Hurra! 

Ich darf als Einziger bleiben! Münchner kämpft erfolgreich gegen Luxussanierung  

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Seit dem Verkauf hat der neue Investor alle Mieter an der Occamstraße 1 zum Ausziehen gebracht. Nur Burkhard Stolla hat sich mit Erfolg gewehrt.

Die übliche Geschichte: Ein Investor kauft ein Haus, entmietet die Bewohner, dann wird Luxus-saniert. Doch Burkhard Stolla, Bewohner des Gebäudes an der Occamstraße 1, hat sich erfolgreich gewehrt.

München - In absoluter Top-Lage an der Occamstraße 1 in Altschwabing steht ein altes Haus – ein Filetstück für Investoren. Im Jahre 2018 hat die Altschwabing Projekt GmbH das Gebäude gekauft und seither alle Mieter dazu gebracht, auszuziehen. Alle bis auf einen. Denn in einer der neun Wohnungen lebt Burkhard Stolla (65) – und den werden die Käufer nicht los.

Miete ist unschlagbar günstig - und zwar aus einem Grund

„Ich wohne seit 33 Jahren hier und zahle seit meinem Einzug für meine Zwei-Zimmer-Wohnung gerade mal gut 200 Euro Miete“, erzählt der Handwerker. Der neue Besitzer habe ihm den Auszug bereits nahegelegt, aber Stolla blieb hartnäckig. „Die anderen haben sie mit einer Abfindung aus dem Haus bekommen, aber bei mir wissen sie, dass das nichts bringt“, sagt er. Stolla bezieht Erwerbsminderungsrente und Grundsicherung. „Das Sozialreferat würde alles einbehalten“, erklärt er. Die Miete für seine Wohnung sei deshalb für Münchner Verhältnisse so unschlagbar günstig, weil Stolla die Wohnung vor seinem Einzug selbst renovieren musste. 

„Das war ein Loch hier. Die Tapete hing in Fetzen, es gab keine gute Dämmung, keine Dusche“, zählt er auf. Mit viel Liebe hat der 65-Jährige aus seinem Heim ein kleines buntes Paradies gezimmert. Ob Wandteller, Bilder oder Lebkuchenherzen, fast jeden Quadratzentimeter ziert inzwischen ein persönliches Schmuckstück. Besonders stolz ist Stolla auf sein mit Türmchen und Mosaiksteinchen verziertes Bett. „Es sieht aus wie aus 1001 Nacht“, schwärmt er. „Hier ist alles perfekt – so wie es jetzt ist.“ In der Nachbarschaft kenne ihn jeder. „Man mag und respektiert mich hier. Ich will nicht woanders von vorne anfangen müssen“, betont Stolla.

Der leidenschaftliche Handwerker hat seine Wohnung komplett selbst renoviert.

Die Hartnäckigkeit des Rentners hat sich mittlerweile bezahlt gemacht. Zwar wohnt Stolla ganz alleine in dem dreistöckigen Haus, doch mit seinem Problem ist er nicht alleine. Aus Sorge, das Gebäude könne nun luxussaniert oder gar abgerissen werden, hat sich die Bürgerinitiative Pro Schwabing eingeschaltet. 

„Wir sehen das Haus als unbedingt schützenswert und denkmalwürdig an“, sagt Sprecherin Birgit Sasowski. „Es ist noch vor 1900 erbaut worden. Besonders beeindruckend sind die originalen Ausstattungen.“ Darunter falle etwa das historische Treppenhaus. Deshalb hat die Initiative mit einer Petition allein in der Nachbarschaft bereits mehr als 500 Unterschriften gesammelt. In dieser fordert Pro Schwabing, dass das bereits unter Ensembleschutz stehende Haus ein Einzelbaudenkmal wird. Nur so könne sichergestellt werden, dass das Gebäude behutsam saniert wird und die Mieter geschützt werden. Auf Anfrage der Initiative wird deren Forderung gerade vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege geprüft.

Das soll nun mit dem Haus in Schwabing passieren 

Mittlerweile rudert sogar der Besitzer zurück. Auf Anfrage unserer Zeitung teilt ein Sprecher mit: „Die Gesellschaft will das stark renovierungsbedürftige Gebäude komplett sanieren. Das Dachgeschoss soll ausgebaut werden und der eine Mieter darf bleiben, wenn er will.“ Stolla ist überrascht. „Das sind ja ganz neue Töne! Aber ich freue mich“, sagt er.

Was das hingegen für seine Miete bedeutet, ist noch völlig unklar. „Die Miete wird wahrscheinlich erhöht, so wie es gesetzlich geregelt ist“, sagt der Sprecher der Altschwabing Projekt GmbH.

Wie sich Mieter wehren können

Wohnbestand statt Luxusimmobilien: Mithilfe der Erhaltungssatzung versucht die Stadt bereits, preiswerten Wohnraum zu sichern und Mieter zu schützen. Für Modernisierungen in Gebieten, in denen die Erhaltungssatzung gilt, brauchen Bauherren eine zusätzliche Genehmigung vom Amt für Wohnen und Migration für ihr Vorhaben. Auch bei der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ist in den ausgewiesenen Gebieten eine Genehmigung notwendig. 

Der Stadt steht außerdem ein Vorkaufsrecht zu. Insgesamt greift die Erhaltungssatzung bei etwa 160.000 Wohnungen, in denen rund 281.000 Münchner leben. Wo genau Erhaltungssatzungen gelten, sehen Sie unter maps.muenchen.de/plan/erhaltungssatzung. Aber auch wenn sich Ihre Wohnung nicht im Gebiet der Erhaltungssatzung befindet, haben Sie einige Möglichkeiten, sich gegen Luxussanierungen zur Wehr zu setzen. 

Sprechen Sie sich mit den anderen Betroffenen in Ihrem Wohnhaus ab. Gründen Sie eine Mietergemeinschaft und kämpfen mit vereinten Kräften gegen die geplanten Maßnahmen. Der Mieterbeirat hilft bei der Gründung solcher Gemeinschaften und stellt Informationen zur Verfügung. Der Mieterverein, Sonnenstraße 10, ist eine weitere Anlaufstelle für Betroffene. Mitglieder können sich dort von Rechtsexperten beraten lassen. Zudem gibt es online Infos unter www.mieterverein-muenchen.de

Bringen Sie beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Erfahrung, ob Ihr Wohnhaus Denkmaleigenschaften besitzt. Wenden Sie sich dafür an die Lokalpolitiker des hiesigen Bezirksausschusses. Auch der Kontakt zu Initiativen wie Pro Schwabing kann sich lohnen. 

Seit 22 Jahren wohnen Dieter Helmer und seine Frau in Sendling, nun soll das Mietshaus teuer saniert werden.

soph

Laura Felbinger

Das Finanzamt München hat von einer Vermieterin verlangt, die Miete drastisch zu erhöhen. Doch die wehrte sich gegen die Forderung der Behörde.

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