Er stellte den Handy-Dieb (50)

Messer-Attacke auf diesen mutigen Azubi (16)

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Links: Arlind D. erkannte schnell den Diebstahl und verfolgte den Mann. Rechts: Wiedersehen vor Gericht: Er bedrohte den 16-Jährigen.

München - Der Azubi des Saturn-Marktes an der Schwanthalerhöhe handelte schnell und selbstlos. Als er einen Dieb verfolgte, wurde er mit einem Messer bedroht. Am Ende stellte er jedoch den Flüchtenden.

Er ist seinem Instinkt gefolgt und hat nach einer wilden Verfolgungsjagd zusammen mit einem Polizisten einen Handy-Dieb geschnappt. Dass Arlind D. - im Juli 2014 erst 16 Jahre alt und im ersten Ausbildungsjahr zum Einzelhandelskaufmann - dabei aber auch Kopf und Kragen riskiert hatte, wird ihm erst jetzt bewusst. Denn: der flüchtende Täter, ein 50-jähriger Algerier, bedrohte den Azubi auf offener Straße mit einem Klappmesser. Gestern wurde dem illegalen Einwanderer vor dem Münchner Landgericht der Prozess gemacht. Urteil: drei Jahre Haft! Anschließend muss Kamel B. zurück in seine Heimat.

„Er ist mir schon im Laden aufgefallen“, erinnert sich der mutige Saturn-Mitarbeiter. „Ich habe ihn gefragt, ob ich ihm weiterhelfen kann.“ Doch auf fachmännische Beratung war Kamel B. nicht aus. Vielmehr hatte er ein Smartphone im Visier. „Mein Handy war kaputt und da sah ich, dass eines der Telefone nicht alarmgesichert war.“ Im Handumdrehen verschwand das Gerät in seiner Tasche. Der Alarm wurde trotzdem ausgelöst. Das rief den 16-jährigen Arlind D. auf den Plan, der ohne zu zögern die Verfolgung aufnahm. „Anfangs habe ich ihn aus den Augen verloren. Doch als ich aus dem Laden rannte, stand er plötzlich vor mir“, erzählt der Azubi.

Offensichtlich darüber erschrocken, entlarvt worden zu sein, zückte Kamel B. sein Klappmesser. „Dann hat er damit wild in meine Richtung gefuchtelt. Wenn ich nicht zurückgewichen wäre, hätte er mich am Bauch erwischt“, sagt der unverhoffte Kaufhausdetektiv. „Geh weg“, soll sein Gegenüber gerufen haben. Doch der tollkühne Azubi dachte erst gar nicht daran. Er sagt: „Natürlich hatte ich Angst, er könnte mich abstechen, aber ich war wohl voller Adrenalin.“ Nach etwa 200 Metern wird ein Polizist auf die Verfolgungsjagd in der Schwanthalerstraße aufmerksam und stellt sich dem flüchtenden Kamel B. in den Weg. „Ich wusste sofort, dass es sich um Diebstahl handelte“, sagt der Beamte im Zeugenstand. Ein kurzer Griff - schon war Kamel B. außer Gefecht gesetzt und zu Boden gebracht. Die hinzugerufenen Polizisten nahmen ihn fest.

Auch wenn der mutige Azubi von seinen Chefs eine ordentliche Prämie und von den Kollegen viel Lob zugesprochen bekam, weiß Arlind D.: „Das mache ich in Zukunft nicht mehr. Das hätte schlimm enden können.“

Johannes Heininger

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