OB Reiter kassiert parteiinternen Vorschlag

Münchner Feiermeile scheitert krachend: Es hagelt Kritik an Rathaus-SPD - „Falsche Hoffnungen“

Party in der Türkenstraße
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Massenpartys wie hier auf der Türkenstraße sollten in München auf eine „Feiermeile“ konzentriert werden. Der Plan des Stadtrats lässt sich allerdings nicht umsetzen.

Die Ludwigstraße wird an den Wochenenden nicht für Münchner Party-People gesperrt. Pläne für eine „Feiermeile“ haben sich erledigt. Nun hagelt es Kritik.

Update vom 5. Juli, 18.58 Uhr: SPD-Fraktionschefin Anne Hübner war am Montag enttäuscht. „Leider fallen damit auch andere größere Alternativen aufgrund des Infektionsschutzes aus. Deshalb müssen wir kleinteilige Angebote für junge Menschen machen. Und die müssen schnell auf die Straße.“ Grünen-Vize Dominik Krause derweil war irritiert. „Die SPD bringt einen Vorschlag, und ihr eigener OB kassiert ihn wieder ein. Es wäre sinniger, sich vorher mal abzustimmen.“

Krause hofft nun, dass zumindest die übrigen Teile des gemeinsamen Antrags aufgegriffen bleiben, der sah unter anderem mehr Toiletten und Müllbehälter in der Türkenstraße vor. Die Opposition sieht in der Entscheidung am Montag eine Schmach für die grün-rote Kooperation. Fraktions-Chef Manuel Pretzl sagte: „Grün-Rot hätte die Sperrung rechtlich prüfen lassen sollen, bevor man sie groß ankündigt. So wurden jungen Menschen falsche Hoffnungen gemacht. Das ist unseriöse Politik.“

Söder soll „so bald wie möglich“ reagieren

Update vom 5. Juli, 15.57 Uhr: Der Vorschlag, die Ludwigstraße an Wochenenden zu sperren, kann nicht weiterverfolgt werden. Das war das Ergebnis der heutigen Referentenbesprechung unter Leitung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Leider ist das Ergebnis eindeutig. Eine Sperrung der Ludwigstraße ist sowohl aus straßenverkehrsrechtlichen wie auch aus Infektionsschutzgründen nicht möglich“, erklärte Reiter. Das habe die Prüfung der Fachreferate ergeben.

„Um trotzdem eine bestmögliche Entzerrung zu erreichen, erarbeitet die Verwaltung derzeit weitere Vorschläge für mehr Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien“, versprach der Oberbürgermeister, der gleichzeitig einen Appell an die Staatsregierung um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sendete.

Pläne für Party-Konzept in München gescheitert: OB Reiter nimmt Söder in die Pflicht

Bars seien unter der Prämisse eines Hygienekonzepts auch im Innenbereich „so bald wie möglich“ wieder zu öffnen. Reiter weiter: „In einem nächsten Schritt muss man zusammen mit den Club-Betreiber*innen Konzepte entwickeln, wie man sicheres Feiern und Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene möglich machen kann.“

Das Sozialreferat tauscht sich derzeit mit Kollektiven aus, die verschiedene Orte in nicht-kommerzielle Veranstaltungs-Bereiche verwandeln wollen. Mögliche Orte sollen bereits in der kommenden Woche mit den Bezirksausschüssen besichtigt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Doch keine „Feiermeile“ in München: Umstrittene Pläne sind nicht umsetzbar

Ursprungsmeldung:

München - Rechtliche Erwägungen führen offenbar dazu, dass sich das Projekt in der Landeshauptstadt nicht umsetzen lässt. Wie unsere Zeitung aus dem Rathaus erfahren hat, wird es an den Wochenenden keine „Feiermeile“ auf der Ludwigstraße geben.

Der Stadtratsbeschluss, die Ludwigstraße von Odeonsplatz bis Ohmstraße an den Wochenenden von 22 bis 2 Uhr für den Verkehr zu sperren, hatte zuvor die Innenstadthändler und den Hotel- und Gaststättenverband Bayern erzürnt.

„Feiermeile“ in München? Pläne wurden hitzig diskutiert

„Nach vielen Monaten geschlossener Gastronomiebetriebe ist dies das falsche Signal aus dem Rathaus“, erklärte der DEHOGA-Kreisvorsitzende Christian Schottenhamel. Für Bars, Clubs und Diskotheken habe man längst Hygienekonzepte entwickelt, um sicheres Feiern zu gewährleisten.

Eigentlich hätte die „Feiermeile“ vor allem geplagte Anwohner der Türkenstraße (dort hatten ausschweifende Freiluftpartys für Ärger gesorgt) entlasten sollen. Nun lässt sie sich wohl nicht umsetzen, weil es sich bei ihr nicht um eine Veranstaltung im klassischen Sinne handelt.

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