Kleine Emma hatte es eilig

Papa wird zur Hebamme - Geburt lief ganz anders als geplant

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Geburt glücklich überstanden: Emma Adele mit ihren Eltern Theresia H. und dem Schwabinger Gastronom Antonio D.

Die kleine Emma Adele sollte zuhause auf die Welt kommen. Natürlich mit der Unterstützung einer Hebamme – das war der Plan von Mama Theresia und Papa Antonio. Doch die werdenden Eltern hatten ihre Rechnung ohne das flinke Mädchen gemacht.

München - Der Vorname Emma bedeutet „die Große“. Und für eine wirklich große Überraschung hat die kleine Emma Adele bei ihren Eltern gesorgt. Mama Theresia H. (35) und Papa Antonio D. (50) - Inhaber des Lokals „Vini e Cibi da Antonio“ in Schwabing - haben das Mädchen vor nicht mal einer Woche zu zweit auf die Welt gebracht, so eilig hatte es die Kleine... 

Schon lange vor der Geburt hatte sich Theresia für eine Hausgeburt entschieden - natürlich mit Hebamme. „Ich wollte in keine Klinik, in der ich von fremden Menschen umgeben bin“, sagt die Schwabingerin.  „Die Schwangerschaft verlief vollkommen entspannt, deswegen war eine Hausgeburt gut möglich“, sagt Hebamme Kiriaki Avramidou (43). 

Betreut Hausgeburten in München: Hebamme Kiriaki Avramidou.

Regelmäßig traf sie sich mit dem Paar zu Vorgesprächen. Auch in zwei Kliniken ganz in der Nähe meldeten sich die werdenden Eltern an: zur Sicherheit, falls Schwierigkeiten auftreten sollten. Doch Emma hatte ihren eigenen Plan. In der Nacht auf Montag hat Theresia einen Blasensprung. Avramidou untersucht sie, Wehen lassen noch auf sich warten. „Die Kontraktionen waren harmlos, ich konnte etappenweise schlafen“, sagt Theresia. Sie bleibt in Kontakt mit der Hebamme. Gegen 4.35 Uhr in der Nacht auf Dienstag setzen plötzlich Presswehen ein. „Plötzlich dachte ich mir nur: ‚Oh oh!“, erinnert sich die Informatikerin. Sie telefoniert mit der Hebamme. Um 4.41 Uhr ruft sie: „Antonio!“ 

Die Tonlage habe ihm sofort gezeigt, dass er schnell sein müsse, meint der Gastronom. Das Paar geht ins Wohnzimmer, legt ein Handtuch auf den Boden. Um 4.43 Uhr ist es soweit. „Emma ist direkt in meine Hände geboren. Ich wollte das Kind einfach nur sicher auffangen“, erzählt Antonio.

Dann kommt auch schon die Hebamme an, pünktlich zur Erstversorgung des Babys und zur Nachgeburt. Emma ist kerngesund - und wird ihre Eltern bestimmt weiter auf Trab halten.

Ramona Weise

Stichwort Hausgeburt

Bis in die 1950er-Jahre sei es normal gewesen, dass Frauen ihre Kinder daheim zur Welt brachten, sagt Hebamme Kiriaki Avramidou. Es gebe Schwangerschaften, bei denen eine Hausgeburt nicht in Frage käme: „Etwa bei Mehrlingen“. Ansonsten sei eine Hausgeburt mit keinem größeren Risiko verbunden als die in einer Klinik. Vorteil einer Hausgeburt sei, dass die Hebamme Zeit für die Schwangere habe - und dadurch oft weniger Ängste und eine höhere Bindung zum Neugeborenen entstünden. Die Entwicklung in den Kliniken dagegen: Kleine Geburtsstationen würden schließen, die Geburtshilfe werde zentralisiert. Doch viele Frauen fühlen sich in großen Kliniken nicht individuell genug betreut, wie eine Studie des gemeinnützigen Picker-Instituts nun zeigte.

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