Er zerstörte das Leben einer Frau

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Serien-Sextäter Tiziano L.

München - Auf offener Straße wurde Anja L. Opfer eines Vergewaltigungsversuchs - am Dienstag sah sie ihren Peiniger vor Gericht wieder.

Es war ein früher Sonntagmorgen, der das Leben von Anja L. (Name geändert) jäh zerstörte. Wenige Wochen, nachdem die BWL-Studentin nach München gezogen war, wurde sie Opfer eines brutalen Vergewaltigungsversuchs – auf offener Straße! Am Dienstag sah sie ihren Peiniger wieder. „Er hat mich von hinten gepackt und zu Boden geworfen“, sagte sie als Zeugin vor Gericht.

Die hübsche junge Frau hatte die Nacht zum 17. Oktober 2010 bei Freunden verbracht. Gegen 4.50 Uhr wollte sie mit der U-Bahn heimfahren. Am Hauptbahnhof stieg sie um. „Ich habe nicht bemerkt, dass mir jemand gefolgt ist,“ berichtet sie. Tiziano L. war schon die ganze Nacht auf der Jagd nach einem geeigneten Sex-Opfer.

Er heftete er sich an die Fersen der ahnungslosen Studentin. Als sie im U-Bahnhof Schwanthalerhöhe die U 5 verließ, folgte er ihr unauffällig bis zur Kazmairstraße. „Mit einer Hand hat er meine Burst umfasst, mit der anderen hat er versucht, mir den Mund zuzuhalten“, berichtete Anja L. im Zeugenstand. „Ich habe ihm in die Hand gebissen.“ Der Täter ließ zunächst nicht locker: „Er hat mich gezielt zu Boden geworfen. Noch im Fallen habe ich um Hilfe geschrien.“ „Ich habe keine böse Absicht gehabt“, behauptete der Sex-Täter zunächst. Richter Norbert Riedmann gab sich damit nicht zufrieden: „Sie haben die Frau von hinten gepackt, das reicht für einen Schock.“

Der Schock sitzt bei Anja L. noch immer tief. „Ich habe jetzt Angst im Dunkeln, gehe nachts nicht mehr allein auf die Straße“, sagte sie gestern. Wenn jemand sie von hinten berühre, erleide sie immer einen gewaltigen Schreck. Um Hauseingänge mache sie seither einen großen Bogen. Ihre Anwältin Gabriele Schöch ergänzte, dass sich die junge Studentin nicht mehr in die U-Bahn traue und sich abholen lasse, wenn es einmal spät werde an der Uni.

Der mit zwei Jahren Knast vorbestrafte Angeklagte druckst vor Gericht herum: „Vielleicht hätte ich ihr die ­Kleider runtergerissen. Ich wollte versuchen, sie zu vergewaltigen.“

Bei seinem Opfer entschuldigte er sich halbherzig: „Tut mir leid.“ Aus der U-Haft heraus hatte er ihr einen Brief geschrieben, der so etwas wie eine Entschuldigung sein sollte. Anwältin Schöch ermahnte ihn, dies zu unterlassen: „Das hat nicht zu guten Gedanken geführt.“

Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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