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Münchner Gastro-Institution wird nach 150 Jahren umbenannt – „Hängen so viele Erinnerungen dran“

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Von: Julian Limmer

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Café in der Schellingstraße
Seit 1887 in der Schellingstraße: Das Café Altschwabing. © Marcus Schlaf

Das Café Altschwabing ist eine Institution an der Schellingstraße – seit 150 Jahren. Jetzt verschwindet der traditionsreiche Name – der bisherige Betreiber will neue Wege gehen.

München - Was in diesem Café wohl schon für große Ideen und Gedanken entstanden sein mögen? Literaten wie Thomas Mann oder Joachim Ringelnatz, Maler wie Paul Klee und Wassily Kandinsky und sogar der spätere Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin – sie alle sollen im Café Altschwabing schon eingekehrt sein. Lang ist es her! An das Kaffeehaus-Flair der Schwabinger Bohème erinnert heute vor allem noch die historisch prächtige Stuckdecke in dem Café in der Schellingstraße.

Café Altschwabing ändert nach 150 Jahren seinen Namen - „War einfach der richtige Zeitpunkt“

Die Decke wird auch bleiben – ansonsten ist das Café Altschwabing seit heute Geschichte! Betreiber Aslan Celik (40) will mit dem Café neue Wege gehen: neuer Name, neues Design, neues Konzept. Sogar die Kronleuchter, die so erhaben von der Stuckdecke baumeln, kommen weg. Ab August wird aus dem Café das Restaurant Mozzamo – eine Zusammensetzung aus den italienischen Wörtern Mozzarella und amo, also Liebe. Ein Restaurant für italienische Speisen und Spezialitäten also.

Celik betreibt bereits drei Restaurants unter diesem Namen in München. „Es war einfach der richtige Zeitpunkt, dieses Konzept überall umzusetzen“, sagt Celik. Denn: Auch die Gastro-Branche sei in den vergangenen Jahren insgesamt schnelllebiger geworden, müsse sich immer wieder neuen Entwicklungen anpassen.

München: Gastro-Institution heißt jetzt Mozzamo - „Hängen so viele Erinnerungen daran“

Wie es dann genau aussehen soll, will Celik nicht verraten. Das Design werde sich aber den übrigen Mozzamo-Restaurants orientieren. Alles einen Tick moderner eben. Die Entscheidung sei Celik aber nicht leicht gefallen: „Es hängen ja so viele Erinnerungen daran, so viel Herzblut.“ So ein traditionsreiches Café führen zu dürfen, mache ihn immer noch stolz.

Café Altschwabing
Betreiber Aslan Celik erklärt, warum das Lokal umbenannt wird. © Oliver Bodmer

Bereits 1887 war das Haus in der Schellingstraße, wo kurz darauf das Café einzog, erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben die oberen Stockwerke –das Café samt Stuckdecke blieb jedoch verschont. Vor rund 20 Jahren wurde die Decke dann aufwendig restauriert. Kurz darauf übernahm Celiks Familie das Café.

Seitdem gab es neben Kaffee und Kuchen auch türkische Spezialitäten. Diese reihten sich auf der Speisekarte ein neben den vielen Geistesgrößen, die das Café einmal beehrt hatten: Bis vor Kurzem gab es etwa noch Frühstücke mit den Namen Ringelnatz, Paul Klee und Franz Marc. Sie werden künftig Pizza Margherita und Co. aus dem Holzofen weichen. Das ist wohl der Wandel der Zeit. (Julian Limmer)

Nicht weit von der Schellingstraße stellt sich auch ein weiteres Traditionslokal neu auf. Nach einigen Skandalen soll die Max-Emanuel-Brauerei zu alter Stärke zurückfinden.

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