Keine Aufzüge, kein Notruf

Rohrbruch löst Chaos im Seniorenheim aus

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Bis spät in die Nacht hinein war die Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugbesatzungen im Westend, um technische Hilfe zu leisten.

München - Großeinsatz für Retter und Hilfskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst am Sonntagabend im Seniorenheim im Münchner Westend. In dem Heim gab es zunächst einen Wasserschaden, kurz darauf wurde wegen eines Schmorbrandes erneut Alarm ausgelöst.

Teile des Gebäudes sind ohne Strom. Der Hausnotruf, die Aufzüge und die Telefonanlage im Seniorenheim im Westend funktionieren nicht. Das fensterlose Treppenhaus des Hochhauses ist stockdunkel. Besucher und Bewohner der Anlage tappen mit Kerzen die Treppen hi­nauf und hinab. Pflegebedürftige oder immobile Patienten sind in ihren Zimmern gefangen: Diese Situation bot sich Sonntag ab dem frühen Nachmittag in der Seniorenresidenz in der Westendstraße, in der rund 260 alte Menschen leben. Weil das Heimpersonal durch eine Sondereinsatzgruppe des Roten Kreuzes unterstützt wurde, konnten alle Bewohner auch in der Nacht optimal betreut werden. So kam niemand zu Schaden.

Kurzschluss löst Schmorbrand aus

Auslöser des Chaos’ war ein simpler technischer Defekt gewesen. Die Zuleitung zu einem Wandhydrant im 20. Stock war undicht geworden, und das Wasser hatte sich komplett bis in den Keller verteilt. Den oberflächlichen Wasserschaden konnte die Feuerwehr am frühen Sonntagnachmittag auch rasch beseitigen.

Da das Wasser aber auch in Schächte und die Elektroin­stallation gelaufen war, kam es in der Folge um 16.38 Uhr zu einem weiteren Alarm. Nun war es in der Elektroverteilung im 9. Stockwerk während der Reparaturarbeiten durch eine Fachfirma durch einen Kurzschluss zu einem Schmorbrand gekommen. Den hatte die Feuerwehr zwar rasch gelöscht. Das Wasser hatte aber zwischenzeitlich einen größeren Schaden in der Elektrik des Hochhauses verursacht – mit den eingangs geschilderten Folgen.

„Eigentlich war alles gar nicht so schlimm“, schilderte ein Augenzeuge (67) gegenüber der tz, „für die alten Leute natürlich aber schon.“ Sämtliche vier Aufzüge seien ausgefallen, das fensterlose Treppenhaus zappenduster. Viele Bewohner, die sich im Erdgeschoss aufhielten, hätten besorgt gefragt, wann sie wieder in ihre Wohnungen zurück dürften. Der Hausmeister habe aber nur mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Ich weiß es auch nicht.“ Die Reparaturarbeiten könnten bis in den Montag hinein andauern.

Großes Lob für die Helfer von der Feuerwehr

Während der Strom in zahlreichen Wohnungen der Anlage ausgefallen war, konnten andere Bewohner sogar wie gewohnt fernsehen. „In der Wohnung meiner Mutter (87) im 23. Stock brannte sogar das Licht“, freute sich der 67-jährige Sohn. Gegen 16 Uhr zählte der Besucher zwölf Feuerwehrautos, die vor der Wohnanlage gestanden hätten. Auf jedem Stockwerk sei ein Feuerwehrmann postiert gewesen, der nach den Bewohnern geschaut habe, lobte der Mann.

Wann die Technik in der Seniorenwohnanlage wieder störungsfrei funktioniert und wie hoch der Schaden ist, war Sonntag in der Nacht noch nicht abzusehen.

mdu

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