Nach Schließung

XXXL-Ärger: 100 Beschäftigte bei Prozess-Auftakt 

+
XXXL nennt sich das Möbelhaus auf der Theresienhöhe – XXXL ist auch der Ärger der Beschäftigten, seit sie vor die Tür gesetzt wurden.

München - Die überraschende Schließung des Möbelhauses XXXLutz auf der Theresienhöhe sorgt weiter für Ärger. Die Mitarbeiter hatten den ersten Prozesstermin vor Gericht.

Vor zwei Monaten wurden sie vor die Tür gesetzt – und ihr Ärger ist immer noch XXXL-groß! Rund 100 Beschäftigte des österreichischen Möbelhauses auf der Theresienhöhe sind zum Arbeitsgericht gekommen: zum ersten Prozesstermin nach dem Aus von XXXLutz.

Immer wieder murren die Kollegen. Einmal brechen sie in höhnisches Gelächter aus, als es um den Sozialplan geht. Richterin Astrid Czaja muss sie ermahnen, zeigt aber Verständnis: Man könne das alles „mit großer Verwunderung zur Kenntnis nehmen“. XXXLutz hatte das Haus am 5. Oktober plötzlich dichtgemacht und den 160 Mitarbeitern laut Verdi den Zutritt verweigert. Seitdem gab es nur noch einen Abverkauf mit anderem Personal, der am Wochenende endete.

Vor Gericht geht es formal um eine kleine Frage – für die Mitarbeiter ums große Ganze: Die Richterin setzt eine Einigungsstelle ein, die über einen Sozialplan verhandelt. Doch XXXLutz werde nach Darstellung des Betriebsratsanwalts gar nicht mit am Tisch sitzen, sondern nur eine „leere Gesellschaftshülle“, bei der das Personal angestellt sei und die gar kein Geld für einen Sozialplan habe. Selbst die Richterin blickte nicht auf Anhieb durch: „Klingt äußerst kompliziert.“ Die Frage müsse aber in einem eigenen Verfahren geklärt werden. XXXLutz entgegnet auf Anfrage der tz  nur, dass man „alle finanziellen Verpflichtungen erfüllen“ werde.

Offen ist auch, was mit dem Gelände passiert: Der neue Eigentümer des Ladens plant ein Einkaufszentrum mit kleinen Filialen. Der Rest des Areals gehört der Bayerischen Hausbau, die groß sanieren und ein Nahversorgungszentrum etwa mit Apotheke und Drogerie einrichten will. Die Zukunft war am Mittwoch auch Thema im Bezirksausschuss. Der fordert auf Antrag der SPD, dass statt eines möglichen Hotels über dem Hacker-Pschorr-Bräuhaus lieber Wohnungen entstehen sollen.

Das sagen die Mitarbeiter

Die Not der Azubis

XXXLutz sucht seit Oktober 700 Azubis für ganz Deutschland. Wir hatten 14, vier davon im dritten Lehrjahr. Alle mussten sich auf dem Arbeitsmarkt bewerben, weil Lutz keine Stelle für sie hat! Das ist eine Schweinerei hoch drei und zeigt die Unmoral allen Mitarbeitern gegenüber.

Anna Reichert (60), Betriebsratsvorsitzende

Uns sind die Hände gebunden

Ich war krank und habe von der Schließung nachträglich erfahren. Jetzt sind wir mit Händen und Füßen gebunden, weil wir freigestellt sind und deswegen nichts anderes arbeiten dürfen. Ich muss mich bewerben, bin aber zuversichtlich.

Tuba Kulakci (28), Küchenverkäuferin

Wo ist das Geld?

Das ist eine große Schweinerei: Ich wurde mit einem Kollegen am 5. Oktober um 16.30 Uhr zur Geschäftsleitung gerufen. Da wurde uns mitgeteilt, dass unser Haus um 18 Uhr für immer geschlossen wird! Wo ist denn jetzt das Geld, das all die Jahre geflossen ist?

Monika Fackler (62), Betriebsrätin und Telefonistin

David Costanzo

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare