Er soll neben seinem alten Spezl sitzen

Stadt stellt sich quer: Schwabinger wollen Dietl-Skulptur in Eigenregie errichten

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Einen Platz neben „Monaco“ Helmut Fischer: Kult-Regisseur Helmut Dietl soll ebenfalls vor dem Café Münchner Freiheit in Bronze gegossen werden.

Helmut Dietl neben dem Monaco Franze - das würde thematisch passen. Schwabinger Lokalpolitiker wollen eine entsprechende Vision nun in die Tat umsetzen.

München - Helmut Dietl neben dem Monaco Franze? Das würde wunderbar zusammenpassen. Vor dem Café Münchner Freiheit ist der Schauspieler Helmut Fischer, der den Monaco in der gleichnamigen Serie verkörpert, in Form einer Skulptur verewigt. Dort sitzt er seit 20 Jahren in Bronze gegossen an einem Tisch – mit seinem typisch charmant-schelmischen G’schau, immer die vorbeiflanierenden Mädchen beobachtend.

Der Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann möchte nun, dass sich der 2015 im Alter von 70 Jahren verstorbene Dietl als Nachbar dazugesellt. Schließlich war Dietl ein persönlicher Freund Fischers, Regisseur der Kultserie, bedeutender Münchner Künstler und „durch und durch Schwabinger“, wie der BA-Vorsitzende Werner Lederer-Piloty (SPD) betont. Auf die finanzielle Unterstützung der Stadt müssen die Schwabinger bei der Realisierung der Statue allerdings verzichten. 

Dietl war Schwabinger von Scheitel bis Sohle

Für die Sitzung des Kulturausschusses am heutigen Donnerstag empfiehlt die Verwaltung eine Ablehnung des BA-Antrags. Begründung: Nach dem Regisseur sei bereits eine Straße benannt – und damit die höchste persönliche Würdigung nach seinem Tod realisiert worden. Allerdings befindet sich die Straße in Werksviertel in Berg am Laim. Wie man weiß, war Dietl ein Schwabinger vom Scheitel bis zur Sohle. Dort erhielt er Inspiration für sein Schaffen, dort waren sein Herz und sein Lebensgefühl zu Hause.

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Der Bezirksausschuss ist entsprechend verärgert über die ablehnende Haltung der Stadt. Lederer-Piloty spricht von „Knauserigkeit“ und hält es für unangemessen und bedauerlich, irgendeine Straße am Ostbahnhof nach Dietl zu benennen. Die AG Gedenktafel, ein stadtinternes Arbeitsgremium zu Denkmälern, verweist unterdessen darauf, dass es außer der Straße in Berg am Laim in München an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Formaten erinnerungskulturelle Bezüge zu Dietl gebe. So finde der Regisseur im Kulturgeschichtspfad Schwabing-Freimann von 2009 Erwähnung und das Literaturhaus habe Dietl eine eigene Ausstellung, „Der ewige Stenz“ gewidmet.

„Meinem Mann hätte diese Idee gefallen“

Wie auch immer – die Lokalpolitiker haben nun selbst die Initiative ergriffen, damit Dietl eine Statue erhält. Auf etwa 60.000 Euro beziffert Lederer-Piloty die Kosten für die Skulptur. Je ein Drittel bringen der BA aus seinem Budget, Privatsponsoren sowie die Familie Eisenrieder auf, die das Traditionscafé Münchner Freiheit betreibt. Die Gastronomen seien von der Idee hellauf begeistert, berichtet der BA-Chef. Der ursprüngliche Antrag zur Errichtung der Skulptur stammte von einer Schwabingerin und wurde von der Bürgerversammlung bereits 2016 bewilligt. Lederer-Piloty ist sich sicher, dass Dietl spätestens Anfang nächsten Jahres mit einer Zigarette in der Hand neben dem Monaco Franze Platz nehmen wird. „Wir Schwabinger schaffen das“, sagt er.

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Mit im Boot ist auch Witwe Tamara Dietl. „Meinem Mann hätte diese Idee gefallen“, sagt sie. Die Pose mit der Zigarette sei authentisch. So, wie er auch immer im Café Münchner Freiheit saß. Dass die Sache sich inzwischen zum Politikum entwickelt, betrachtet Tamara Dietl mit einem Augenzwinkern. Die Diskussion sei etwas albern. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass Helmut darüber eine Super-Szene geschrieben hätte“, glaubt sie. 

Die Idee  der Schwabinger Lokalpolitiker findet auch Witwe Tamara Dietl gut.

Nikolai Tregor soll noch einmal tätig werden

Dass nach ihrem Mann eine Straße benannt worden sei, habe sie sehr gefreut. Aber ein symbolischer Betrag für die Skulptur, nur eine kleine Geste der Stadt, würde ja genügen, sagt Dietl: „Vielleicht ginge es auch ein bisschen souveräner und lässiger.“ Eine der reichsten Städte der Welt handele hier etwas kleinkariert, findet sie.

Nach jetzigem Stand der Dinge soll die Statue Werner Lederer-Piloty zufolge von Nikolai Tregor erschaffen werden. Jenem Künstler, der auch den Monaco Franze gestaltet hat. Der Münchner Bildhauer hat für die Gedenkstätte der Ludwig-Maximilians-Universität Sophie Scholl gegossen, er hat den Kopf von Franz Josef Strauß für die Bayerische Staatskanzlei modelliert. Saddam Hussein saß für ihn Modell, Tregor formte August Everdings Kopf und den von Sergiu Celibidache für den Gasteig. Tregors Kunstwerke sind in München omnipräsent. Demnächst reiht sich wohl auch Helmut Dietl ein. Und das wäre dann doch – um mit den Worten von Monaco Franze zu sprechen – „eine rechte Sternstunde“.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Schwabing - mein Viertel“.

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