Polizei dementiert Medienberichte über Herkunft des Täters

Spur des Westend-Entführers führt nicht nach Brandenburg

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Die Polizei fahndet nach einem Mann, der am Mittwochmorgen eine Frau vor dem Lidl an der Westendstraße mit einer Waffe bedroht haben soll.

München - Die Polizei sucht seit Mittwoch das Münchner Westend und die Umgebung nach einem flüchtigen Täter ab. Der bewaffnete Mann hat laut Polizei die Ehefrau eines Bankiers entführt, um Lösegeld zu kassieren. Doch auf einem Supermarktparkplatz gelingt der Frau die Flucht. Der Entführer hat Spuren hinterlassen.

  • Die Frau eines Münchner Sparkassenmanagers ist am Mittwochmorgen entführt worden. Wenig später konnte sie auf einem Supermarktparkplatz an der Westendstraße entkommen.
  • Nach polizeilichen Angaben soll der unbekannte Mann die 46-Jährige in ihrer Wohnung im Landkreis München bedroht haben und dann mit ihr in die Münchner Innenstadt gefahren sein. Der Täter habe zudem den zwölfjährigen Sohn der Entführten in der Wohnung gefesselt. In einem Erpresserbrief soll er mehrere Millionen Euro Lösegeld gefordert haben.
  • Der mutmaßliche Entführer flüchtete Richtung Innenstadt, die Polizei fahndet mit Mantrailer-Hunden und einem Hubschrauber nach dem Mann und hat am Donnerstagmittag ein Fahndungsfoto veröffentlicht.

Polizei hat bisher viele Hinweise auf den Entführer bekommen 

+++ Nachdem die Polizei am Donnerstag ein Fahndungsfoto herausgegeben hatte, gingen bei der Polizei etwa 15 Hinweise ein. Einen Tatverdächtigen hat die Polizei trotzdem nicht. Es würden mehrere Personen überprüft. Es sei weiterhin wichtig, dass sich Menschen mit Hinweisen auf den Entführer bei der Mordkommission München (Telefon 089- 29100) oder bei einer Polizeidienststelle  melden.

Polizei: „Wir haben Spuren, aber keinen Tatverdächtigen"

+++ Offenbar handelt es sich bei dem mutmaßlichen Entführer doch nicht um einen Mann aus Brandenburg. Ein Polizei-Sprecher wies am Freitag Medienberichte zurück, wonach der Westend-Entführer bereits identifiziert sei und es sich um einen Mann aus Brandenburg handle. „Wir haben keinen aus Brandenburg im Visier und ermitteln in alle Richtungen“, sagte der Sprecher der Deutschen Presse Agentur. „Wir haben Spuren, aber keinen Tatverdächtigen. Nach der Veröffentlichung von Bildern einer Überwachungskamera seien bislang nur „um die 15 Hinweise“ eingegangen. Die Polizei befürchtet, dass Berichte über die Identifizierung des Tatverdächtigen weitere Zeugen daran gehindert haben könnten, sich zu melden. „Wir bitten weiterhin um Hinweise“, betonte der Polizeisprecher.

Diese Spuren hat der Täter auf dem Lidl-Parkplatz hinterlassen

+++ Zwei Tage nach der Entführung sind noch viele entscheidende Fragen unbeantwortet. Die Ermittler fragen sich, wieso der Entführer mit der Frau des Bankers überhaupt in die Innenstadt gefahren ist, statt so schnell wie möglich auf die Autobahn zu fahren und Bayern zu verlassen. Unklar ist auch, was ihn motiviert hat, den Wagen ausgerechnet auf dem trubeligen Lidl-Parkplatz zu parken. Die Polizei hatte ein Fahndungsfoto des Täters herausgegeben, schränkt aber gegenüber tz.de ein, dass es "nicht markant" sei.  

Wie die tz vom Freitag berichtet, hat der Mann auf seiner Flucht das Magazin seiner Softair-Pistole auf dem Lidl-Parkplatz verloren. Offenbar konnten die Beamten auch im Haus des Bankers in Ottobrunn und im Auto Fingerabdrücke und DNA-Spuren sicherstellen. "Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen", sagte Ermittler Kaus der tz am Donnerstag. Der Täter soll in dem Haus einen Erpresserbrief dagelassen haben und darin zweieinhalb Millionen Euro gefordert haben. Das spricht für eine geplante Tat.

Mann aus Brandenburg im Visier

+++ Der Täter hatte an der Wohnung der Familie in Ottobrunn zugeschlagen. Nach tz-Informationen stand er mit einem Paket vor der Tür und drängte die Frau in die Wohnung. Die hatte eigentlich die Putzfrau erwartet. Der Eindringling befahl der Mutter und ihrem Sohn zunächst, sich auf den Boden zu legen. Der Zwölfjährige sollte sich dann mit einem Kabelbinder selbst an die Heizung fesseln. Die Frau nahm er anschließend mit nach draußen, um mit ihrem Auto Richtung Innenstadt zu fahren. Er saß am Steuer, sie musste eine verklebte Brille tragen.

