ADAC-Büro demoliert

Tonnenschwere Baumaschine kippt auf Münchner Büro: Frau will Kollegen warnen - „Da kommt ein Kran auf uns zu“

Das Bohrgerät begrub einen Kleinbagger unter sich und durchschlug das Dach eines Büros.
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Das Bohrgerät begrub einen Kleinbagger unter sich und durchschlug das Dach eines Büros.

Das hätte auch in einer Katastrophe enden können: Am Dienstag (23. Juni) krachte in München eine tonnenschwere Bohrmaschine in ein Büro. Der Schreibtisch ein Trümmerfeld.

  • In München ist es am Dienstagnachmittag (23. Juni) zu einem schweren Unfall auf einer Baustelle gekommen.
  • Ein Baukran war umgekippt und in ein ADAC-Bürogebäude gekracht.
  • Dabei durchbrach er die Glaswände des Büros und knallte auf zwei Schreibtische.
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Kran kracht in München in ADAC-Büro: Gott sei Dank war Home-Office!

Update 24. Juni, 19.12 Uhr: Das Bild lässt einem das Blut in den Adern gefrieren: Der Schreibtisch ist ein Trümmerfeld. Durch die Decke des Büros des ADAC Südbayern an der Ridlerstraße 35 (Westend) ragt der Arm einer 140 Tonnen schweren Pfahlbohrmaschine. Hätte die Mitarbeiterin des Beschwerde-Managements hier – wie regelmäßig vor Conora – am Dienstagnachmittag gesessen, sie hätte das Unglück auf der benachbarten Baustelle des Immobilienentwicklers „ehret+klein“ womöglich nicht überlebt. So aber war sie im Home-Office. Und wird die Bilder der Verwüstung nicht so schnell aus dem Kopf kriegen…

Ähnlich geht es Marion Stark (Name geändert) vom ADAC, die zum Zeitpunkt des Unglücks im zweiten Stock, direkt oberhalb der Einschlagstelle, am Fenster steht. Sie ruft ihren mit dem Rücken zum Fenster stehenden Kollegen noch zu: „Da kommt ein Kran auf uns zu!“ Sekunden später: ohrenbetäubender Lärm, Staubwolken, Panik. Der Bohrkran ist in die vorgelagerten Büros im Erdgeschoss des ADAC-Gebäudes gekracht.

Hier sitzt normalerweise eine ADAC-Mitarbeiterin. Wegen Corona war sie im Home-Office.

Baustellen-Drama im Westend: „Wir hatten mehrere Schutzengel!“

Am Tag danach herrscht in erster Linie Erleichterung. Stefan Dorner, Kommunikationsleiter des ADAC Südbayern, fasst zusammen: „Wir hatten mehrere Schutzengel!“ Alle fünf betroffenen Räume seien leer gewesen. Der Mitarbeiter, der im Büro neben dem vollkommen zerstörten Raum arbeitet, hatte zehn Minuten vor dem Unglück Feierabend gemacht. 

Stefan Dorner, Pressesprecher des ADAC Südbayern.

„Wir sind heilfroh, dass weder bei uns noch bei der Baufirma bis auf den leicht verletzten Maschinenführer Schlimmeres passiert ist.“ Noch in der Nacht habe das Technische Hilfswerk die Tiefgarage abgestützt, sodass keine Einsturzgefahr mehr bestehe. Während die Polizei von einem Schaden von „mehreren hunderttausend Euro“ spricht, will Dorner noch keine Einschätzung abgeben. Das gehe erst, wenn Gutachter und Statiker ihre Arbeit abschließen, frühestens am Freitag. Die Baumaschine kann voraussichtlich erst nächste Woche geborgen werden. Der Aufwand ist hoch: Entweder stellt ein Spezialgerät den Bohrkran auf – oder er muss liegend in Einzelteile zerlegt werden. 

140-Tonnen-Gerät kracht in ADAC-Büro

Die große Frage ist: Wie konnte es zu dem Unfall auf der Baustelle an der Ridlerstraße 27 kommen, auf der bis 2022 der 14-stöckige Bürokomplex Heimeran enstehen soll? 

Die Polizei gibt am Mittwoch erste Ermittlungsergebnisse heraus. Der 25 Meter hohe Bohrer sei beim Entleeren des Bohrkerns ins Kippen geraten. Weitere Ermittlungen seien aber nötig. Der Bohrkranführer (55) liegt im Krankenhaus, hat aber keine schweren Verletzungen davongetragen. 

Die Immobilienfirma „ehret+klein“ teilt mit, in engem Kontakt mit der Baufirma PST Spezialtiefbau Süd und Gutachern zu stehen. „Diesen Unfall bedauern wir sehr“, sagt Michael Ehret, geschäftsführender Gesellschafter. „Wir sind aber auch sehr erleichtert, dass niemand ernsthaft verletzt wurde.“ Den Bauzeitplan werde „der Zwischenfall nicht nennenswert beinträchtigen“. 

Beim ADAC bleibt der betroffene Bürotrakt gesperrt. Die Geschäftsstelle ist wieder offen. Um die Augenzeugen und die Betroffenen kümmere man sich, sagt Dorner. „Sie haben nur einen großen Schreck zu verdauen.“ Die Regulierung des Schadens sei dann Aufgabe der Versicherung.

