Eine Institution in der Schwanthalerstraße

Der Kartoffel-König (84) sperrt zu

+
Karl Greif verkaufte 60 Jahre lang Gemüse und Obst im Westend. Jetzt hört er auf.

München - Karl Greif ist Kartoffelhändler. Genauer gesagt war er das, fast 60 Jahre lang hat der Münchner in seinem Hinterhof in der Schwanthalerstraße Gemüse und Obst verkauft. Jetzt ist damit Schluss.

Am liebsten hat Karl Greif die Siglinde. „Das ist eine Salatkartoffel“, erklärt er. „Festkochend.“ Der 84-Jährige sitzt auf der grünen Couch am Esstisch, seine Hände beschreiben in einem Halbkreis die Kartoffelart.

Karl Greif ist Kartoffelhändler. Genauer gesagt war er das, fast 60 Jahre lang hat der Münchner in seinem Hinterhof in der Schwanthalerstraße Gemüse und Obst verkauft. Eine Institution im Westend – jeder kennt den Kartoffel-König.

Vergangenen Samstag hat er seinen Laden geschlossen, die zwei kleinen Räume sind bis auf wenige Kisten Kartoffeln leer. „Ich hatte nie Lust, aufzuhören“, sagt Karl und starrt jetzt auf seine Finger. „Aber ich bin 84 Jahre alt.“ Es geht halt nimmer.

Als ältestes von vier Kindern ist der Münchner 1948 in das Geschäft seiner Mutter eingestiegen. Der Familienladen lag damals direkt an der Schwanthalerstraße, „200 Meter die Straße runter“, berichtet der Händler und weist mit dem Zeigefinger aus dem Fenster. Die Mutter habe mit dem Geschäft einige Menschen über die Kriegswinter gebracht. „Vor ein paar Wochen ist ein Kunde beerdigt worden, 90 Jahre alt, der hat schon bei meiner Mutter eingekauft“, erinnert er sich. Diese habe ausschließlich Kartoffeln verkauft, erst mit dem Pferdekarren, später mit einem Lieferwagen.

Erst 1960 hat der damals 30-jährige Sohn anderes Gemüse und Obst dem Laden hinzugefügt. „Die Kartoffeln liefen nicht mehr so gut“, sagt Greif. „Früher haben die Leute sonntags immer Kartoffelknödel gegessen, dann auf einmal nicht mehr.“ In dem Jahr hat er auch seine Frau kennengelernt, Mathilde. Noch heute sind die zwei zusammen. Und die Greifs sind keine Jammerer. An schlechte Zeiten kann sich das Ehepaar nicht erinnern. „Ein Mal hat ein Lkw unseren Lieferwagen umgekippt“, sagt die Gattin (76). „Da sind tausende Kartoffeln über den Stachus gekugelt.“ Das war’s.

Und jetzt? Jetzt werden die Leute im Westend ihren Kartoffel-König vermissen. Das ist sicher. lw

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring

Kommentare