tagesmutter

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Traurige Ostern: Tagesmutter Evi Pietsch musste ihre Wohnung zum 1. April räumen.

München - Evi Pietsch, die Tagesmutter, die nach 46 Jahren aus ihrer Wohnung in Schwabing gekündigt wurde, hat nach dem tz-Bericht wieder Hoffnung geschöpft. Inzwischen haben sich einige Leser gemeldet, die ihr helfen möchten.

Nach 46 Jahren! Vermieter wirft Evi aus der Wohnung

In diesem Haus in der Clemensstraße hagelt es Kündigungen.

Kommende Woche kann die 50-Jährige bereits eine GBW-Wohnung in Schwabing besichtigen, die ab Juni frei wird. „Es wäre toll, wenn das klappen würde, dass Evi Pietsch bei uns in einer unserer 7500 Wohnungen in München unterkommt“, sagt eine GBW-Mitarbeiterin. „Und auch für die Eltern bin ich guter Hoffnung, dass wir etwas finden.“ Pietschs Mutter Anneliese Baldermann (71) und deren Ehemann Siegfried Putrih (63), die im Stockwerk darunter wohnen, wurden wegen einer Eigenbedarfs-Kündigung vor die Tür gesetzt.

„Ich bin sehr froh über die Hilfszusagen“, freut sich Evi Pietsch. Sie will in Schwabing bleiben, damit sie ihre Tagespflegekinder behalten kann. Dass ihr Vermieter jetzt noch einmal Gesprächsbereitschaft zeigt, lässt sie jedoch kalt. Sie wolle nicht mehr in dem Haus bleiben. Der Vermieter, der anonym bleiben will, erklärt in einem Schreiben an die tz, dass er Evi Pietsch abgemahnt und gekündigt habe, weil sich ein Mieter im Haus über die Tagespflege beschwert hatte. Außerdem sei sie nicht die offizielle Mieterin.

Auch Anneliese Baldermann und Siegfried Putrih müssen raus.

Zur Erklärung: Auf Pietschs Mutter Anneliese Baldermann läuft seit 46 Jahren der Mietvertrag über die Wohnung, obwohl diese schon vor vielen Jahren mit ihrem Mann in die Wohnung darunter gezogen ist. „Ich habe versäumt, ihn auf mich umschreiben zu lassen, weil ich darin kein Problem sah“, sagt Evi Pietsch. Der Vermieter bezichtigt sie der Lüge, wenn sie sage, dass die Mutter nach wie vor in der Wohnung gelebt habe. Evi Pietsch kann da allerdings nur den Kopf schütteln: „Meine Mutter ist bei mir ein und aus gegangen, da mein Stiefvater oft aus beruflichen Gründen nicht zu Hause war und sie nicht alleine sein wollte. Wir haben oft zusammen Abend gegessen und dann hat sie bei mir übernachtet, da sie sich alleine gefürchtet hätte.“ Tagsüber, wenn die Kinder da waren, sei ihre Mutter nie in der Wohnung gewesen.

SAS

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