Hier finden Sie die Bilder

12.000 Frühaufsteher tanzen beim Kocherlball

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Tausende Münchner trafen sich am Sonntag im Morgengrauen beim Kocherlball am Chinesischen Turm zum Tanzen.

München - Volkstanz muss weder verzopft noch langweilig sein: 12 000 Münchner und Auswärtige, die meisten in Dirndl und Lederhose, waren am Sonntag beim Kocherlball am Chinesischen Turm. Hier die Bilder.

"Alle haben bezweifelt, dass so früh so viele kommen“, erinnert sich Pankraz Freiherr von Freyberg. „Aber ich habe gesagt: Das könnte doch etwas Schönes werden.“ Und der heute 70-Jährige sollte Recht behalten: Seit er den Kocherlball 1989 wieder ins Leben gerufen hat, kommen in aller Herrgottsfrüh tausende in den Englischen Garten.

Auch heuer haben am Sonntag um 6 Uhr wieder 12 000 Menschen bei traumhaftem Sonnenschein zur Geigenmusi der Köschinger Saitentratzer und des Niederbayerischen Musikantenstammtisch getanzt. Pankraz von Freyberg hatte zum 200. Geburtstag des Englischen Gartens ein 17-tägiges kulturelles Volksfest initiiert, etwa drei Millionen Besucher waren zu den über 150 Veranstaltungen gekommen. Teil dieses Programms war auch der nach jahrzehntelanger Unterbrechung wieder stattfindende Kocherlball.

„Beim ersten Mal waren aber schon noch wesentlich mehr Kocherl da als heute“, sagt der 70-Jährige. Ursprünglich war der Ball im 19. Jahrhundert ein Treffen des Küchenpersonals, der Dienstmägde und Diener, die ab 5 Uhr in der Früh tanzten. Denn wenn die Herrschaften um 8 Uhr aus der Kirche kamen, mussten sie wieder arbeiten. „Früher war der Kocherlball natürlich auch ein Heiratsmarkt“, erzählt Pankraz Freiherr von Freyberg. „Wo sollte man sich auch kennenlernen, wenn man den ganzen Tag arbeiten musste.“ Heute kommen viele Besucher schon gegen 3 Uhr in der Früh, um einen Platz im Biergarten, der etwa 7000 Plätze zählt, zu ergattern.

Michael Mahler, Ernst Schwedler, Jasmina Lilie und Ulla Früchtl haben im Vorfeld versucht, einen Tisch zu reservieren. „Aber wir haben keinen mehr bekommen“, sagt Früchtl. „Das ist schon wie auf der Wiesn, da muss man Monate vorher anfragen oder jemanden kennen, der einen Tisch hat.“ Die kleine Gruppe aus Schwabing und Untergiesing war um zehn vor 5 da. Zu dieser Zeit war alles schon voll, mit Mühe konnten sie noch ein kleines Platzerl für ihre Decke ergattern. Dort haben sie ihre Brotzeit ausgebreitet.

 „Getanzt haben wir nur auf der Straße, auf der Tanzfläche ist es einfach viel zu voll“, sagt Früchtl. Entgehen lassen wollen sie sich den Ball aber auch nicht. „Das ist einfach München, das gehört dazu.“ Das Glück, dass eine Freundin seit Jahren einen Tisch auf dem Kocherlball reserviert hat, hatten Bianca Hübner (26) und Ediceh Ebadzadeh (24). „Wir sind das erste Mal da und haben von Freunden von der Veranstaltung erfahren“, sagt Bianca Hübner. Obwohl sie sonst gerne aktuelle Hits hören, sind die beiden von Landler, Zwiefachem, Polka und Walzer ganz begeistert. „Getanzt haben wir aber nicht, zu viele Leute auf der Tanzfläche.“

Von der Menschenmasse unter dem Chinesischen Turm ließ sich eine Frauengruppe, die nur für den Ball aus Vohenstrauß in der Oberpfalz angereist ist, nicht abschrecken. Mit ihren Kocherlgewändern stechen die fünf feschen Damen unter den Dirndl- und Lederhosenträgern heraus. „Die Gewänder haben wir im Landestheater ausgeliehen“, erzählt Claudia Forster. Ihre erste Fahrt zum Kocherlball wird nicht die letzte gewesen sein. „Es ist toll hier, wir waren alle in der Volkstanzgruppe und tanzen seit 6 Uhr durch.“

Als guter Tänzer erweist sich auch Dieter Reiter, der zum ersten Mal als Oberbürgermeister die Traditionsveranstaltung besuchte. „Bei dieser Veranstaltung, die so friedlich und ohne Aggression an diesem tollen Ort stattfindet, sieht man mal, von welch toller Stadt man Bürgermeister ist.“ Kocherlball-Sprecherin Ursula Seeböck-Forster zufolge ist die Veranstaltung auch bei jungen Leute so beliebt, weil viele einen - wenn auch unbewussten - „Wunsch nach echter Tradition“ haben. „Und das finden alle Organisatoren toll.“

Die ersten Bilder vom Kocherlball

Die Bilder vom Kocherlball

Stefanie Wegele

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