Erfolgreiche Klage

Triumph über die Tisch-Abzocker - Ochsenbraterei gewinnt gegen Internet-Portal

Antje Schneider im Dirndl.
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Antje Schneider, Chefin der Ochsenbraterei: Sie siegte vor Gericht.

Erfolg für die Ochsenbraterei: Das Landgericht München I hat am Freitag einer Agentur verboten, Tischreservierungen des Oktoberfest-Festzelts im Internet anzubieten.

München - „Wir freuen uns, dass das Gericht unserer Argumentation gefolgt ist“, sagt Maria Pinzger, Sprecherin der Haberl Gastronomie, die neben der Ochsenbraterei in München* mehrere Restaurants betreibt. Bei der Ochsenbraterei hätte ein Tisch für zehn Personen bei Wiesn 2020 (die dann wegen Corona* abgesagt wurde) wegen des Mindestverzehrs maximal 400 Euro gekostet - das Angebot der Eventagentur lag zwischen 1990 Euro und 3299 Euro. Die Agentur betreibt die Internetseite tischreservierung-oktoberfest.de.

Gericht: Angebot des Portals ist „irreführend“

Die auf Wettbewerbsangelegenheiten spezialisierte Kammer wertete das Angebot des Portals als „irreführend“, weil es gar keinen rechtswirksamen Anspruch auf eine Reservierung gab. Denn die Bierzeltbetreiber verbieten den Verkauf der Reservierungen an kommerzielle Anbieter in ihren Geschäftsbedingungen. Dieses Verbot sei wirksam. Die Ochsenbraterei hätte demnach solche im Internet für viel Geld gekauften Reservierungen gar nicht akzeptieren müssen.

München: Urteil könnte Präzedenzwirkung haben

Dagegen hatte die Eventagentur mit Hinweis auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 2008 zum Ticketanbieter Bundesligakarten.de argumentiert, dass es sich bei den Reservierungen um ein „verkehrsfähiges Wirtschaftsgut“ handle und damit der Wiederverkauf nicht verboten werden dürfe. Das Gericht nannte die Reservierungen nicht vergleichbar mit Fußballtickets.
Zudem hatte das LG München I inzwischen in zwei weiteren Urteilen (eines ist bereits rechtskräftig) festgestellt, dass auch der Handel mit personalisierten Eintrittskarten zu Bundesliga-spielen unterbunden werden könne.

Damals hatte der FC Bayern geklagt. So gesehen sei das Urteil kein Präzedenzfall für den Ticketzweitmarkt. „Dazu gibt es schon eine Entscheidung“, sagt Anne-Kristin Fricke, Sprecherin am LG München. „Man kann aber schon sagen, dass es eine gewisse Präzedenzwirkung für ähnliche Fälle schaffen könnte.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Agentur kann Berufung einlegen. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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