Zweite Streik-Woche

Post-Mitarbeiter: Wir sind ausgeliefert

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Demonstrierten an der Arnulfstraße: Jassem D., Margit U., Fritz Kerscher, Andreas S., Peter Horn, Jutta K.

München - Rund 100 Mitarbeiter der Post haben am Montag beim Briefzentrum an der Arnulfstraße demonstriert. Sie fühlen sich ausgeliefert.

Die zweite Woche im Post-Streik ist angebrochen - und seit gestern sind auch die Postboten in der Innenstadt im Ausstand! Am Briefzentrum in der Arnulfstraße gingen am Vormittag rund hundert Mitarbeiter auf die Straße. Sie demonstrierten vor allem gegen die 49 neugegründeten Regionalgesellschaften, in denen Paketzusteller schlechter bezahlt werden.

Mittlerweile streiken in München rund 650 Post-Mitarbeiter. Der Eindruck der Demonstranten: „Wir sind ausgeliefert! Es wird bei uns gespart - um das Geld großzügig an die Aktionäre zu verschenken.“ Genau diese Szene stellten sie für die tz nach (siehe Foto; v.l.):

"Wir arbeiten ganz schön hart - meistens über 40 Stunden, obwohl wir nur 38,5 im Vertrag stehen haben. Von Unternehmensseite heißt es immer, sie sind so zufrieden mit uns. Und dann gründen sie eine Tochterfirma mit Billiglöhnen. Das passt doch einfach nicht zusammen!"

Jassem D. (38), Paketzusteller

"Seit 24 Jahren bin ich jetzt Briefträgerin bei der Post. Mir geht es vor allem um den Nachwuchs - der soll nicht verschlissen werden. Die Jungen brauchen fast noch einen Nebenjob zur Arbeit bei der Post. Das kann doch nicht sein. Wir arbeiten doch oft eh schon neun oder zehn Stunden pro Tag."

Margit U. (49), Zustellerin

"Wir befürchten, dass die Ausgliederung in Tochtergesellschaften nicht nur auf die Paketzusteller beschränkt bleibt. Das wird noch auf andere Bereiche übergreifen. Der Vorstandsvorsitzende Frank Appel predigt Wasser und trinkt Wein. Er erhöht seinen eigenen Salär um 22 Prozent - und kürzt zeitgleich bei den Beschäftigen."

Fritz Kerscher (55), Betriebsrat

"Eins möchte ich klarstellen: Ich bin heute nur verkleidet als Post-Chef Appel. Wir streiken, weil wir uns gegen die Umwandlung in Regionalgesellschaften wehren müssen. In den vergangenen Jahren gab es genügend Beispiele, dass es dabei nicht bleiben wird. Die Chefs sollten ihr Wort endlich mal halten."

Andreas S. (55), Zusteller

"Diese Einführung der Regionalgesellschaften war doch ein Signal an die Börse. Anstatt die Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen, soll ihnen immer mehr weggenommen werden. Dagegen wehren wir uns - auch wenn ich für unsere heutige Aktion mal einen raffgierigen Aktionär verkörpern muss."

Peter Horn (63), Betriebsrat

"Auch ich spiele heute eine Aktionärin. Unsere Aktion soll zeigen, wie es bei der Post eigentlich so zugeht. Der Vorstandsvorsitzende Appel zieht den Mitarbeitern das Geld aus der Tasche - und schiebt es den Aktionären zu. Das hat nichts mehr mit Gerechtigkeit zu tun. Das ist unverschämt."

Jutta K. (54), Zustellerin

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