„So etwas ist mir noch nie passiert“

Neuer Ärger um Elisabethmarkt: BA-Chef bedroht

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Idyllisch, aber heiß umstritten: der Elisabethmarkt. Rechts: Walter Klein.

Der Elisabethmarkt soll saniert werden. Der Bezirksausschuss befürwortet das Projekt - doch es gibt auch Gegner der Pläne. Das bekam nun auch BA-Chef Walter Klein zu spüren. Auch im Stadtrat wurde das Thema heiß diskutiert.

Ohne Frage: Walter Klein hat dergleichen noch nie erlebt. Auf dem Weg ins Rathaus ist der Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwabing-West angepöbelt worden. „Du wirst schon sehen, was mit dir passiert“, soll ihm jemand zugerufen haben. Kleins Angaben zufolge soll es sich bei dem Mann um einen der Gegner einer Sanierung des Elisabethmarktes gehandelt haben. Klein, SPD, ist ein Befürworter. „Ich bin seit 33 Jahren in der Kommunalpolitik“, sagt Klein. „So etwas ist mir noch nie passiert.“

Viele Fragen sind noch offen

Passiert ist ansonsten gestern wenig. Der Kommunalausschuss hat den Konzeptentwurf für die Sanierung des Marktes vertagt. Klein hatte sich zuvor in dem Gremium für eine raschen Projektstart ausgesprochen. Vermutlich soll aber nun die Vollversammlung am 5. April das Konzept genehmigen. Vermutlich deshalb, weil die CSU-Fraktion zahlreiche Fragen zu dem vom Kommunalreferat erstellten ersten Konzeptentwurf hatte. Diese Fragen sollen bis zum Plenum schriftlich beantwortet werden. Und das könnte knapp werden.

Wie berichtet plant die Stadt den Abriss der alten Standl, um neue aufzubauen. Geplant ist unter anderem eine Tiefgarage unter dem Markt. Zeitgleich wird das benachbarte Umspannwerk abgerissen. Dort errichtet die Stadtsparkasse ein neues Gebäude mit Wohnungen, Büros und Einkaufsmöglichkeiten.

Lesen Sie hier: So sehen die Pläne für den Elisabethmarkt aus

Hinter dem Elisabethmarkt will die Stadtsparkasse einen Gebäuderiegel errichten.  

Der Bezirksausschuss ist dafür, die Händler teilweise

Christina Frank

Ein Teil der Händler sowie der Bezirksausschuss befürworten das Konzept. Die Bürgerinitiative „Pro Elisabethmarkt“ ist dagegen, fordert eine Sanierung im Bestand, um Charme und Charakter des Marktes zu erhalten. So heißt es. Auf Wunsch der CSU soll das Referat nun noch zahlreiche Fragen klären, unter anderem die, ob nicht doch eine Teil-Bestandssanierung möglich sei. Zudem gelte zu klären, wie etwa verhindert werden kann, dass beispielsweise ein Bio-Supermarkt in das neue Sparkassen-Gebäude einziehe. Außerdem soll geprüft werden, ob nicht Flächen für Lager oder Stellplätze optimiert werden können. CSU-Kommunalsprecherin Kristina Frank: „Wir wollen alles durchdacht und alle Anliegen abgewogen haben, bevor wir eine fundierte Entscheidung treffen.“

Lesen Sie hier: Sanierung am Elisabethmarkt - großer Ärger bei der Info-Veranstaltung

Auch die übrigen Fraktionen hatten Fragen – allerdings mehr in Richtung der CSU. Herbert Danner (Grüne) verstand nicht, warum die Union erst jetzt derlei Detailfragen aufs Tapet bringe. In Franks Richtung ätzte er: „Ich habe den Eindruck, dass Sie erst im letzten Plenum vereidigt wurden und die ganze Debatte nicht verfolgt haben. Wir haben uns bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt.“ SPD-Kommunalsprecherin Ulrike Boesser stieß ins gleiche Horn: „Ich bin ratlos, warum das jetzt ein Thema ist.“ Frank: „Es geht jetzt ganz konkret um das Wie.

Im Stadtrat wurden die Pläne hinterfragt

Daher war am Donnerstag der richtige Zeitpunkt, die Planungen zu hinterfragen.“ SPD-Chef Alexander Reissl stieß sich derweil an der Idee einer möglichen Teil-Bestandssanierung. „Wenn man den Abriss der Standl infrage stellt, stellt man auch die Tiefgarage infrage.“ Und die sei nötig für die Händler.

Sogleich hatte Reissl auch eine Frage an das Kommunalreferat. Dies soll doch bitte prüfen, ob in der Tiefgarage nicht 24 Stellplätze für die Händler geschaffen werden können. Denn es gebe schließlich 24 Standl. Geplant sind 18 Parkplätze, weil derzeit nicht jeder Händler einen braucht. Reissl kritisierte ferner die Bürgerinitiative. Die hatte eine Petition für den Erhalt des Marktes gestartet. „Wenn ich Unterschriften sammle und den Leuten erzähle, dass die Sparkasse da lauter Luxuswohnungen errichtet, dann stimmt das einfach nicht.“ Johann Altmann (Bayernpartei) ergänzte: „Es sind 1700 Wohnungen geplant, die alle nach dem Mietspiegel vergeben werden.“

Stadtrat Hans Podiuk schoss indessen Richtung Kommunalreferat. Die Stadträte hatten die sehr umfangreiche Vorlage für die Sitzung erst am Freitag erhalten. Das ist zu spät. „Das ist ein Angriff auf den Stadtrat“, wetterte Podiuk. Frank: „Ich hab das ganze Wochenende damit zugebracht, die Vorlage durchzuarbeiten.“ Die Kommunalsprecherin muss ihrer Fraktion am darauffolgenden Montag über die Inhalte berichten. Frank: „Der Bezirksausschuss Schwabing-West hatte die Unterlagen bereits am 15. März. Und wir kriegen sie Freitagabend zugestellt?“ Diese Frage blieb unbeantwortet.

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