So soll der Neubau der Stadtsparkasse aussehen

Am Elisabethmarkt: Umbaupläne beschlossen - das kritisieren die Politiker

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Nicht jedermanns Sache: Die Stadtsparkasse plant anstelle des Umspannwerkes einen Gebäuderiegel.

Der neue Elisabethmarkt nimmt weiter Gestalt an. Der Planungsausschuss hat einen Bebauungsplan für das alte Umspannwerk der Stadtwerke beschlossen. Die Sanierung ist umstritten.

München - Das Werk ist älter als der Markt. Bereits um 1898/1900 nahmen die Stadtwerke München (SWM) an der Arcisstraße eine elektrische Unterstation zur Stromversorgung Schwabings in Betrieb. Der Elisabethmarkt wurde erst drei Jahre später gegründet. Nun bekommen sie beide ein neues Gesicht. Nachdem der Stadtrat im April die Neustrukturierung des Markts beschlossen hatte, brachte am Mittwoch der Planungsausschuss den Bebauungsplan für den neuen Wohn- und Geschäftskomplex auf den Weg.

Wie berichtet, will die Stadtsparkasse an der Stelle etwa 80 Appartements für Studierende und eigene Auszubildende errichten. Ferner sollen 87 Unterkünfte für geförderten und frei finanzierten Mietwohnungsbau entstehen. Zusätzlich sind ein Kindergarten und eine Kinderkrippe geplant. Im Erdgeschoss sollen Läden einziehen. Die Stadt hatte versprochen, darauf zu achten, dass mit dem Angebot keine Konkurrenz zu den Ständen auf dem Elisabethmarkt entsteht. Zudem prüft die Verwaltung noch, ob die bereits geplante Tiefgarage um eine Etage mit 50 Stellplätzen für Anwohner erweitert werden kann.

Grünen wollen über Gestaltung der Fassade sprechen

Die Grünen forderten in einem Antrag zum einen, dass nochmals über die Gestaltung der Fassade gesprochen werden solle. Zum anderen sei zu prüfen, ob nicht noch mehr Stellplätze oberirdisch wegfallen könnten. „Das Areal ist zu wichtig, und wir wollen, dass der öffentliche Raum gestärkt wird.“ Der Antrag fand keine Mehrheit.

Walter Zöller, der planungspolitische Sprecher der CSU, sagte, es sei nicht Aufgabe des Ausschusses, vom Preisgericht längst beurteilte Pläne über den Haufen zu werfen. Der Wunsch nach weniger Parkplätzen sei zudem fatal: „Weniger Stellflächen, und das ausgerechnet in Schwabing, wo die Not eh schon groß ist?“ Das sah FDP-Chef Michael Mattar ebenso. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass man noch einmal über die Fassade spricht. Denn insgesamt ist der Liberale eher unzufrieden mit dem Ergebnis des Wettbewerbs. „Ich bin schon enttäuscht, dass kaum ein Architekt ein Satteldach vorgeschlagen hat.“ Ein Großteil der Gebäude im Umgriff des Umspannwerks hätte ein solches. Tobias Ruff (ÖDP) kritisierte das Ergebnis des Wettbewerbs ebenfalls aus diesem Grund: „Ich sehe das sehr kritisch. Ich kann mir vorstellen, dass viele Bürger ein Satteldach passender gefunden hätten. So ist das ein Fremdkörper.“

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Säulengang entsteht dank nach hinten versetzten Ladenzeilen

Heide Rieke, die planungspolitsche Sprecherin der SPD, beurteilte den Entwurf dagegen als gelungen. „Ich bin zufrieden.“ Besonders sei hervorzuheben, dass die Ladenzeilen im Erdgeschoss nach hinten versetzt seien, wodurch eine Art Säulengang entstehe.

Der Umbau des Marktes und der Neubau der Gebäude sollen gleichzeitig stattfinden. Bis 2022 soll alles fertig sein.

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2660 neue Wohnungen

Der Planungsausschuss des Münchner Stadtrates hat gestern den Weg frei gemacht für insgesamt 2660 Wohnungen. Mit rund 1340 Wohnungen soll die Hälfte der nun beschlossenen Neubauten in der Siedlung Harthof Nord entstehen. Weitere 1150 Wohnungen sind im Werksviertel in Berg am Laim vorgesehen. Außerdem fiel der Startschuss für die Planung von 170 neuen Wohnungen am Elisabethplatz.

Der Siedlung Harthof Nord soll den Plänen zufolge schrittweise erneuert und nachverdichtet werden. Anstelle der vorwiegend bestehenden zwei- und dreigeschossigen Häuser sollen vier beziehungsweise fünf Vollgeschosse möglich sein. Zudem sind im Zentrum Dienstleistungseinrichtungen und Gastronomie geplant. Hinzu kommen öffentliche Grünflächen und zwei Kindertageseinrichtungen. Auch ein Ausbau der Weyprechtstraße innerhalb des Zentrums sowie ein Quartiersplatz werden ermöglicht.

Im Werksviertel in Berg am Laim entstehen rund 1150 Wohnungen und zusätzlich etwa 6700 Arbeitsplätze sowie Einrichtungen für alle Bedarfe. Auf dem 39 Hektar großen Areal sollen Kultur, Freizeit, Versorgung, Einkaufen, Arbeiten, Wohnen und Erholung vereint werden.

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Meinungen im Viertel

„Ich wohne seit 20 Jahren hier und finde die Pläne furchtbar - eine Katastrophenarchitektur. Ich freue mich nicht drauf und würde es am liebsten einfach so lassen, wie’s jetzt ist.“
Uli Güttinger (57), Immobilienmakler

„Wir zahlen jeden Monat 300 Euro für Strom - diese Häuschen haben enorme Heizkosten. Nur durch den Umbau bleiben die Standl rentabel, bleibt der Markt zukunftsfähig.“
Bettina Hieber (34), LeChâlet du fromage

„Ich komme schon seit 43 Jahren hierher - die Atmosphäre wird fehlen. Die Lagerbedingungen für die Standl-Besitzer müssen aber nunmal verbessert werden.“
Helene Grabenhorst (71), Rentnerin

„Der Schwabinger Charme geht total verloren. Es sieht viel zu steril und langweilig aus. Kommen werde ich aber weiterhin.“
Sherwin Amiri (29), Animationsstratege

Sascha Karowski

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