Trappentreu-Baustelle

Die tz besucht Münchens härtesten Arbeitsplatz

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Emanuel Petscharnig (mit dem Hochdruckschlauch) und seine Kollegen arbeiten im Tunnel.

München - Bis zu 111.400 Fahrzeuge brettern täglich durch den Trappentreutunnel. Die 29,2-Millionen-Euro-Baustelle bringt Autofahrer in Rage — und die Bauarbeiter an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Sie ackern oft elf Stunden am Tag. Der Lärm der vorbeidonnernden Autos, Lkw, Motorräder und Sirenen geht den Arbeitern „arg an die Substanz“, sagt Polier Georg Nägele (51). Der Hochdruck-Wasserstrahler, der den alten Beton von den Wänden spritzt, flutet den Tunnel mit zusätzlichen 115 Dezibel. Zum Vergleich: Ein Flugzeug startet mit etwa 120 Dezibel …

Projektleiter Johann Wittmann (l.) im Gespräch mit tz-Reporter Tobias Scharnagl.

„Die Abgase machen uns weniger Probleme“, sagt Nägele. Zugluft ist sowieso in der Röhre, schon durch die fahrenden Autos: Das transportiert den Großteil des Smogs wieder nach draußen. Der Abgaswert wird permanent kontrolliert. „Ist der Grenzwert erreicht, schmeißen wir die Ventilatoren an“, erklärt Projektleiter Johann Wittmann (62) vom Baureferat. Wenn auch das nix helfen sollte, müsste der Tunnel evakuiert werden. Münchens härtester Arbeitsplatz!

Betonarbeiten auf der Trappentreu-Baustelle.

Ende 2015 soll alles fertig sein. Bis Juli 2015 bleibt weiterhin in jeder Röhre eine von drei Spuren gesperrt — danach werden die Arbeiten in die Nacht verlegt, wo dann ebenfalls eine Fahrbahn dicht ist. „Wir arbeiten unter Hochdruck, um den Verkehr nicht zu lange zu beeinträchtigen“, sagt Projektleiter Wittmann. 35 Arbeiter sind dafür von 7 bis 19 Uhr im Einsatz — vor Kurzem war’s sogar noch bis 22 Uhr. Sieben Tage die Woche.

Wittmanns Leute kümmern sich unter anderem um einen neuen Straßenbelag. Genauso wichtig aber: Das Streusalz hat über die Jahre die Betonwände stark angegriffen. Heißt: Der alte Beton muss erst mal weg, damit neuer verbaut werden kann.

Diese Hochdruck-Arbeiten passieren übrigens hinter einer Plane. So behindern Staub und Nebel die Autofahrer nicht. Und die Arbeiter sind ein bissl abgeschirmt vom dauernden Verkehr …

tz-Stichwort: Trappentreutunnel

Der Trappentreutunnel gehört zu den meistbefahrenen Strecken Münchens. Mit über 111.000 Fahrzeugen pro Tag kommt er fast an die benachbarte Donnersbergerbrücke heran. Die Baustelle im Tunnel ist deswegen eine Belastung: für die Autofahrer, ganz besonders aber für die Arbeiter.

Der Tunnel wurde 1983 gebaut. Das Bauwerk ist beschädigt, die Technik veraltet. Der Beton der Innenwände, der Straßenbelag und Teile der Decke werden erneuert. Die Arbeiter brechen zusätzliche Fluchttüren in die Wände, alte werden ersetzt. In erster Linie muss der Tunnel aber (sicherheits-)technisch aufgerüstet werden: mit Lüftung, elektronischen Anzeigetafeln, Schranken, Videokameras, Beleuchtung und Lautsprechern.

Tobias Scharnagl

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