Großbrand in Oberau: Familie verliert ihre Wohnung

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Patientin macht Fortschritte

Basmane (8) stand nach Unfall in Flammen: Wie ein Schwabinger Spezialist zu ihrem Helden wurde

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Glückliches Trio: Basmane mit Dr. Carsten Krohn (li.) und Wolfgang Mattern von der Stiftung Lichtblicke

Dr. Carsten Krohn ist kein Träumer. Als erfahrener Arzt weiß er natürlich, dass es ihm nicht gelingen wird, alle schwer verletzten Kinder dieser Welt zu retten

München - Aber Krohn ist halt auch Papa, hat selbst drei Töchter. Und als er die Bilder von der kleinen Basmane sah, da konnte er nicht wegschauen: „Sie hatte schwerste Brandverletzungen, die Wunden hatten sich bereits entzündet. Ich wusste: In ihrer Heimat wird sie qualvoll sterben. Aber in München haben wir eine Riesenchance, ihr zu helfen. Da kannst du nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ 

Darauf hoffte auch Basmanes Onkel, der seit Jahren im Münchner Umland wohnt. Er hatte die furchtbaren Fotos von seiner schwer verletzten Nichte per Handy übermittelt bekommen und die Schwabinger Spezialisten um Rat gefragt. Die Ferndiagnose fiel dramatisch aus. „Über 1000 Quadratzentimeter der verbrannten Haut konnten nicht von alleine heilen, vor allem an den Beinen. In Afrika hat man ihre Wunden einfach verbunden und zwischendurch abgewaschen“, berichtet Krohn. „Die Schmerzen müssen die Hölle gewesen sein.“ 

„Wenn nicht schnell etwas passiert, wird sie sterben“

Zum Vergleich: In Deutschland werden Verbandswechsel an großflächigen Brandwunden in der Regel unter Vollnarkose vorgenommen, weil die Patienten die Behandlung bei Bewusstsein kaum durchstehen würden. Aufgrund der mangelnden Hygiene in Afrika hatten sich Basmanes Wunden stark infiziert, Antibiotika bekam sie ebenso wenig wie Schmerzmittel. „Die Kleine ist eine unglaubliche Kämpferin und hat erstaunliche Selbstheilungskräfte. Es ist ungewöhnlich, dass sie mit ihren schweren Verletzungen überhaupt so lange überlebt hat. Aber mir war klar: Wenn nicht schnell etwas geschieht, dann wird sie an einer Sepsis sterben, wie wir Mediziner eine Blutvergiftung nennen“, erinnert sich Krohn, der die Einheit für schwerbrandverletzte Kinder am Schwabinger Klinikum führt. 

Dr. Carsten Krohn, leitender Oberarzt der Kinderchirurgie, operierte Basmane in der Schwabing Kinderklinik

Also suchte der leitende Oberarzt nach einem Weg, Basmane nach München zu holen – und vor allem die aufwendige Rettungsaktion zu finanzieren. Dabei halfen die Stiftung Lichtblicke und der Verein zur Förderung der Behandlung Brandverletzter. Sie stellten das Geld für Transport und Klinikaufenthalt zur Verfügung, das deutsche Konsulat in Benin half, den Papierkram unbürokratisch zu erledigen. 

Inzwischen hat sich die Patientin gut erholt

In Afrika wurde Basmane in ein Flugzeug gesetzt – zum ersten Mal in ihrem Leben, ohne ihre Mama oder irgendeine andere Vertrauensperson. Eine Stewardess nahm das achtjährige Mädchen in ihre Obhut. Zu allem Überfluss musste die Maschine auch noch wegen eines Unwetters in der Türkei notlanden, ehe Basmane in München endlich von ihrem Onkel und dessen Familie in Empfang genommen werden konnte. In der Kinderchirurgischen Klinik musste Basmane bislang bereits acht Mal operiert werden. Zunächst entfernten die Ärzte sogenanntes wildes Gewebe und reinigten ihre Wunden. Dann erfolgten Hauttransplantationen. Dabei wird gesunde Haut mit einer Art Spezialhobel (Dermatom) hauchdünn abgetragen und auf die verbrannten Stellen gelegt. 

An der Entnahmestelle heilt die Haut wieder vollständig ab. Inzwischen hat sich Basmane schon gut erholt. „Natürlich wird sie Narben zurückbehalten, aber sie kann ein weitgehend normales Leben führen. Unser Ziel ist es, sie so gesund wie möglich nach Afrika zurückzuschicken“, erzählt Krohn im tz-Gespräch. 

Die Chancen dafür stehen gut – auch wenn noch einige Behandlungen und Eingriffe anstehen. Der Arzt hofft, dass die Achtjährige weiterhin so viel Unterstützung von privaten Förderern und Behörden erhält, denn nicht nur medizinisch, sondern auch organisatorisch sind noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Aber wenn die kleine Patientin lacht und übers ganze Gesicht strahlt, dann ist der bisherige Kraftakt vergessen. „Basmane lebt“, sagt Krohn. „Das ist das Einzige, was zählt.“

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