Baustelle und Radwegpläne sorgen für Chaos

Landsberger Straße: 20 Minuten Fahrzeit für 500 Meter!

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Auch nach Ende der Bauarbeiten bleibt für die Autofahrer nur noch wenig Platz an der Hackerbrücke.

München - Wegen der Baustelle direkt an der Abzweigung Richtung Hackerbrücke ist die Landsberger Straße nun teils einspurig. Die Folge: Nichts geht mehr.

Jeder Münchner Autofahrer weiß: Der Landsberger Straße geht man aus dem Weg. Zum einen wegen der Dauerstaus, zum anderen weil es hier – auch wenn die Verkehrs-Verantwortlichen der Stadt gern anderes behaupten – nie eine grüne Welle gab und gibt. Doch wer derzeit trotzdem über genau diese Straße in die Stadt muss, durchlebt einen asphaltierten Albtraum. Die tz, erklärt, warum.

Wegen der Baustelle direkt an der Abzweigung Richtung Hackerbrücke ist die Strecke nun teils einspurig. Die Folge: Nichts geht mehr. Aber das Schlimmste ist: Viel wird sich daran auch nach Ende der Bauarbeiten nicht ändern!

Chaos Landsberger: Seit mehreren Wochen wird dort am Ende nun gebaut. Ein Radlweg für beide Richtungen kommt neben die Fahrbahn. Außerdem wird die Haltestelle der Tram barrierefrei umgestaltet. So weit, so gut. Nun wird deshalb aber die Straße stadteinwärts ab Höhe der Augustiner-Brauerei plötzlich einspurig. Teils wird diese Wegführung auch nach Baustellen-Beendigung so bleiben.

Wer das beschlossen hat? Das KVR zusammen mit dem Bezirksausschuss! „Das ist ein Unding“, schimpft tz-Leserin Susanne L. „Da stauen sich die Autos teils bis zum Mittleren Ring.“ Keine Übertreibung: Beim tz-Test brauchten wir für gut 500 Meter über 20 Minuten. Und es gibt derzeit noch ein weiteres Problem: Da die Strecke einspurig ist, wurde die Ampel für Geradeaus-Fahrer an der Kreuzung deaktiviert. Nun ist der Takt, als würden alle links abbiegen wollen. Heißt: Die Rotphasen sind ewig lang, bei Grün schaffen es grad mal eine Handvoll Autos Richtung Theresienwiese.

Was manchen überraschen mag: Das Vorhaben, genau an diesem Knotenpunkt einen breiten Fahrradweg zu bauen, bringt auch viele im Rathaus auf die Palme. Wegen eines Grundsatzbeschlusses aus dem Jahr 2009 kann nämlich das KVR zusammen mit dem Bezirksausschuss Radwege beschließen, ohne den Stadtrat zu fragen. Und genau dies ist auch an der Landsberger geschehen. „Der Stadtrat wurde mit den Baumaßnahmen und der Verengung auf eine Fahrspur in der Landsberger Straße nicht befasst“, schimpft unter anderem der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende und verkehrspolitische Sprecher, Michael Kuffer. „Wir begrüßen zwar Verbesserungen für den Radverkehr, aber in diesem Fall wurden die Auswirkungen auf eine der wichtigsten Verkehrsadern in München nicht berücksichtigt, was nicht akzeptabel ist. Der täglich erlebbare Dauerstau ist die Folge.“ Das Ganze sei zudem „ein Schildbürgerstreich“ und man überlege nun, eine bessere Lösung zu finden.

Starker Tobak! Wie die tz erfuhr, ist auch OB Dieter Reiter von dem Alleingang des Bezirksausschusses mit dem KVR wenig begeistert – und denkt über Korrekturen nach. Besonders da das Chaos an der Landsberger kein Einzelfall ist: Auch an der Gabelsbergerstraße ist derzeit ein Teilbereich wegen eines Fahrradweges nur noch einspurig befahrbar. Täglich kommt es auch hier zu fetten Staus. Diesen Plan segnete der zuständige Bezirksausschuss ab – ohne Stadtrat. Ein ähnliches Problem gibt es auch an der Grünwalder Straße.

Stellt sich die Frage, warum die Bezirksausschüsse solche Baustellen überhaupt beschließen? Hinter vorgehaltener Hand glauben einige Stadträte, den Grund zu kennen: „Na ja, die wollen den Autoverkehr von ihrem Bezirk einfach in einen andern zwingen – mit Staufallen!“

Armin Geier

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