Stadtrat-Fraktion will Baugenehmigung ausbremsen

Karstadt: Streit um Nachfolge-Bau - Ein Detail bringt die Politik auf die Palme

In dem digitalen Entwurf ist das neue Gebäude beleuchtet in der Abenddämmerung an einem regnerischen Tag zu sehen.
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Das ist geplant: Am Nordbad soll ein sechsstöckiger Bürokomplex entstehen

Nach dem Karstadt-Aus droht auf der Fläche am Nordbad jahrelanger Leerstand. Der Besitzer würde gern schnell ein schickes Bürogebäude bauen. Doch diesen Plänen will die Politik einen Strich durch die Rechnung machen. Sie fordert, dass der Entwurf erweitert wird: um Wohnbebauung.

  • Nach dem Karstadt-Aus droht Schwabing eine Brachfläche
  • Der Grundeigentümer will einen modernen Bürokomplex bauen
  • Die Mehrheitsfraktion im Stadtrat fordert den Bau von Wohnungen

Seit vergangenem Wochenende ist die Karstadt-Filiale am Nordbad Geschichte. Das Firmen-Imperium, zu der Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof gehört, ordnet sich neu. Kurz nach der Schließung gibt es nun weiteren Wirbel um die Pläne für den Nachfolge- Bau. Wie die tz berichtet hat, soll das Kaufhaus-Gebäude schon nächstes Jahr abgerissen werden – damit an der Stelle ein sechsstöckiges Bürogebäude mit Platz für einen Nahversorger, eine Kita und 371 öffentlich zugängliche Parkplätze entstehen kann. Die Fertigstellung wäre für 2024 geplant. Voraussetzung: eine Baugenehmigung. Dagegen regt sich immer mehr politischer Widerstand.

Entwurf sei für diesen Ort „unangemessen“

Bereits Ende September hatte der Bezirksausschuss Schwabing/West dem Entwurf der Ariston Grundbesitz GmbH & 8. Beteiligungs KG eine Abfuhr erteilt: Die Lokalpolitiker fanden weder die Kita-Pläne noch die Tatsache gut, dass es keinen Wohnungsbau geben soll. Nun legt die Mehrheitsfraktion im Stadtrat nach. SPD, Grüne, Volt und die Rosa Liste fordern per Antrag eine „kluge Nutzungsmischung“ in dem Gebäude. Sprich: auch die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum. Der Entwurf für das Bürogebäude habe „sehr schnell“ auf dem Tisch gelegen und sei nicht das, was sich die Fraktion vorgestellt hat. Fraktionschefin Anna Hanusch (Grüne): „Die bisher vorgelegten Pläne des aktuellen Eigentümers sind dem Ort nicht angemessen. Die Stadt sollte für diesen Ort im Zentrum von Schwabing-West mit seinen prägenden Gebäuden in der direkten Nachbarschaft sorgfältig prüfen, wie hier steuernd eingegriffen werden kann. In Teilen der Fläche wäre grundsätzlich eine bessere Nutzungsmischung sinnvoll und auch der Bau von Wohnungen - die wir in München so dringend brauchen.“

Grundstückseigentümer beruft sich auf das Baurecht

53 Jahre lang befand sich an dem Standort der eher zweckmäßige Kaufhaus-Bau. Im Zuge der Insolvenz, bei der drei Filialen in München schließen, hat Karstadt den eigentlich noch sieben Jahre laufenden Mietvertrag gebrochen – ohne finanziellen Ausgleich für die Ariston GmbH. Die beruft sich auf das Baurecht: Wohnbau sei an dieser Stelle möglich, aber nicht zwingend nötig.

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