Zukunft ist ungewiss

Arnulfsteg über Stammstrecke: Rathaus denkt über Alternative nach

Ein Strich in der Stadtlandschaft: Ein Steg über die Gleise könnte die Arnulfstraße mit der Schwanthalerhöhe verbinden.

Die Zukunft des Arnulfsteges scheint ungewiss. Der Bauausschuss hat eine Entscheidung vertagt, weil offenbar noch Beratungsbedarf besteht.

München - Nun soll das Plenum im Dezember sein Okay für die Fuß- und Radfahrerbrücke über die Stammstrecke geben. Gibt es auch dann kein positives Votum, könnte sich das Projekt auf unbestimmte Zeit verschieben. Im Rathaus macht man sich derweil schon Gedanken über eine Alternative.

Die neuerliche Debatte über den Arnulfsteg hat gestern für Verwunderung bei Opposition und Viertelpolitikern gesorgt. Der Vorsitzende der SPD Schwanthalerhöhe, Arno Laxy, forderte den Stadtrat in einem Schreiben zu einem positiven Beschluss auf. „Wir sind besorgt darüber, dass es Überlegungen gibt, den Arnulfsteg wegen Kostensteigerungen doch nicht zu bauen.“ Wie berichtet, geht die Verwaltung mittlerweile von Baukosten von rund 26 Millionen Euro aus, das sind vier Millionen mehr als bei der erneuten Ausschreibung zu Jahresbeginn. Und insgesamt acht Millionen Euro mehr als bei der ursprünglichen Planung.

Die sieht nach wie vor eine 242 Meter lange gläserne Brücke zwischen Hacker- und Donnersbergerbrücke vor. Der Weg soll den Arnulfpark und die Schwanthalerhöhe verbinden und Fußgängern und Radlern eine Querung der Bahngleise ermöglichen.

Ursprünglich hätte der Bau des Arnulfstegs heuer beginnen sollen

„Die bisherige Kostenschätzung für den Arnulfsteg ist mehr als zehn Jahre alt“, sagt Laxy. „Die aktuell diskutierten 25 Prozent Mehrkosten bedeuten über die Zeit gerechnet also im Schnitt nicht mehr als 2,5 Prozent Mehrkosten pro Jahr. Das halten wir für durchaus vertretbar.“ Zumal Kostensteigerungen mittlerweile zur Normalität gehören, wie Sybille Stöhr (Grüne), die Chefin des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe, ergänzt: „Ich würde die Frage nach den hohen Kosten umdrehen: Kann es sich München noch leisten, auf Projekte wie den Arnulfsteg und damit auf die Schaffung von attraktiven Alternativen zum Autoverkehr zu verzichten?“

Stadtrat und Grünen-Verkehrsexperte Paul Bickelbacher sagte: „Der wesentliche Anteil der Baukostensteigerung ist ja der Anteil der Deutschen Bahn. Die Sperrung der Stammstrecke sollte früher vier Millionen Euro kosten, jetzt sind wir bei siebeneinhalb.“ Ursprünglich hätte bereits in diesem Jahr mit dem Bau des Steges begonnen werden sollen. Doch weil die Arbeitsgemeinschaft, die den Zuschlag für das Projekt erhalten hatte, nicht in der Lage war, Spezialteile anzufertigen, kündigte sie den Vertrag. Die Stadt hat demnach noch Regressansprüche. Jedoch drängt die Zeit, da die Deutsche Bahn für Bauten über Gleisen eigene Zeitfenster schaffen muss und einigen Vorlauf benötigt, um die notwendigen Sperrungen und Ersatzverkehre vorzubereiten.

Die Stadtverwaltung geht selbst davon aus, dass sich das Projekt Arnulfsteg auf unbestimmte Zeit verschieben könnte, wenn im Dezember keine Entscheidung mehr fällt. Im Rathaus gibt es nach Informationen unserer Zeitung derweil Überlegungen für eine Alternative, sollte der Arnulfsteg gekippt werden. Ein möglicher Gedanke ist es, etwa die Radwege auf der Donnersbergerbrücke auszubauen oder mit Wänden abzutrennen. 

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