"Zwischen uns war auch viel Hass"

Sie stach ihren Freund nieder

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Nach der Tat in der Bergmannstraße nahm die Polizei Line S. fest.

München - Was treibt eine Frau nur zu so einer Tat? Line S. (36) muss sich in München vor Gericht verantworten. Sie hat gestanden, ihren Freund niedergestochen zu haben.

"Ich dachte, vielleicht kann ihn meine Liebe ändern. Aber zwischen uns war auch viel Hass“, sagt Line S. (36). Die blonden Locken fallen ihr auf die Schulter, sie spricht mit sanfter Stimme. Eine hübsche, junge Frau. Am 11. Juli 2014 soll sie aber ihre bösartige Seite gezeigt haben: Im Streit stach sie ihrem Lebenspartner in der Bergmannstraße ein Messer in den Hals! Wegen versuchten Totschlags steht sie nun vor Gericht.

Vor dem Restaurant Il Parco war das Opfer blutend zusammengesackt.

„Dass der Geschädigte nicht tödlich verletzt wurde, ist einzig dem Zufall zu verdanken“, wirft die Anklage der Verkäuferin vor. Sie stach mit einer 17 Zentimeter lange Klinge nach Alban Z. (30, Name geändert) – und traf ihn knapp über dem linken Schlüsselbein. Drei Zentimeter breit und fünf Zentimeter tief ist die Wunde, die ihn beinahe das Leben kostet. Er überlebt, weil er sich nach der Attacke in ein gegenüberliegendes Restaurant rettet. „Hilf mir, hilf mir, Bruder“, bitte er den Wirt –dann bricht er blutüberströmt zusammen. Ein Großaufgebot der Polizei rückt an. Vom Fenster aus soll Line S. dann sogar noch gebrüllt haben: „Ich stech dich auch ein zweites Mal ab.“ Im Prozess gibt sie weinend alles zu.

Jetzt steht Line S. vor Gericht.

Aber es bleibt die Frage: Was treibt eine Frau nur zu so einer Tat? Wie Line S. schildert, gleicht die Beziehung einem einzigen Auf und Ab. Im März 2012 kommt das Paar zusammen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. In den folgenden zwei Jahren trennen sie sich aber sieben Mal. Denn immer wieder soll Alban Z. gewalttätig geworden sein und Drogen konsumiert haben. „Er hatte ein großes Herz“, sagt Line S. „Aber er kiffte täglich und war extrem eifersüchtig.“

Immer häufiger soll Alban Z. sie körperlich misshandelt haben. „Er gab mir heftige Watschn, drückte mich zu Boden, spuckte mich an und trat mir in den Bauch“, schildert sie eine Situation auf einer Party. Ein andermal soll er ihr mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen und ihr mit dem Tod gedroht haben. „Ich konnte das alles nicht mehr aushalten“, sagt Line S. Sie wollte sich angeblich nur wehren, als sie zustach.

„Auch am Tattag schlug er mich wieder“, sagt sie. In ihrer Not greift sie das Messer aus der Küche und schreit: „Wenn du nicht aufhörst, steche ich dich ab.“ Da soll Alban Z. nur gelacht haben. „Ich wollte ihn nicht umbringen. Es tut mir so leid“, sagt Line S.

Ob das stimmt? Richter Michael Höhne ist skeptisch: „Sie konnten schon auch ganz gut zulangen“, sagt er. Denn auch Line S. schlug und kratzte Alban Z. Dass ihre Beziehung so blutig endete, hätte sie sich aber nie vorstellen können: „Ich liebe ihn irgendwo immer noch“, sagt sie. Nun droht ihr aber der Knast!  

Andreas Thieme

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