Lärm und Schutt seit einem Jahr

Anwohner-Aufstand gegen Mega-Baustelle

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Die Baustelle an der Schwanthalerhöhe.

Die Bauarbeiten an dem Forum Schwanthalerhöhe in der Schießstättstraße werden zur Belastungsprobe für alle Anwohner. Nun droht sogar die Stadt mit Baustopp. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen.

München - Frühmorgens in der Schießstättstraße: Ein Lkw lässt mehrere Tonnen Schutt in einen Container krachen, während riesige Bagger auf dem Gehweg rangieren. In der Ferne schlägt ein Presslufthammer auf Beton. Was Ihnen womöglich schon beim Lesen in den Ohren brennt, ist für David Blake Walker (52) und seine Nachbarn seit über einem Jahr bittere Realität. Spätestens ab Herbst 2018 sollen Hunderttausende Münchner und Touristen von dem Bau der neuen Shopping-Meile, dem „Forum Schwanthalerhöhe“ an der Theresienwiese, profitieren. Doch nicht alle Bürger jubeln. Vor allem den Anwohnern stinkt das Mammutprojekt gewaltig. „Das Letzte, was wir in unserem Viertel brauchen, ist ein neues Einkaufszentrum“, schimpft Walker. Mit dieser Meinung ist der 52-Jährige nicht alleine. Auch seine Nachbarn beschweren sich über Lärm, Schutt und Parkprobleme – Strapazen, die die Großbaustelle vor ihrer Haustür mit sich bringt...

Das sagen die Verantwortlichen:

Wie das Referat für Stadtplanung und Bauordnung auf Anfrage mitgeteilt hat, hat die Lokalbaukommisson (LBK) bereits auf die Beschwerden der Anwohner reagiert und die jeweiligen Projektleitungen aufgefordert, ihr bis 29. August einen Maßnahmenkatalog zur Behebung der Probleme zukommen zu lassen, „um einen ansonsten drohenden Baustopp zu verhindern“. Kai Steindl (50), Geschäftsführer der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB), berichtet, dass er bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet hat. So seien neben Schallschutzwänden auch etliche Vorhänge installiert worden. „Wir haben das Bauprojekt von Anfang an von einem Ingenieurbüro durch Messungen begleiten lassen. Zwar lagen wir stets innerhalb des Toleranzbereichs von 65 Dezibel, aber natürlich wollen wir die Nerven der Anwohner nicht unnötig strapazieren“, so Steindl. Weil sich der Baulärm wohl „aufgrund der Gebäudesymmetrie verstärkt hat, sollen weitere Maßnahmen folgen“. Das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau, das sich für den Gebäudekomplex an der Schwanthalerstraße verantwortlich zeigt, berichtet, im persönlichen Gespräch mit den Anwohnern „Lösungen gefunden zu haben“.

Forum Schwanthaler Höhe

Genau dort, wo das Möbelhaus XXXLutz seine Filiale hatte, lässt das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau zusammen mit der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) eine neue Shopping-Meile entstehen. Spätestens im Herbst 2018 sollen die ersten Läden öffnen. Die meisten Ladenflächen sind bereits vermietet. Neben bekannten Nahversorgern werden Münchner in der Shopping-Meile auch Elektronik- und Spielwarengeschäfte finden. Kunden sollen die neuen Räume künftig über eine zentrale Ladenstraße von Ost nach West durchqueren und auf kleinen Plätzen rasten können. Die beiden bislang vorhandenen Tiefgaragen werden zusammengelegt. Damit stehen insgesamt 1000 Stellplätze zur Verfügung.

Das sagen die Anwohner: 

Der Lärm macht krank

Therese Hutter verlässt ihre Wohnung, so oft es geht. „Bei dem Lärm wird man ja nervenkrank – und dabei muss man wissen, dass ich mit meinen 73 Jahren schon nicht mehr allzu gut höre“, schimpft Hutter. Das Schlimmste seien die Baufahrzeuge, die den ganzen Tag „in den grässlichsten Tönen piepsen“. „An manchen Tagen fangen die Bauarbeiten sogar schon vor sieben Uhr morgens an“, sagt die Rentnerin. „Feierabend machen die Arbeiter meistens gegen 18 Uhr.“ Das Gepiepse gehe danach aber oft noch weiter.

Wenn’s laut wird, dann drehen wir das Radio auf

Hannes Friedl (48) vom Friseursalon Jasmin Kohlmayer in der Schießstättstraße bewertet das Bauvorhaben nicht ganz so negativ wie seine Nachbarn. „Natürlich ist eine Baustelle niemals angenehm“, sagt er. Im Vergleich zum Bau der neuen Stadtbibliothek nebenan sei die Großbaustelle zumindest lärmtechnisch gesehen aber erträglich. „Wenn’s wirklich mal laut wird, drehen wir einfach das Radio auf“, sagt er. Als weitaus störender empfindet Friedl hingegen, dass die Baufahrzeuge die Parkplätze seiner Kunden blockieren.

Trage Ohrstöpsel gegen den Krach

„Dass eine Baustelle Lärm verursacht, ist mir schon klar“, sagt Silke Probst. Was die 38-Jährige allerdings ärgert, ist, dass die Stadt keinerlei Lärmschutzmaßnahmen ergreife: „Keine Lärmschutzwälle, keine Ruhezeiten, nichts...“ Aufgrund ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Lektorin sei ihre Wohnung zugleich auch ihr Büro. „Eigentlich eine schöne Sache“, meint Probst, „weniger schön wird’s allerdings, wenn man die Fenster trotz tropischer Temperaturen geschlossen halten und noch dazu Ohrstöpsel tragen muss.“

Alle Fenster gut verriegeln – nur das hilft

Seit mehr als vierzig Jahren wohnt Husein Rami (69) mittlerweile in der Schießstättstraße 22. Eigentlich fühlt sich der 69-Jährige in seinem Viertel rundum wohl. Wäre da nicht die Großbaustelle von seiner Haustür. Die Nachmittage draußen an der frischen Luft verbringen kann der Rentner nicht. „Meine Frau hat Probleme mit den Knien und kann die Wohnung deswegen nicht mehr allzu oft verlassen“, erzählt er. Also bleibt auch Rami daheim und verriegelt die Fenster. Damit sperrt der 69-Jährige zwar den Baulärm aus. „Aber leider auch die Sonne.“

Läden gehen kaputt

75 Dezibel hat David Blake Walker (52) in seiner Wohnung gemessen – „bei geschlossenen Fenstern“, erzählt er. Weil er den Geräuschpegel nicht einfach so hinnehmen wollte, hat sich der Architekt mehrfach an die Lokalbaukommission gewandt – „und bis heute keine Rückmeldung bekommen“. „Das Letzte, was wir in unserem Wohngebiet brauchen, ist ein weiteres Einkaufszentrum“, meint Walker. Schließlich würden nicht nur die Anwohner unter der Großbaustelle leiden – „auch die kleinen Läden gehen irgendwann kaputt“.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Westend – mein Viertel“.

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