Dennoch konnte das Opfer ungefähr erkennen, wohin die Fahrt ging. Nach 55 Minuten parkte er das Auto im Westend: Erst hier konnte sich die 46-Jährige losreißen – und der Täter flüchten. Seither läuft die Großfahndung. Wie die tz am Donnerstagabend erfuhr, haben die Ermittler offenbar einen Mann aus Brandenburg im Visier, der dem Bärtigen auf dem Foto ähnlich sieht und der bereits in einem Fall polizeilich in Erscheinung getreten ist. Ob diese Spur allerdings zum Erfolg führt, ist noch völlig unklar.

+++Die Polizei hat ein Fahndungsfoto veröffentlicht. Eine Überwachungskamera hatte den Täter gefilmt, als er über das Gelände von Opel Häusler geflohen war. Es handelt sich um einen circa 50 Jahre alten Mann. Nach polizeilichen Angaben hat er einen ungepflegten Drei-Tage-Bart und eine schlanke Figur. Er ist zwischen 1,80 bis 1,90 Meter groß. Der Mann war zur Zeit der Entführung bekleidet mit Jeans, dunkler Jacke sowie einer schwarzen Strickmütze, die an der Stirn umgeklappt war. Außerdem hatte er einen Rucksack dabei. Die Polizei startet einen Zeugenaufruf: Wer Angaben zur Identität und Aufenthaltsort der Person auf dem obigen Bild oder der Entführung selbst machen kann, soll sich mit der Polizei in Verbindung setzen unter Tel. 089/29100.

+++Offenbar hinterließ der Entführer im Haus des Bankers und im Auto der Familie Fingerspuren sowie DNA. „Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Ermittler Markus Kraus. Ein Scan der Gesichtszüge des Entführers mit einer Straftäter-Datei ergab keinen Treffer.

Hat sich der Entführer die Ehefrau des Bankmanagers gezielt ausgesucht?

+++Auch die Sparkasse äußert sich zur Entführung: In einer Mittteilung schreibt der Vorstand: „Wir sind zutiefst betroffen. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Familie. Wie geht es der Familie, insbesondere dem Buben, der gefesselt zurückgelassen wurde? Ermittler Markus Kraus: „Die gesamte Familie macht einen starken Eindruck“. Welche seelischen Spuren nach der Entführung zurückbleiben, wird erst die Zeit zeigen.

+++Ob der Gangster sich gezielt die Ehefrau des Bankmanagers ausgesucht hat, scheint noch unklar. „Der Mann der entführten Frau hat keinen Kundenkontakt“, berichtet Kriminaloberrat Markus Kraus. Möglich ist jedoch, dass sich der Täter von der Stadtsparkasse ungerecht behandelt gefühlt hatte und sich von der Homepage der Bank sein Opfer gesucht hatte. Die Adresse der Familie steht zumindest im Telefonbuch.

Entführer bedrohte Frau und deren Sohn offenbar mit einer Softairpistole

+++ Scheinbar soll der unbekannte Täter die Frau (46) und Sohn (12) mit einer Softairpistole bedroht haben. Das gibt die Polizei in einem Pressebericht bekannt. Grund zu dieser Annahme ist ein Magazin der Pistole, das die Polizei gefunden hat. Der Entführer hatte es offenbar während seiner Flucht verloren. Der Mann entkam über den angrenzenden Parkplatz von Opel Häusler. Hier wurde der Täter von Überwachungskameras gefilmt. Vermutlich flüchtete der Mann auf der Landsberger Straße Richtung Innenstadt. Ein Suchhund der Polizei konnte seine Spur bis zur Trambahnhaltestelle Holzapfelstraße verfolgen. „Möglich, dass er mit der Tram weiter ist“, sagt Kriminaloberrat Markus Kraus, der die Ermittlungen leitet.

War die Tat geplant?

+++ Der Gangster hatte am Mittwoch die Ehefrau (46) des Stadtsparkassenmanagers aus deren Wohnung entführt. Ihren Sohn (12) ließ er gefesselt zurück. Auf einem Supermarkt-Parkplatz im Westend endete die Entführung. Hier konnte sich die Banker-Frau losreißen. Der Gangster versuchte noch mit gezogener Waffe, die Frau festzuhalten. Doch er scheiterte und flüchtete. Ein Augenzeuge sah den Vorfall, alarmierte die Polizei. Trotz Großfahndung, auch mit Hubschrauber, konnte der Entführer entkommen. Der Täter soll in der Wohnung einen Erpresserbrief mit einer Forderung von 2,5 Millionen Euro hinterlegt haben. Dies spricht für eine geplante Tat.

+++ Nach Informationen der Bild soll der Entführer in dem Erpresserbrief mit diesen Worten in Richtung des Sparkassenmanagers gedroht haben: "Wir haben Ihre Frau."

