Mieter sind sauer

GBW haut Miete im Arnulfpark um 15 Prozent rauf

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Die GBW-Mieter im Arnulfpark sind sauer.

München - Die GBW-Mieter im Arnulfpark sind sauer. Und das mit gutem Grund: Pünktlich zum ersten Ferientag schickte ihnen das Wohnungsunternehmen die befürchtete Mieterhöhung.

Um 200 Wohnungen geht es – und teils sollen die Bewohner 15 Prozent mehr an Miete hinblättern. „Das ist gemein“, schimpft die Leiterin des Nachbarschaftstreffs, Sabine Ullrich. „Wie sollen das die Leute hier bezahlen?“

Kämpft gegen die Erhöhung: Sabine Ullrich.

Mehrfach hatte die tz über die Angst der Menschen im Arnulfpark berichtet. Auch weil sie repräsentativ ist für das Miet-Dilemma in der Weltstadt mit Herz: Ein riesiges Konsortium (in diesem Fall unter der Führung des Patrizia-Konzerns) kauft sozial geförderte Wohnungen auf (in diesem Fall die GBW) – und hebt dann den Mietpreis an. Günstiger Wohnraum? Fehlanzeige! „Und nun hat es uns voll erwischt“, so Ullrich. „Hier wohnen viele Kranke, ältere Menschen oder Familien mit niedrigem Einkommen – für die ist es ein Schock, nun irgendwie im Schnitt 100 Euro mehr im Monat aufbringen zu müssen.“ Viele würden am Essen sparen müssen. Zudem kam mit der Mieterhöhung am Mittwoch die jährliche Nebenkostenabrechnung. „Da geht es teils auch nochmal um mehrere hundert Euro, die nachgezahlt werden müssen. Das ist Schikane.“

Auch Beatrix Zurek, Chefin des Mietervereins, kann sich nur wundern: „Wenn die schon so erhöhen wollen, hätten sie den Zeitpunkt anders wählen können.“ So seien besonders den Familien die Ferien versaut. „Aber wir werden jetzt erst mal prüfen, ob die Erhöhung rechtens ist.“ Die Mieter sollten also auf keinen Fall schon zustimmen! Das wird hier wohl keiner tun. Denn man darf nicht glauben, dass die Wohnungen generell spottbillig wären. Eine gut 50-Quadratmeterwohnung kostet beispielsweise rund 700 Euro. Sozial Schwache bekommen zwar einen Zuschuss – aber müssen 500 Euro dennoch noch selber tragen. Die Mieterhöhung sowieso.

Und was sagt die GBW? Diese sei – wenn man einen Blick auf den Mietspiegel werfe – rechtens. Zudem seien die Wohnungen im Vergleich noch immer günstig. Fragt sich halt nur, für wen?

Das Dilemma begann mit dem BayernLB-Debakel

Die GBW mit ihren insgesamt über 30.000 Wohnungen (davon 11.000 in München) ist Bayerns größte Wohnungsgesellschaft und gehörte früher der BayernLB. Früher hatte die Firma noch den Ruf, sehr sozial zu sein und günstigen Wohnraum anzubieten. Doch dann kam die große Pleite der Landesbank. Diese hatte die Wohnungsgesellschaft 2013 an ein Konsortium um den Augsburger Immobilienkonzern Patrizia verkauft, um die Sanierungsauflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Der Preis: 2,5 Milliarden Euro.

Nun werfen viele Kritiker der Patrizia vor, den großen Reibach mit den Wohnungen machen zu wollen. Heißt: Mieten kontinuierlich rauf – bis sich die Wohnungen nur noch Wohlhabende leisten können. Die Patrizia weißt übrigens die Verantwortung für die Erhöhung im Arnulfpark von sich. Am Donnerstag sagte ein Sprecher der tz: „Dafür ist die GBW zuständig.“ Also die gekaufte Gesellschaft.

Armin Geier

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