Schwanthalerhöhe: Bewohner in Sorge

Ladensterben! Westend verliert seine Seele

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Hier in die Gollierstraße soll bald eine Bürogemeinschaft unterkommen.

München - Die Bewohner im Westend machen sich Sorgen: Das Viertel verändert sich mehr und mehr, die kleinen Geschäfte verschwinden. Wie auch in anderen Stadtteilen bereitet ein Begriff Kopfzerbrechen: Gentrifizierung.

Liebt sein Viertel: Eric Dietenmeier

Eric Dietenmeier kennt sein Westend wie seine Westentasche. Immerhin lebt der Manager nun schon seit 16 Jahren in dem Viertel an der Schwanthalerhöhe. Und er macht sich Sorgen: „Unser Stadtteil verliert langsam seine Seele“, klagt der Münchner. Warum? „Weil hier immer mehr kleine Läden sterben, die Farbtupfer in den Straßen – und nur noch Büros und Anwaltskanzleien entstehen.“ Gentrifizierung nennen Städteplaner das. Heißt vereinfacht: Die Kleineren ziehen weg, die Größeren kommen rein. „Das ist traurig“, findet Dietenmeier.

Wer durch die Straßen im Westend schlendert, merkt sofort, von was Eric Dietenmeier redet: Egal, ob in der Schwanthaler-, in der Park-, in der Gollier- oder in der Ligsalzstraße – überall finden sich leerstehende Geschäfte. Mal war dort ein Lampenladen, mal ein Geschenkeshop oder ein Weinhändler – jetzt ziehen fast überall Unternehmen ein. „Und es wird immer schlimmer“, so Dietenmeier.

Woran der Wandel liegen mag? Das Westend – mit seinen engen Straßen und seinen vielen Kneipen – ist vor ein paar Jahren zum Szenestadtteil erklärt worden. Was bedeutet: Es ist hip für erfolgreiche Unternehmen, sich hier ein Büro einzurichten. Die können sich die hohen Mieten auch problemlos leisten – von den alteingesessenen Ladenbesitzern aber immer weniger. Dazu kommt, dass der Stadtteil zwar mit gut 29 000 Einwohnern auf 209 Hektar die größte Bevölkerungsdichte von ganz München besitzt, sich aber immer weniger Bürger aus anderen Stadtteilen hierher zum Einkaufsbummel verirren. Die Folge: Es sterben weiter Läden weg – ein Teufelskreis.

„Wenn man früher morgens zur Arbeit ging, dann ist man am Gemüsehändler Greif vorbei, dann am Schaufenster vom antiken Plattenladen, gegenüber war eine Bildergalerie – das ist schon längst nicht mehr so“, erzählt Eric Dietenmeier wehmütig. Und er ist nicht allein mit seiner Meinung.

Der Besitzer eines Friseurladens meint zur tz: „Andere Viertel wurden von den Geldigen schon aufgekauft. Jetzt sind anscheinend wir dran. Schade, oder?“ Ja, irgendwie schon.

Armin Geier

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