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Schwabl-Spezl steht wegen Betrugs vor Gericht

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Der 35-Jährige zockte mit dem ergaunerten Geld bei privaten Wettbüros auf der Rennbahn. © dpa

München - Geschäftsmann Manfred Schwabl, einst Fußballstar beim FC Bayern und 1860, hat dem Münchner Patentanwalt Eberhard B. nicht nur ein Grundstück verkauft. Er hat dem 53-Jährigen zu dessen Pech auch einen Bekannten vorgestellt.

 Uli J. (35) war ein einschlägig vorbestrafter Betrüger, er brachte den Patentanwalt und eine Reihe weiterer Opfer an den Rand des Ruins, wie er vor dem Landgericht gestand. Das Geld – insgesamt rund 1,7 Millionen Euro – ist weg. J. dürfte es zu einem guten Teil bei diversen Sportwetten verzockt haben. Die Einführung durch den Ex-Fußballer scheint Patentanwalt Eberhard B. blind für Risiken gemacht zu haben: Er gab Schwabls Geschäftsfreund nach und nach „Darlehen“ in einer Gesamthöhe von über 410 000 Euro – gegen die „Sicherheit“ einer väterlichen Millionenerbschaft, die der leidenschaftliche Sportwetter längst verprasst hatte.

Dem Opfer machte der Schwindler weiß, rund 2,4 Millionen Euro seien auf einer Bank in Zürich gebunkert. Er benötige Bargeld zur Abwicklung der Erbschaft. Eberhard B. hat keine Einsicht in die Unterlagen der Bank verlangt, er gab sich mit Vorlage des Erbscheins zufrieden, hat er bei seiner früheren – gestern verlesenen – Aussage zugegeben. Die wertlosen Quittungen des Abzockers hat er noch zu Hause. Eberhard B. war beeindruckt von den „guten Umgangsformen“ und der „Weltgewandtheit“ des neuen Bekannten. Der gab sich großzügig, lud den Kreditgeber häufig in teure Lokale ein und schenkte ihm VIP-Karten für Fußballspiele. Der frühere Besitzer eines Rennstalls erzählte auch gern von seinen erfolgreichen Pferdewetten. Dem selbstständigen Buchdrucker Hermann S. (59) hat der Angeklagte als Sicherheit für Darlehen von nach und nach insgesamt 565 000 Euro mal einen „Sportwettfonds“ geboten. Später war es eine Wettlizenz, die einen Wert von 2,5 Millionen Euro habe und ihn nur 175 000 Euro koste.

Das Opfer schluckte den Köder bereitwillig und ließ sich auch noch gut 62 000 Euro für ein Mercedes Cabrio abschwatzen, das nie geliefert wurde. Auch drei weiteren Privatleuten entlockte der Schwindler hohe Darlehen, mal für die Beteiligung an Wettbüros, mal für den Aufbau eines solchen Unternehmens. Im August 2008 mietete der durch ein wohlhabendes Elternhaus an Luxus gewöhnte Angeklagte in Rottach-Egern am Tegernsee eine 3000 Euro teure Wohnung an, die Miete zahlte er nur ein Mal. Die Räume ließ er von einem Architekten komplett umbauen, dem er das Honorar schuldig blieb. Auch die Handwerker schauten in die Röhre. Der Angeklagte hat von 1999 bis 2003 schon wegen ähnlicher Betrügereien im Gefängnis gesessen. Bei einer Absprache zwischen den Verfahrensbeteiligten wurde ihm für sein Geständnis eine Strafe zwischen fünf Jahren und neun Monaten und sechs Jahren und drei Monaten zugesichert.

Thomas Gerber

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