Sorgen wegen Szene-Kneipe in der Nähe

Stadt will statt Parkplätzen Treffpunkte schaffen: Anwohner fürchten Party-Buchten

+
Ecke des Anstoßes: An der Einfahrt der Park- in die Schwanthalerstraße werden Parkplätze umgewandelt. 

„Irgendwann reicht es allen!“, ruft eine Anwohnerin erbost in den Sitzungssaal des Bezirksausschusses (BA) Schwanthalerhöhe. „Wir haben eine so große Belastung an dieser Stelle.“

Mit dieser Stelle meint sie die Ecke Schwanthaler- und Parkstraße. Sie und eine Gruppe weiterer Nachbarn sind gekommen, um ihrem Ärger über die geplante vorübergehende Möblierung von Parkplätzen Luft zu machen.

Blumenkästen, Fahrradständer oder Sitzbänke

In der letzten BA-Sitzung wurde bekannt, dass die Straßenkreuzung im Sommer verändert werden soll, saisonale Umnutzung heißt das im Behördendeutsch. Acht Parkplätze an der Kreuzung sollen wegfallen und stattdessen Blumenkästen, Fahrradständer oder Sitzbänke aufgestellt werden. Die Idee stammt aus Stockholm und soll den Aufenthalt im öffentlichen Raum angenehmer gestalten. Auf der Schwanthalerhöhe werden die sogenannten Parklets getestet – klappt alles, könnte das Projekt in den kommenden Jahren auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden.

„Wir finden die Idee mit dieser Umnutzung toll“, sagen auch die Nachbarn. „Aber die Stelle ist falsch gewählt.“ Die Befürchtungen der Anwohner sind nachvollziehbar: Seit an derselben Stelle die Szene-Kneipe „Schwarzer Dackel“ eröffnet hat, klagen sie über Lärmbelästigung – teils bis spät in die Nacht. Hinzu kommt eine Studentenverbindung nur ein paar Häuser weiter und der „King Butt“. Die Mischung aus Gaststätte und Lebensmittelladen hat laut Website folgendes Konzept: „Wir sind bis in die späten Abendstunden für Sie da, um Sie mit allem zu versorgen, das Sie brauchen.“ Eine Art Party-Späti auf der Schwanthalerhöhe. Deshalb befürchten die Anwohner, die neuen Parklets würden dem Partyvolk nun auch noch eine angenehme Atmosphäre und Sitzgelegenheiten bieten.

Lesen Sie auch: Begeisterter Gitarrenspieler erhält Nachricht von Nachbarn - die hat sich gewaschen 

Der Plan, Parklets in München einzurichten, stammt aus dem Jahr 2017. Die Stadträte Gerhard Mayer und Ulrike Boesser schlugen damals die Kreuzung Schwanthalerstraße/Parkstraße vor. Das war allerdings vor Eröffnung des „Schwarzen Dackels“. Jetzt sei die Situation eine andere, so der BA.

Dass die Bürger von den geplanten Parklets aus der Zeitung erfahren mussten, ist ein zusätzliches Ärgernis. „Das lief alles sehr kurzfristig“, gesteht die BA-Vorsitzende Sibylle Stöhr (Grüne) ein. „Aber wir versuchen jetzt alle Beteiligten mit einzubinden.“ Dazu findet am heutigen Donnerstag um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Gaststätte „Bürgerheim“ statt. Dann sollen Bedenken angehört und Vorschläge eingebracht werden. Eine endgültige Entscheidung über die Pläne wird der Stadtrat im Laufe des Juni treffen.

VINCENT SUPPÉ

Auch interessant: Bewohner beschweren sich über Baulärm - die Antwort des Bauunternehmens hat sich gewaschen

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Trotz Verbots! Georg D. schleicht sich 130 Mal in die Uni – seine Rechtfertigung ist überraschend 
Trotz Verbots! Georg D. schleicht sich 130 Mal in die Uni – seine Rechtfertigung ist überraschend 
Stammstrecke am Wochenende erneut gesperrt: Fahrgäste müssen Geduld mitbringen
Stammstrecke am Wochenende erneut gesperrt: Fahrgäste müssen Geduld mitbringen
Polizei verhaftet Hertha-Fan - am Viktualienmarkt hatte er sich tierisch daneben benommen
Polizei verhaftet Hertha-Fan - am Viktualienmarkt hatte er sich tierisch daneben benommen

Kommentare