Ein Leben in der Kunst

Münchens Mister Auktionator wird 90

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Ein Leben für die Kunst: Auktionshaus-Gründer Rudolf Neumeister – oben links .

München - Er widmete sein Leben der Kunst: Aber nicht gestalterisch, sondern eher vertreibend. Am Mittwoch wird Rudolf Neumeister 90 Jahre alt.

Ausgerechnet mit dem lieblichen Spitzweg stellte Neumeister seinen Weltrekord auf. Eine Million Mark bekam der Auktionator 1988 für das Gemälde Friede im Lande, bei dem ein Soldat neben dem Kanonenrohr fast einschläft. Eine gigantische Summe für den Idylle-Maler aus Unterpfaffenhofen – ein riesiger Erfolg für Mr. Auktionator. Dabei ist ­Rudolf Neumeister weit mehr als der hammerschwingende Unternehmer: Er ist – zum Ersten – ein Kunsthändler mit sehr feinem Gespür für untrügliche Qualität. Zum Zweiten ein ehrgeiziger Geschäftsmann und zum Dritten ein gesellschaftlicher Netzwerker, der auch ­Prinzessin Soraya von Persien einen bayerischen Leibl und Spitzweg für ihre Privatgemächer in Paris verkauft hat.

Und, so müsste man ergänzen, ein Mann mit einem stolzen Alter: Am 14. Oktober wird Rudolf Neumeister 90 Jahre alt. Und was bekommt er? „Natürlich eine Auktion“, verrät seine Tochter Katrin Stoll (53), die seit 2008 die Geschäfte an der Barer Straße führt. „90 ausgewählte Objekte, darunter Gemälde, Teppiche, Fayencen und Schmuck vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert kommen unter den Hammer.“ Also praktisch das ganze Spek­trum, mit dem Neumeister zu einem der führenden Häuser aufgestiegen ist.

Dabei ist ihm die Kunst und das dazu benötigte Kleingeld nicht gerade in die Wiege gelegt worden. Aufgewachsen in Schwabing, hat er als kleiner Bub dem Großbürgertum die Milchflaschen vor die Tür gestellt. Ein Job, der den Grundstein für seine spätere Karriere legte: Er knüpft wichtige Kontakte zu den später emigrierten Kunsthändlern.

Neumeister als junger Bursch.

Im Krieg muss er zur Luftwaffe – mit gerade einmal 17 Jahren. Als der Horror vorbei ist, geht Neumeister unbeirrt seinen Weg: macht sein Abitur, studiert Jura, volontiert beim Kunsthändler Hans Binder in der Adalbertstraße, übernimmt das Auktionshaus Weinmüller, tauft es 1968 endgültig in Neumeister KG um. Zehn Jahre später bezieht er die repräsentativen Räume an der Barer Straße 47 – und nennt sich ab sofort Neumeister – Münchener Kunstauktionshaus. Der Erfolg gibt dem mutigen Geschäftsmann recht: 1979 versteigert er in nur 68 Minuten 54 gotische Skulpturen mit einem Ergebnis von über fünf Millionen D-Mark!

Zwischendurch begegnet ihm seine große Liebe: die Stewardess Christa Teufel lernt Neumeister auf einem Flug nach London kennen. Sie schenkt ihm drei Töchter: Martina, Katrin und Michaela.

Alle drei sind heute im Kunsthandel tätig, aber nur Katrin stieg ins väterliche Imperium ein. „Ich habe zuerst Medizin studiert, bis ich mich für die Kunst entschieden habe.“ Bei so einem übermächtigen Vater sei es eben ganz normal zu rebellieren.

Ihre Aufgabe ist es jetzt, ein Auktionshaus dieser Größe und Tradition in die Zukunft zu führen. Als sie einst aus Paris kam, brachte sie unter anderem die Idee mit, edle Vintage-Designer-Kleider zu versteigern. „Damals dachte ich, Papa erklärt mich bestimmt für verrückt.“ Doch als dann einen Tag vor der Auktion viel weibliche Prominenz die ehrwürdigen Hallen stürmten, ist Rudolf Neumeister stolz auf seine Tochter. Überhaupt Prominenz: Außer Soraya und ­Onassis kommen Stoll keine Namen über die Lippen – „doch in unserer Kundenkartei fehlt praktisch kein prominenter Name.“ Dabei sei sie immer wieder erstaunt, wer sich für welche Kunst interessiert: Ein Fußballer, der feine Silberarbeiten sammelt, oder Leute aus dem Showbusiness, die nach biedermeierlichen Idyllen gieren.

In den letzten Monaten hat sie am Geschenk für ihren Papa getüftelt: ein Empfang mit anschließendem Mittagessen im Nationalmuseum. Und der Höhepunkt ist die Kunst: ­Anne-Sophie Mutter gibt ein Privatkonzert.

Maria Zsolnay

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