Von den Philippinen

Wegen Fachkräftemangel: Städtische Kliniken engagieren elf Pfleger aus dem Ausland

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„Brauchen Sie Hilfe beim Zähneputzen?“ Elf philippinische Krankenpfleger im Deutschkurs.

Der Pflegermangel in München ist enorm. Das städtische Klinikum sucht deshalb auch im Ausland Personal – und wurde auf den Philippinen fündig: Elf Pflegekräfte mit Universitätsabschluss.

München - „Guten Tag, mein Name ist Loriedyl Dilag, ich bin heute Ihre Krankenschwester. Haben Sie schon Ihre Zähne geputzt?“ Loriedyl Dilag sitzt im Deutsch-Intensivkurs des Fort- und Weiterbildungszentrums des städtischen Klinikums. Sie übt Dialoge wie diesen, um sich im deutschen Krankenhausalltag besser verständigen zu können. Zwei Wochen dauert der Kurs, dann folgt ein Einführungskurs in die Grundlagen der deutschen Krankenpflege. Anschließend beginnt die 29-Jährige ihren Dienst in einem der städtischen Häuser. Die ersten sechs Monate als Assistentin erfahrener Krankenschwestern, dann ist sie auf sich allein gestellt.

Loriedyl Dilag (29)

Dilag ist eine von elf Filipinos, die vergangene Woche in München gelandet sind. Das städtische Klinikum hat die Pflegekräfte über die Avado Personalvermittlung GmbH bekommen. Avado ist Experte auf dem Gebiet der Personalrekrutierung im Ausland. Insgesamt 70 Pflegekräfte will das städtische Klinikum heuer aus dem Ausland holen, darunter Italiener und Portugiesen. 24 Pfleger hat es in den vergangenen vier Jahren schon im Ausland rekrutiert.

Denn der deutsche Markt ist leer gefegt: Eine Studie rechnet für 2030 mit bundesweit 480 000 unbesetzten Vollzeitstellen! Kein Wunder also, dass auch andere Arbeitgeber auf die helfenden Hände aus dem Ausland setzen. Der Caritas Verband der Erzdiözese München und Freising zum Beispiel hat über das Projekt Triple Win etwa 40 Fachkräfte im Ausland gefunden. Auch die Innere Mission setzt in ihren Pflegeheimen ausländisches Personal ein.

Insbesondere die Filipinos bringen ausgezeichnete Voraussetzungen mit: In dem Inselstaat ist Krankenpflege ein Studiengang. Die elf angehenden Pfleger im städtischen Klinikum haben einen „Bachelor of Science“ in „Nursing“. Vier Jahre dauert dieses Studium, das sehr medizinisch ist. Das Waschen eines Patienten zählt eher nicht zum Aufgabenbereich des Pflegers – die Angehörigen des Patienten übernehmen das. Die philippinischen Pfleger sind etwa für das Vorbereiten und Verabreichen der Medikamente zuständig.

Bereits 2016 hatte das Klinikum Filipinos geholt – und gute Erfahrungen gemacht. Allerdings hat die Personalabteilung das Integrationsprogramm geändert: Die Bewerber müssen nun Deutschkenntnisse des Levels B2 vorweisen und nicht mehr nur B1. Das bedeutet, sie müssen die Alltagssprache schon recht gut beherrschen. Außerdem starten die Pfleger nach ihrer Ankunft nicht mehr sofort in den Klinikalltag, sondern absolvieren zunächst einen vierwöchigen Einführungskurs, um die Grundlagen deutscher Krankenpflege zu lernen.

Besonders wichtig ist dem städtischen Klinikum, die Fachkräfte dauerhaft zu halten. Nicht zuletzt mit Blick auf die Münchner Mietpreise ist das schwierig. Ein Jahr lang können die philippinischen Pfleger arbeitsplatznah in einem Wohnheim des Klinikums wohnen. Mit Ermäßigungen für den Öffentlichen Nahverkehr, Kinderbetreuungsangeboten sowie der „München-Zulage“ versucht sich das Klinikum, als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Außerdem verdienen die Pfleger nicht schlecht: Berufsanfänger kommen mit Schichtdienst-Zulagen auf 2300 netto. Die Filipinos sind in der Regel keine Berufsanfänger mehr.

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