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Mitten in der Stadt: Sparen statt Autofahren – Kirche vermietet günstig an Münchner, die lieber radeln

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Die Erzdiözese reißt das Gebäude an der ­Ligsalzstraße 25 ab. Bodmer
Die Erzdiözese reißt das Gebäude an der ­Ligsalzstraße 25 ab. © Bodmer

Günstig wohnen – unter einer Bedingung: Man verpflichtet sich schriftlich für ein aktives Leben ohne Auto: Dieses Konzept plant die katholische Kirche für ein neues Haus im Westend.

Die Erzdiözese, die als Bauherrin auftritt, hat jüngst die Genehmigung für den Abriss des Gebäudes an der Ligsalzstraße 25. Im Vorfeld hatte es viel Wirbel um das Haus gegeben: Lokalpolitiker forderten eine Sanierung statt eines Abrisses. Wie die Erzdiözese mitteilte, sei das Gebäude aus 1889 baufällig – eine Sanierung aufgrund des desolaten baulichen Zustands nicht wirtschaftlich. Der Abriss soll nun im Sommer 2023 beginnen, so eine Sprecherin.

Wohnungen sollen über das geförderte München Modell vermietet werden

Der Plan für die Zukunft: Es entstehen elf Wohnungen und ein Laden. Vermietet werden die Wohnungen über das geförderte München Modell. Dieses städtische Programm soll bezahlbare Mieten sichern. Stand Sommer 2021 lag die Kaltmiete für erstmals geförderte Wohnungen bei 11,50 Euro je Quadratmeter.

Dieses Spar-Modell hat aber seinen Preis: Die Bewohner müssen sich für ein Leben ohne Auto entscheiden – und zwar per schriftlicher Absichtserklärung. Im Gegenzug können sie zum Beispiel kostenlos Elektrobikes und Lastenräder nutzen. „In verdichteten urbanen Räumen mit sehr guter ÖPNV-Anbindung halten wir das Leben ohne Auto für machbar“, sagte die Sprecherin der Diözese. Es seien ein Auto-Stellplatz für mobilitätseingeschränkte Menschen und einer für Carsharing vorgesehen.

München: Bewohner müssen sich für ein Leben ohne Auto entscheiden

Bernd Vilsmaier vom Netzwerk Wohnen und Mobilität des Verkehrsclubs Deutschland betont, es gebe Vorgaben für Stellplätze. Es gelte der Grundsatz: eine Wohnung, ein Stellplatz. Mit Mobilitätskonzepten könne man den Stellplatzschlüssel aber senken.

„Grundsätzlich ist das ein emotionales Thema“, sagt der Experte. Wenn man das Auto wegnehme, müsse man dafür sorgen, dass die Leute trotzdem „schnell, bequem und sicher von A nach B kommen.“ Mobil sein, das beginne bei der Haustür: Man müsse Fortbewegung und Wohnen als Einheit denken.

Berücksichtigt werden soll das nicht nur beim neuen Kirchen-Projekt, sondern auch anderswo. Vilsmaier verweist auf die Eggarten-Siedlung im Norden der Stadt – „das erste größere Wohnquartier ganz ohne Tiefgarage“. Oder in Ramersdorf: Im Juli 2020 eröffnete dort die erste Mobilitätsstation der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG. Hier haben Mieter die Möglichkeit, Alternativen zum Auto kostenfrei zu nutzen. Leoni Billina

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