+++ Die Polizei hat am Donnerstagmorgen bestätigt, dass es eine „Bedrohungslage“ gegeben habe. Eine Großfahndung nach dem Täter sei bisher erfolglos geblieben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, handelt es sich bei der Frau um die 46-jährige Gattin eines leitenden Sparkassenmanagers. Inzwischen ist offenbar auch die Höhe des geforderten Lösegelds bekannt: Es soll sich um 2,5 Millionen Euro handeln. Eine Großfahndung der Polizei nach dem mutmaßlichen Entführer sei bisher erfolglos geblieben.

+++ Die Suche nach dem Mann ging indes am späten Abend weiter: Eine Kollegin berichtet, dass die Hubschrauber auch über Trudering/Riem fliegen.

+++ Wie unten erwähnt, liegt der Polizei ein Foto des Täters vor. Allerdings fehlt noch der richterliche Beschluss, wonach das Foto zum Zwecke der Fahndung veröffentlicht werden darf.

+++ Die SZ berichtet von einem handgeschriebenen Erpresserbrief, der gefunden worden sein soll. Darin soll eine Forderung über mehrere Millionen Euro stehen.

+++ Wie die tz erfahren hat, könnte es sich bei dem Täter um einen Entführer handeln. Das Mysteriöse: Anwohner erzählen, dass die Tat nicht erst auf dem Parkplatz begonnen hat. Offenbar hatte der Pistolenmann seinem Opfer bereits vor deren Wohnung aufgelauert und die Frau mit gezogener Waffe gezwungen, in ihren silbernen Polo zu steigen. Dies geschah nach Angaben der SZ in Ottobrunn, bei der Frau soll es sich zudem um die Gattin eine Bankiers handeln. Die Fahrt habe schließlich auf dem Lidl-Parkplatz geendet. Hier sei es der Frau gelungen, aus dem Auto zu springen. Der Täter habe ihr wohl mit der Pistole gedroht, wäre dann aber geflüchtet.

Eine Passantin erzählte zudem der tz: „Er hat wohl auch den Sohn der Frau gefesselt und in der Wohnung zurückgelassen. Das hat sie hier den Polizisten erzählt“. Polizeisprecher Thomas Baumann will dies alles nicht kommentieren: „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte er gestern. Tatsache ist aber: Die Ermittlungen hat das Kommissariat 11 übernommen. In dessen Zuständigkeit fallen neben Mord auch Entführungen und Geiselnahmen! Laut Polizei handelt es sich um bei der 46-Jährigen um die Mutter einer ganz normalen vierköpfigen Familie.

+++ Die Polizei fahndet weiter nach dem mutmaßlichen Täter (Stand: Mittwoch, 15 Uhr). Bisher gibt es noch keine Spur zu ihm, so ein Sprecher.

Polizeisprecher: "Das ist alles sehr dubios"

Die Polizei hat auch in der S-Bahn nach dem Täter gesucht.

+++ Die Motive für die Tat liegen noch völlig im Dunkeln. "Es ist alles sehr dubios", sagt Polizeisprecher Thomas Baumann. Immerhin sieht alles nach einer Zufallsbegegnung aus. Welche Absicht der Täter hatte, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

+++ Die Frau ist glaubwürdig, die Polizei nimmt die Lage sehr ernst, heißt es aus der Presserunde der Polizei am Mittag. Es gibt auch eine erste Täterbeschreibung: Der Mann spricht mit Berliner Dialekt, ist 1,90 Meter groß, hat einen Vollbart , buschige Augenbrauen und trägt schwarze Kleidung und einen schwarzen Rucksack. Die Polizei wird ein Fahndungsfoto veröffentlichen, sobald der Staatsanwalt das abgesegnet hat. Eine Videokamera filmte ihn, als er über den Häusler-Parkplatz zur Landsberger Straße ging.

+++ Nach Informationen der Polizei handelt es sich bei dem Opfer um eine 46-jährige Münchnerin, die den Täter nicht kannte. Sie wird gerade von der Polizei vernommen. Offenbar hatte der fremde Mann sie mit einer Schusswaffe bedroht, sie konnte aber aus der Situation entkommen. Der Täter ist in Richtung Innenstadt geflohen.

Polizeieinsatz im Westend: Das waren die ersten Informationen

Um 9 Uhr am Mittwoch rasten mehrere Polizeiautos vom Hauptbahnhof in Richtung Westend: Grund war ein Beziehungsstreit, wie die Polizei mitteilt. Ein Mann hat eine Frau vor dem Lidl-Supermarkt an der Westendstraße nach ersten Informationen niedergestochen. Er ist bewaffnet und möglicherweise mit der S-Bahn geflohen. Wie es der Frau geht und warum es zu der Gewalttat kam, ist noch nicht bekannt.

Die Polizei sucht das Gebiet ab, ein Hubschrauber kreiste am Mittwochvormittag über der Schwanthalerhöhe in München.

Mann bedroht Frau: Bilder vom Polizeieinsatz im Westend

kg/jam/rat/ul/sah

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