München: Tonnenschwere Baumaschine stürzt plötzlich um - Fast-Katastrophe beschäftigt jetzt auch die Polizei

Update 24. Juni, 11.33 Uhr: Auch die Polizei hat sich in ihrem heutigen Pressebericht dem Unfall im Westend gewidmet. Der Bohrer sei vor dem Unfall von einem 55-Jährigen mit Wohnsitz im Landkreis Altenburger Land bedient worden: „Beim Entleeren des Bohrkerns kam der 25 Meter hohe Bohrer nach den ersten Ermittlungen ins Kippen und stürzte um“. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.

Im Einsatz waren neben der Polizei ein Großaufgebot der Münchner Feuerwehr sowie des Technischen Hilfswerkes, welches das beschädigte Gebäude sicherte. Das Gebäude ist nicht einsturzgefährdet. Das Kommissariat 13 übernahm vor Ort die weiteren Ermittlungen. Die Ursache für den Unfall ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.

mm/tz

Update 24. Juni, 6.10 Uhr: Gott sei Dank saß niemand mehr auf den betreffenden Plätzen: Es war gegen 17 Uhr, als ein ohrenbetäubendes Krachen die im Gebäude anwesenden ADAC-Mitarbeiter aufschreckte: Der 30 Meter hohe Ausleger der 140 Tonnen schweren Baumaschine hatte einen Kleinbagger unter sich begraben, das Dach der Büros durchschlagen – und die glücklicherweise nicht mehr besetzten Büros des ADAC-Beschwerdemanagements demoliert. 

Was das schwere Bohrgerät umkippen ließ, war bis Dienstagabend nicht zu erfahren. Die Klärung liegt nun in den Händen eines Gutachters und der Kriminalpolizei. Womöglich geriet das auf Raupenketten fahrende Gerät aus dem Gleichgewicht, als der Maschinist es nach einer fertigen Bohrung zum nächsten Bohrplatz manövrieren wollte. 

München: Neue Details zur Fast-Katastrophe: Tonnenschwere Baumaschine kippt um und verwüstet ADAC-Büro

Sicher ist nur: Für den neuen 14-geschossigen Büroturm, der bis Ende 2022 fertiggestellt werden soll, musste die alte Tiefgarage abgetragen werden. Die Bauleitung der Immobilienfirma Ehret und Klein war am Dienstag nicht zu erreichen. 

„Wir haben sofort das komplette Gebäude evakuiert“, sagte Stefan Dorner, Kommunikationsleiter des ADAC Südbayern, am Abend der tz. „Zunächst muss die Statik unseres Gebäudes überprüft werden, um einen Deckensturz im Bereich der Anlieferzone und der Expedition zu verhindern“, erklärte Dorner. Wann der Bohrkran geborgen werden kann, ist zurzeit noch unklar. Sachverständige gehen davon aus, dass dies bis Donnerstag erfolgt ist. 

„Das Wichtigste ist, dass wir alle mit dem Schrecken und ohne Personenschäden davongekommen sind“, so Dorner. Die vom Einschlag nicht betroffenen Büroteile können ab heute wieder genutzt werden. Auch die ADAC-Geschäftsstelle und Reisebüro sowie das ADAC-Prüfzentrum sind geöffnet.

Tina Layes

München: Bohrgerät umgekippt - Großeinsatz am Heimeranplatz

Erstmeldung (23. Juni, 21.30 Uhr):

München - Am späten Dienstagnachmittag (23. Juni) ist es in München* zu einem schweren Unfall auf einer Baustelle gekommen. In unmittelbarer Nähe zum Heimeranplatz an der Schwanthalerhöhe kippte ein Bohrgerät um.

Wie die Polizei auf Anfrage von tz.de bestätigte, ist am Dienstagnachmittag ein etwa 30 Meter hohes Bohrgerät umgekippt. Dabei krachte das Baugerät in ein anliegendes Gebäude, in dem Büros des ADAC untergebracht sind. 

Es hätte zu einem Drama kommen können: Das Gerät krachte auf zwei Schreibtische der Büros - glücklicherweise waren die Angestellten kurz davor in den Feierabend gegangen und nicht mehr am Platz. Vorsorglich wurde das gesamte Büro umgehend geräumt.

Der abgestürzte Kran.

München: Bohrgerät kippt um - Büro-Mitarbeiter entkommen Drama

Wie die Polizei weiter berichtet, war die Bergmannstraße wegen des größeren Einsatzes gesperrt - der Verkehr wurde umgeleitet. Demnach erlitt der Maschinenführer leichte Verletzungen. Von der Feuerwehr mussten zunächst große Mengen auslaufendes Hydrauliköl gesichert werden. 

Im Laufe des Abends werden durch das THW einsturzgefährdete Bereiche abgestützt. Wie es zu dem Sturz des Krans gekommen ist, ist aktuell noch unklar.

In den USA gab es einen ähnlichen Kranunfall. Dabei wurde zum Glück niemand verletzt, aber ein Haus in zwei Hälften zerteilt.

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In München ereignete sich am Nordufer des Flauchers eine erschreckende Tat*. Ein Mann belästigte mehrere Personen am helllichten Tage - die Polizei konnte den Mann festnehmen.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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