Von der Hüft-Hölle in den Himmel

So spektakulär feiert eine Patientin ihre Genesung

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Sabrina im siebten Himmel: Sie kann nach einer Hüft-OP wieder Fallschirmspringen.

München - Ein Leben zwischen Himmel und Hölle: Sabrina K. schleppte sich mit schwerer Arthrose im rechten Hüftgelenk durch den Alltag. Dann kam die rettende Gelenkersatz-OP und wenig später sogar ein Fallschirmsprung. 

Sabrina K. (37) schleppte sich mit schwerer Arthrose im rechten Hüftgelenk durch den Alltag – Gelenkverschleiß, der ihr immer stärkere Schmerzen bereitete. Doch dann half eine spezielle Gelenkersatz-OP der Patientin wieder auf die Beine – und führte Sabrina buchstäblich zurück in den (siebten) Himmel: Wieder topfit, wagte sie ihren ersten Fallschirmsprung mit einer künstlichen Hüfte!

Dieses Abenteuer meisterte die leidenschaftliche Hobbysportlerin ohne Probleme. „Ich bin überglücklich. Bei der Landung hat die Hüfte perfekt gehalten. Das war der endgültige Beweis dafür, dass die Operation für mich die richtige Entscheidung war“, sagt Sabrina.

Vor dem Sprung in ein neues, aktives Leben stand eine lange Leidensgeschichte. Sie begann mit einer angeborenen Fehlstellung der Hüftknochen, befeuert von zwei unglücklichen Stürzen. „Dadurch entwickelte sich eine aktivierte Coxarthrose. So nennt man eine besonders schwere Form von Gelenkverschleiß, begleitet von einer massiven Entzündung des Gelenks“, erklärt Sa­brinas Operateur Dr. Christian Kothny.

Der Chefarzt für Orthopädie an der Schwabinger Clinic Dr. Decker konnte der Patientin eine OP nicht ersparen. Ihre Angst davor war groß: „Was geht danach noch? Kann ich wieder richtig Sport treiben oder nur noch auf dem Sofa sitzen und Fernsehen schauen?“

Letztlich vertraute Sabrina K. trotz aller Zweifel auf die Erfahrung des Münchner Spezialisten, der in 33 Berufsjahren unter anderem bereits über 8000 Endoprothesen eingesetzt hat.

Es gibt verschiedene Methoden, eine Prothese einzusetzen. Sie unterscheiden sich unter anderem dadurch, wie der Operateur von außen an das Gelenk herankommt. Dr. Kothny operiert mit Hilfe des ASI-Zugangs („Anterior Supine Intermuscular“). Dabei setzt er einen etwa sechs bis sieben Zentimeter langen Schnitt an der Vorderseite des Oberschenkels. „Der große Vorteil an dieser Technik ist, dass keinerlei Muskeln durchtrennt oder abgelöst werden müssen und die Verletzung von Nerven praktisch ausgeschlossen ist. Die großen Muskelgruppen werden nur auseinandergeschoben“, erklärt Kothny. „Somit ist die Rekonvaleszenz deutlich schneller als bei vielen anderen Verfahren.“ Rekonvaleszenz heißt so viel wie Genesung.

Sabrina K. bekam eine sogenannte schenkelhalserhaltende Kurzschaftprothese eingesetzt. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Der Titanstab, mit dem das Kunstgelenk im ausgehöhlten Oberschenkelknochen verankert wird, ist kürzer als bei einer Standardprothese. „Das Kurzschaftmodell lässt sich sehr genau anpassen und kann — sollte es einmal notwendig werden müssen – einfacher ersetzt werden“, erklärt Spezialist Kothny. Das war gerade bei Sabrina K. wichtig, denn mit 37 Jahren könnte sie mal eine Revision brauchen, wie Mediziner den Austausch eines künstlichen Hüftgelenks nennen. Wie lange die Prothese hält, lässt sich kaum voraussagen. Experten gehen von mindestens 25 bis 30 Jahren aus.

In Sabrinas Fall entpuppte sich die Kombi aus ASI-Zugang und Kurzschaftmodell „Mini-Hip“ als Erfolgsrezept. „Anfangs hatte ich zwar noch ziemlich heftige Schmerzen, aber die ließen nach einigen Tagen schnell nach“, erzählt sie.

Allerdings: Die ehrgeizige junge Frau hat auch selbst hart an ihrer Heilung mitgearbeitet – erst in einer Rehaklinik, dann bei ambulanten Krankengymnastik-Terminen und mit regelmäßigen Übungen zu Hause. So konnte sie schon nach vier Monaten wieder auf Skiern die verschneiten Hänge herunterbrettern. Und mit dem ersten Fallschirmsprung nach der Operation krönte sie ihren großen Traum, die lange Leidenszeit endlich abzuhaken. Manchmal lohnt es sich eben doppelt, wenn man für ein Ziel Himmel und Hölle in Bewegung setzt ...

Andreas Beez

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