Not-OP der Krankenhäuser

Klinikum Schwabing: Nur ein Drittel der Betten bleibt

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Vor 110 Jahren wurde das Schwabinger Klinikum gebaut.

München - Als zu alt, zu groß und viel zu teuer gilt das Schwabinger Klinikum. Vor 110 Jahren begann der Bau des noch immer stolzen Vorzeige-Krankenhauses. Doch bald ist alles Vergangenheit.

In Schwabing schlägt das Herz der (heute finanziell maroden) Städtischen Kliniken. Und wenn morgen ein Mensch an Ebola erkranken sollte, wird er in ganz Bayern nur hier ein Bett finden. Bald ist alles Vergangenheit: Am Dienstag beschließt das Rathaus über den Neubau der Kinderklinik, dazu könnte ein kleines Notfallzentrum kommen – aber das war es schon. Von 900 bleiben nur 294 Betten!

Auf einmal geht alles ganz schnell: Im Februar wurde das Sanierungskonzept für alle fünf städtischen Häuser vorgestellt, im Juli ging es durch den Stadtrat. Und nur ein halbes Jahr später wird die Vorplanung für den ersten Schritt vorgestellt. „Das Klinikum Schwabing ist im Zusammenspiel mit dem Klinikum Bogenhausen ein neuralgischer Punkt für das Gelingen der Klinik-Sanierung“, mahnt Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD).

Zunächst geht es um die Kinderklinik: Schon in den nächsten Monaten soll das Areal für einen Neubau hergerichtet werden, der zwischen den bisherigen Alt- und Funktionsbauten entsteht, die anschließend zu Umbau und Sanierung anstehen. Mitte 2019 soll ein topmodernes Eltern-Kind-Zentrum mit 199 Betten stehen. Höhepunkte sind eine Neugeborenen-Station auf höchstem Niveau und bayernweites Zentrum für schwerst brandverletzte Kinder. Notaufnahme, OPs, Intensivstation und Kreißsäle entstehen praktisch direkt übereinander. Die Kosten sollen bei 48 Millionen Euro liegen – ohne Geräte und Umzug. Wird der Bau noch heuer beschlossen, können schon Fördermittel vom Freistaat fließen. 2015 wird es um einen Anbau für eine Notfallklinik mit 94 Betten gehen.

Und was wird aus dem Rest des riesigen Klinikums? Einzelne Abteilungen ziehen nach Bogenhausen, der Rest wird amputiert. Für die denkmalgeschützten Bauten hofft Schwarz-Rot auf „gesundheitsnahe“ Mieter. Die Grünen denken an eine „Brückenstation“ für Senioren – eine Mischung aus Heim und Krankenstation. Kämmerer Wolowicz berichtet, dass die ersten sechs Interessenten aus dem Gesundheitsbereich kommen. Dann bleibe zumindest die Erinnerung an das Klinikum lebendig.

So läuft die Not-OP der Krankenhäuser

Der Stadtrat hat im Juli tiefe Einschnitte bei den fünf städtischen Kliniken beschlossen: 800 von 3300 Betten müssen bis 2022 weg, die Hautklinik in der Thalkirchner Straße wird aufgegeben, 2000 der 8000 Beschäftigen sollen schwinden. OB Dieter Reiter (56, SPD) verspricht, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

Künftig soll es nur zwei große Kliniken geben: Im Norden bekommt Bogenhausen einen Anbau, dafür muss Schwabing gegen den Protest der Mitarbeiter schrumpfen. Im Süden wird Neuperlach aufgestockt und Harlaching verkleinert. Am Ende kann die gesamte Sanierung eine Milliarde Euro kosten.

David Costanzo

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