Nur noch eine Fahrspur

Landsberger Straße: Baut die Stadt hier eine Staufalle?

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Umbau fast abgeschlossen: Die Baustelle am Freitag.

München - Die Landsberger Straße hat stadteinwärts nur noch eine Spur. Nur auf einem kleinen Abschnitt. Das könnte aber weitreichende Folgen haben, fürchtet die CSU. Den Umbau hat ein Bezirksausschuss eigenmächtig gefällt - unter grünem Vorsitz.

Marian Offman kann es nicht fassen. Und damit ist der CSU-Stadtrat nicht alleine. Ein Teil der Landsberger Straße wird zurückgebaut. Aus zwei Fahrspuren wird stadteinwärts eine. Vor Ort hat sich Offman ein Bild gemacht – und mit den Bauarbeitern gesprochen. „Die sagen sie wissen überhaupt nicht, was das soll“, erzählt Offman. Ein Baggerfahrer habe von einem „Schildbürgerstreich“ gesprochen.

Die Grafik zeigt, welchen Bereich der Landsberger Straße die Stadt wie umgestaltet hat.

Offman und die Bauarbeiter glauben, dass die Stadt eine Staufalle an eine der wichtigsten Straßen der Stadt baut. Was Offman zusätzlich auf die Palme bringt: Eine größere Diskussion um die Maßnahme hat es offenbar nicht gegeben. Der Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe – unter grünem Vorsitz – hat die Bauarbeiten beschlossen. Die Befugnis für die Entscheidung kam von OB Dieter Reiter (SPD). Der Stadtrat wurde gar nicht gefragt.

 Die CSU hat jetzt eine offizielle Anfrage an Reiter eingereicht, wie die Entscheidung zustande kommen konnte und was möglicherweise ihre Folgen sind. „Das tangiert ja nicht nur die Schwanthalerhöhe“, schimpft Offmann. „Die Landsberger Straße ist das Einfallstor in die Stadt für den ganzen Münchner Westen.“ Für die Debatte ist es eigentlich zu spät. Die Bauarbeiten sind so gut wie abgeschlossen. Der Fahrradweg wird an der Landsberger Straße an der Kreuzung zur Grasserstraße verbreitert. Auf der Südseite wurde zwischen Holzapfelstraße und Grasserstraße ein Zweirichtungs-Radweg gebaut – so soll laut Stadt eine Möglichkeit geschaffen werden, um von der Grasserstraße kommend über die Landsberger Straße gut in die Holzapfelstraße abzubiegen. Zusätzlich wurde die Tramhaltestelle verbreitert und ein Wartehäuschen errichtet. Dafür musste besagte Spur weichen. Mit dramatischen Folgen für den Autoverkehr weit über den umgebauten Bereich hinaus. Davon ist zumindest CSU-Stadtrat Offman überzeugt. „100 Prozent sicher“, sagt er, „wird das zu einer Staufalle“. Das habe man schon während der Bauphase sehen können. „Und bei jeder Sperrung für Bauarbeiten, wenn eine Spur gesperrt wird.“ Bis nach Pasing, ist er sicher, werde es im Berufsverkehr Probleme geben. Die CSU sei auch für neue Radlwege, betont Offman. „Aber wir wollen nicht den Verkehrsfluss bei den Autos reduzieren. Wir nehmen dann eben Parkplätze weg.“

Die grüne Bezirksausschuss-Chefin Sibylle Stöhr war am Freitag nicht zu erreichen. Aber der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Stadtratsfraktion, Paul Bickelbacher, verteidigte die Entscheidung. „Das war eine sehr problematische Stelle für die Fahrgäste der Straßenbahn“, sagte er. „Und wenn man es umbaut, dann kann man ja auch gleich etwas für die Radler machen.“ Die Kritik aus der CSU versteht er nicht. „Die müssen in Sachen zukunftsfähige Verkehrsplanung offenbar noch dazulernen“, ätzte er. Offman wiederum wirft den Grünen eine unsinnige autofeindliche Verkehrspolitik vor. „Wenn die Autos im Stau stehen, gibt es noch mehr Luftverschmutzung“, sagte er. Ökologisch sei diese Maßnahme auf jeden Fall nicht. Offmann will auch von Reiter wissen, wie hoch die Kosten für den Umbau waren. Auf Anfrage unserer Zeitung machte die Stadt dazu am Freitag keine Angabe.

Bleibt die Frage, ob die Ein-Spur-Lösung wirklich zur Staufalle wird. Grünen-Stadtrat Bickelbacher vertraut da den städtischen Experten. Er glaubt nicht, dass es Probleme gibt. „Die Verwaltung schaut da schon genau hin, ob das tragbar ist“, sagte er. Ob er Recht behält, werden schon die nächsten Tage zeigen. Wenn die Blechlawinen sich im Berufsverkehr durch das neu geschaffene Nadelöhr quälen müssen.

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