Wird der Park dann zum Museum? 

Olympiapark als Weltkulturerbe: Chance oder Last?

+
Weltweit einmalig: Die Zeltdach-Kulisse des Olympiaparks. Ein Verein will der Anlage nun den Titel „Weltkulturerbe“ sichern. 

Soll der Olympiapark zum Weltkulturerbe werden? Eine Münchner Initiative setzt sich dafür ein, die Ausschussgemeinschaft Linke/ÖDP unterstützt in einem Antrag den Vorstoß. Doch die großen Stadtratsfraktionen reagieren zögerlich. Ihre Sorge: Der Park könnte zu einem Museum werden, in dem keine Großveranstaltungen wie Open-Air-Konzerte mehr möglich sind.

München - Am 26. April 2017 feiert der Verein „Aktion Welterbe Olympiapark“ seinen ersten Geburtstag. Sollte sich der Stadtrat bis dahin entscheiden, den Olympiapark zur Liste der Welterbestätten anzumelden, hätten die Initiatoren der Idee ein großes Etappenziel erreicht. „Das wäre super“, sagt Gert Pfafferodt, Gründer und Vorsitzender des Vereins. Pfafferodt – einst Assistent von August Everding, der bei Olympia 1972 für das kulturelle Rahmenprogramm im Stadion zuständig war – ist vorsichtig optimistisch: „Ich glaube, dass viele Stadträte ins Nachdenken gekommen sind.“

Mehr aber auch nicht. Die großen Stadtratsfraktionen und OB Dieter Reiter (SPD) halten sich bedeckt, was ihren Entscheidungsprozess angeht. Offenbar gibt es keine einheitliche Meinung zu diesem Thema. Von der SPD heißt es, die Fraktion befinde sich noch im Abstimmungsprozess. Auch der OB will der „Diskussion nicht vorgreifen“, wie seine Sprecherin sagt. Für die Grünen ist zwingende Voraussetzung, dass im Olympiapark weiterhin Konzerte und Sportveranstaltungen stattfinden können. „Dann wäre es okay“, sagt Stadträtin Jutta Koller.

Bei der CSU schien die Tendenz zunächst klar gegen den Titel Weltkulturerbe zu sein. Die Bedenken sind ähnlich geartet wie bei den Grünen – zudem: Der Olympiapark könnte dann womöglich baulich gar nicht mehr verändert werden, argwöhnt die CSU. Inzwischen, so Fraktionssprecherin Birgit Unterhuber, werde das Thema intern noch einmal neu bewertet.

Der zum Jahresende ausgeschiedene Olympiapark-Chef Arno Hartung hatte in einem Interview mit unserer Zeitung erklärt: „Auf keinen Fall darf es passieren, dass eine Art Käseglocke über den Park gestülpt wird.“ Und weiter: „Man muss genau hinsehen, was ein Weltkulturerbe brächte. Dass mehr Touristen angelockt würden, glaube ich nicht. Der Park ist schon jetzt sehr gut bevölkert. Ein Weltkulturerbe bringt keinen zusätzlichen Schub.“

Hartungs Nachfolgerin Marion Schöne klingt nun offener, nachdem sie einige Gespräche mit den Initiatoren der Aktion geführt hat. „Falls der Status als Veranstaltungsstätte tatsächlich nicht gefährdet ist, hätte ich kein Problem mit dem Antrag“, sagt die neue Olympiapark-Geschäftsführerin. Zudem müsse gewährleistet sein, dass die geplante Multifunktionshalle gebaut werden darf. Grundsätzlich wäre der Titel Weltkulturerbe aber eine „schöne Auszeichnung für den Olympiapark“.

Gert Pfaffenrodt will den Olympiapark zum Weltkulturerbe machen. 

Pfafferodt hat keine Bedenken, dass das Vorhaben des österreichischen Großinvestors Red Bull in Widerspruch zum bereits unter Denkmalschutz stehenden Ensemble Olympiapark stehen könnte. Er erwartet ein architektonisches Highlight, „wenn einer wie Mateschitz das in die Hand nimmt“. Bekanntlich plant der Red-Bull-Boss eine 10 000 Zuschauer fassende Arena für das Eishockeyteam des EHC Red Bull München. Auch die Profi-Basketballer des FC Bayern sollen als Mieter ihre Punktspiele in der Halle austragen.

Zu den von den Stadträten vorgetragenen Bedenken sagt Pfafferodt, es sei eine absurde Vorstellung zu glauben, dass ein Weltkulturerbe nicht lebendig sein könne. Nach Informationen des Regisseurs sucht die Unesco sogar nach einer groß angelegten, historischen Sportstätte, die tadellos erhalten sei. Der Olympiapark mit seiner Strahlkraft, mit der einmaligen Architektur des Stadion-Zeltdachs, mit der Einbettung in die Natur und der zentrumsnahen Lage erfülle alle Kriterien, so Pfafferodt. Der Verein erfahre derzeit großen Zuspruch für seine Initiative, selbst wenn die Vorschlagsliste für zukünftige Nominierungen Deutschlands zur Aufnahme in die Unesco-Weltkulturerbestätten bis vermutlich 2021 geschlossen ist. Die Zeit bis dahin könne intensiv genutzt werden, um für die Idee zu werben. Das, so glaubt Pfafferodt, könne den Gang der Dinge beschleunigen. Prominente Fürsprecher eines Titels Weltkulturerbe sind unter anderem Alt-OB Hans-Jochen Vogel und die Hochsprung-Olympiasiegerin von 1972, Ulrike Nasse-Meyfarth.

Das zuständige Wirtschaftsreferat hat unterdessen um eine Fristverlängerung für die Behandlung des Antrags der Ausschussgemeinschaft Linke/ÖDP gebeten. Dass die Angelegenheit noch vor dem ersten Geburtstag des Vereins am 26. April in den Ausschuss kommt, ist damit eher unwahrscheinlich.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare