Richterin liest ihm die Leviten

Explosion am Schwabinger Christkindl-Markt: Standl-Besitzer dreht durch - Urteil gefallen

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Warf Böller auf Besucher: Martin P. gestand und wurde zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Chaos am Schwabinger Christkindlmarkt: Weil eine Besuchergruppe vor seinem Standl Glühwein trank, warf Martin P. (36) im Dezember 2017 zwei Böller – und verletzte dabei einen Mann. Am Montag fiel das Urteil.

München - Die Miene von Richterin Hildegard Bock war ernst. „So etwas darf nie mehr passieren“, sagte sie zu Martin P. (36, Name geändert). „Sie haben etliche Menschen gefährdet!“ Am Amtsgericht las die Vorsitzende dem Standlbesitzer am Montag die Leviten. Der Grund: Auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt hatte P. am 11. Dezember 2017 zwei kleinere Sprengsätze in eine Gruppe Besucher geworfen. Laut Anklage, um sie „zu maßregeln“, weil sie beim Glühwein-Trinken seinen Stand blockiert hatten.

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An der Münchner Freiheit verkaufte Martin F. selbst hergestellten Metallschmuck. Doch immer wieder standen die Besucher der umliegenden Buden vor seinen feilgebotenen Waren. Mehrfach habe Martin F. sie gebeten, Platz zu machen, und sei auch laut geworden, betonte sein Verteidiger. Doch die Besucher hätten nicht wie gewünscht reagiert. „Dann kam es leider zu einer Kurzschlussreaktion.“

Martin F. zündete erst den einen Böller, warf ihn, traf, wartete und zündete dann den nächsten. „Sie haben vorsätzlich eine Sprengstoff-Explosion herbeigeführt – mitten in einer Menschenmenge“, warf ihm der Staatsanwalt vor. Ein Besucher wurde verletzt. Und auf dem Christkindlmarkt brach ein kleineres Chaos aus: Etliche Besucher waren verängstigt ob der Knalle, gegen 20 Uhr rückte die Polizei an der Münchner Freiheit an. Gegenüber den Beamten gestand Martin B. sofort alles ein – so wie auch gestern vor dem Amtsgericht. „Es tut mir sehr leid. Das war eine dämliche Aktion von mir.“

Und eine sehr gefährliche: Denn ein Mann, der direkt vor dem Stand von Martin P. stand, erlitt ein Knalltrauma und musste behandelt werden. „Ich bin fassungslos“, sagte der Staatsanwalt. „Zum Glück ist keine Massenpanik entstanden. Jedes Kind weiß, dass es bei Böllerwürfen Verletzte oder sogar Tote geben kann – das sieht man jedes Jahr an Silvester.“

Parallelen zu Berliner Anschlägen

Dazu komme: Etliche Besucher seien mittlerweile sensibilisiert dafür, dass „Christkindlmärkte im Fadenkreuz von terroristischen Anschlägen stehen“, wie man im Dezember 2016 in Berlin gesehen habe. Am Breitscheidplatz starben damals elf Menschen, als ein Sattelzug in den Weihnachtsmarkt raste. 55 weitere Menschen wurden verletzt.

Böller am Schwabinger Christkindl-Markt: Das Urteil der Richterin

„Sie hatten nicht mehr in der Hand, was passiert. Es hätte auch ein Feuer ausbrechen können“, sagte die Richterin – und verurteilte Martin P. zu 15 Monaten auf Bewährung. Schuldig sei er auch der gefährlichen Körperverletzung und Nötigung. Er muss 100 Sozialstunden leisten.

„Mein Mandant bereut die Tat bis heute. Er hat leider die Nerven verloren“, sagte Verteidiger Thomas Novak. Im vergangenen Winter habe Martin P. finanzielle Probleme und eine Beziehungskrise durchlebt.

Der Staatsanwalt konnte darüber nur den Kopf schütteln: „Als Standlbesitzer ist jemand wie Sie ungeeignet. Leider kann ich es Ihnen nicht verbieten“, rügte er Martin P., der jährlich 7000 Euro als Einnahmen angab. Auch heuer wird er wohl wieder auf dem Christkindlmarkt vertreten sein.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Schwabing– mein Viertel“.

Andreas Thieme

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