Wiesn-Fans verabreden sich

Oktoberfest-"Anstich" am Samstag: Entscheidung nun gefallen - Stadt greift durch

Mann mit Bier: Um das nächtliche Alkoholverbot in München hat sich eine Hängepartie entwickelt
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Um das nächtliche Alkoholverbot in München hat sich eine Hängepartie entwickelt.

Wiesn-Fans trifft das Oktoberfest-Aus wegen der Corona-Pandemie hart. Am Samstag (19. September) wäre es auf der Theresienwiese in München losgegangen. Die Stadt fürchtet jetzt „Anstich“-Partys.

  • Auf das Oktoberfest 2020 müssen Münchner und viele Gäste aus aller Welt verzichten.
  • „Ozapft is! Auf eine friedliche Wiesn!“ - der Anstich der 187. Wiesn fällt am 19. September 2020 in München* wegen Corona* aus.
  • Wiesn-Fans haben sich trotzdem wohl schon auf der Theresienwiese verabredet. Das passt der Stadt München überhaupt nicht. Die WirtshausWiesn soll trotzdem stattfinden.

Update vom 17. September, 16.18 Uhr: Nachdem die Zahl der Neu-Infektionen in München zuletzt rasant gestiegen war, hat die Stadt nun ein Alkohol-Verbot auf der Theresienwiese von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr Sonntagfrüh verhängt. So will die Stadt Ersatz-Partys zum abgesagten Wiesn-Start verhindern.

Erstmeldung vom 14. September 2020

München - Um 12 Uhr hätte OB Dieter Reiter (SPD) an diesem Samstag mutmaßlich mit zwei Schlägen und den Worten „Ozapft is! Auf eine friedliche Wiesn!“ das 187. Oktoberfest eröffnet. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ist alles anders. Die Wiesn ist abgesagt. Und die Stadt prüft nun sogar ein Alkohol-Verbot für das Oktoberfest-Gelände für den ganzen kommenden Samstag.

München fürchtet Oktoberfest-Partys auf der Theresienwiese

„Wiesn-Fans wissen, dass das Oktoberfest normalerweise am 19. September starten würde, und viele haben sich schon in diversen Social-Media-Gruppen dort zum Feiern verabredet“, sagte Reiter am Montag. „Es hat sich immer wieder gezeigt, dass Abstände gerade unter Alkoholeinfluss nicht mehr eingehalten werden. Ich will vermeiden, dass die Wiesn-Partys dort zum neuen Corona-Hotspot werden, zum Schutz aller Münchner.“ Dem Vernehmen nach war am Montag zudem über eine Umzäunung des Geländes sowie ein Betretungsverbot debattiert worden. Nun arbeitet die Verwaltung an einer Allgemeinverfügung, die ähnlich gestaltet sein dürfte, wie jene, die bereits das Feiern an den Hotspots wie dem Gärtnerplatz* verbietet.

Auch diese partikulären Alkoholverbote sollen am Wochenende erneut verhängt werden. Der Verkauf von alkoholischen Getränken zum Mitnehmen ist dann ab 21 Uhr verboten, der Verzehr ab 23 Uhr. Auf der Wiesn soll es um ein ganztägiges Verbot gehen. Maßgeblich für die Einschränkungen ist der 7-Tage-Inzidenz-Wert. Sobald dieser die Marke 35 überschreitet, greifen die Verfügungen der Stadt. Passiert der Wert die Marke 50, drohen weitere Beschränkungen.

Alkoholverbot auf der Theresienwiese geht CSU nicht weit genug

SPD-Vize Christian Vorländer sagte auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir halten das Verbot unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes für eine sinnvolle und notwendige Maßnahme, gerade weil schon viele in den sozialen Medien dabei sind, sich für diesen Tag zahlreich zu verabreden.“

Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) sagte: „Das ist nicht mein oder unser Herzenswunsch. Alkoholverbote sehen wir nach wie vor kritisch. Aber wir gehen da mit. Grund ist das Infektionsgeschehen und die steigenden Zahlen. Aber nur für das erste Wochenende.“

Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner warb am Montag für die Wirtshauswiesn – man müsse nicht auf der tristen Fläche unterhalb der Bavaria feiern. „Die Wiesn ist schön, aber leer. Viel schöner ist es dieses Jahr auf der Wirtshauswiesn. Die teilnehmenden Wirte leisten Gastfreundschaft mit Gefühl, Stimmung und Atmosphäre auf höchstem Niveau. Sie freuen sich auf den Besuch der Münchner.“

Der CSU geht das Alkohol-Verbot nicht weit genug. Die Fraktion hat sich am Montagnachmittag für ein ganztägiges Betretungsverbot für die Wiesn ausgesprochen. CSU-Chef Manuel Pretzl: „Die Wiesn wurde abgesagt, und das aus gutem Grund – so schade auch ich persönlich das finde. Aber in diesem Jahr geht die Gesundheit einfach vor.“ Ein Alkohol-Verbot greife nicht weit genug und sei außerdem schwer kontrollierbar. „Es wird der Tradition der Wiesn nicht gerecht, wenn der eigentliche Anstich-Samstag zu einer halbscharigen Privatparty wird – egal ob mit oder ohne Alkohol.“

Vergangenes Jahr - 2019 - war jedenfalls vor dem Anstich in der Festhalle Schottenhamel alles für eine schöne und friedliche Wiesen bereit.

Statt Oktoberfest gibt es eine Alternative zum Feiern: Die Wirtshaus-Wiesn*. Anstelle des geplatzten Oktoberfeststarts am 19. September wollen Gaststätten in der Innenstadt und Wirte eine Mini-Version starten, mit Wiesnbier, Brezen, Hendl und Haxn. Ein großer Fehler, wie tz.de-Autor Andreas Knobloch meint. Die Schausteller-Hilfe in München geht in die nächste Runde: Auf dem Werksviertel stehen nun auch Fahrgeschäfte und Fressbuden, die einen Hauch Oktoberfest an den Ostbahnhof* bringen.

Eine Polizei-Kontrolle am Party-Hotspot am Gärtnerplatz in München* ist in der Nacht von Freitag auf Samstag (5. September) völlig aus dem Ruder gelaufen. Die jüngste Pandemie-Entwicklung in München bereitet der Stadtverwaltung große Sorge. Ein wichtiger Grenzwert droht überschritten zu werden. Ein neues Konzept wird benötigt. Alle Nachrichten aus München lesen Sie immer bei uns. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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