tz-Stadtteil-Check

Schwanthalerhöhe: Das pure München

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Ismail Sahin vom multikulturellen Jugendzentrum an der Westendstraße.

München - In einer Serie stellt die tz die Ergebnisse des großen Stadtteil-Checks vor. Diesmal sind wir auf der Schwanthalerhöhe. Dort gab es von den Bürgern die Gesamtnote 2,60.

Wo wohnen die glücklichsten Münchner? Wie beurteilen die Bürger das Angebot für Kultur, Kinder und Senioren? Wie sauber finden sie ihr Viertel – und wie sicher fühlen sie sich dort? Die tz wollte dies und noch viel mehr im größten Stadtteilcheck Münchens wissen. 7000 Leser haben daran teilgenommen und Noten in 23 Kategorien vergeben. Ausgewertet hat sie der Lehrstuhl für Humangeographie und Geoinformatik an der Uni Augsburg. Die Studenten haben ihre Ergebnisse dann auch in den einzelnen Vierteln bei Recherchen und Umfragen in der Praxis überprüft. In einer Serie für alle 25 Stadtviertel stellt die tz jetzt die Ergebnisse vor. Heute sind wir in der Schwanthalerhöhe unterwegs. Dort gab es von den Bürgern die Gesamtnote 2,60.

Das pure München

Das ist einfach die Höhe – nämlich die Schwanthalerhöhe! Das Viertel oberhalb der Theresienwiese ist besser als sein Ruf, wie der Stadtviertel-Check der tz zeigt. Die Gegend, benannt nach dem Bildhauer Ludwig Schwanthaler (Schöpfer der Bavaria), bringt es auf die Gesamtnote 2,6. Im vorderen Drittel der Wertung liegen etwa die Mietkosten – wie es sich für ein klassisches Arbeiterviertel gehört. Es gibt noch viel alte Bausubstanz: Das ist das pure München. Auch Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuung sowie Gastronomie/Kneipen landen in der Bürger-Wertung weit vorn. Weniger gut schaut’s beim Sportangebot (Drittletzter), der Umweltqualität, Haustierfreundlichkeit (Vorletzter) und den Grünflächen (letzter Platz) aus.

Offenheit und entspannte Atmosphäre – das schätzt Heinz Schwedes am Viertel. Der ehemalige Stadtteilführer weiß: Das Leben dort war nicht immer einfach. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders zogen viele Gastarbeiter ins Viertel – unter eigentlich unzumutbaren Bedingungen: Gemeinschaftstoiletten, keine Heizungen, keine Bäder. Bis 1979 war das öffentliche Tröpferlbad oft die einzige Waschmöglichkeit. Dann sanierte die Stadt das Viertel. Seitdem haben sich neue Unternehmen angesiedelt. Geblieben ist aber die Vielfalt der Kulturen. Ismail Sahin (55) leitet das Multikulturelle Jugendzentrum in der Westendstraße. Er sagt: „Das Leben in unserem Viertel ist Integration pur. Wir schaffen das, indem wir den Jugendlichen Verantwortung geben. Allein in unserem Haus gibt es Leute aus 25 unterschiedlichen Kutlturen.“

Marius Schalk

Die Fakten

  • Fläche in Hektar: 209,06
  • Einwohnerzahl: ca. 29 402
  • Anteil der Kinder (unter 15 Jahre): 3528
  • Anteil der Senioren: 3507
  • Gründungsjahr: um 1840
  • Jahr der Eingemeindung nach München: 1877
  • Grünfläche in Hektar: 14,14
  • Anzahl der Krippenplätze: 344
  • Anzahl der Kindergartenplätze: 880
  • Anzahl der Schulen: 4

Eine Familie

Meine Mutter hat einen kleinen Laden, der türkische Spezialitäten verkauft. Ich bin seit drei Jahren hier im Stadtteil Schwanthalerhöhe. Am Anfang musste ich mich etwas eingewöhnen, aber jetzt ist das Viertel für mich wie eine Familie. Hier ist alles international, und auf der Straße wird man von jedem begrüßt.

Sibel Aslan (34), Mitarbeiterin eines Kebab-Restaurants

Mein Stadtteil-Tipp:Das Kilombo in der Gollierstraße. Das ist eine immer gut besuchte kleine Kneipe, in der immer eine tolle Atmosphäre herrscht.

Schön entspannt

Mich hat der Zufall in dieses Viertel verschlagen. Ich habe auch den Rest Münchens kennen gelernt, aber die Schwanthalerhöhe passt am besten zu mir. Hier ist alles relaxed, ich kriege immer einen Platz im Restaurant. Alles ist völlig normal, nichts ist wahnsinnig trendy. Das gefällt mir.

Stefan Daubenschütz (37), Modeverkäufer

Mein Stadtteil-Tipp:Ich gehe gern zum Georg-Freundorfer-Platz und lasse dort die Seele baumeln. Und man kann dort den Skatern bei ihren Tricks zusehen.

Es wird schick

Die Schwanthalerhöhe ist ein klassisches Arbeiterviertel. Migranten leben hier bereits in dritter und vierter Generation. Das hat eine kunterbunte Mischung aller möglichen Gesellschaftsschichten zur Folge. Durch die Aufwertung der Genossenschaftsbauten wird das Stadtbild sehr schick.

Katja Ojala-Kocak, Pädagogin

Mein Stadtteil-Tipp:Hier gibt es viele unterschiedliche Restaurants. Mein Favorit ist das Deniz Kebab House in der Schwanthalerstraße. Da esse ich oft zu Mittag.

Termine

26.12 bis 30.12.2013

Betrieb der Modelleisenbahn (Spur-1-Anlage). Im Verkehrszentrum des Deutschen Museums, Am Bavariapark 5, jeweils 10 bis 12.30 und 13.30 bis 16 Uhr

23.11.2013

Live-Musik mit Demograffics, in der Kongress Bar, Theresienhöhe 15, Beginn 20.30 Uhr.

23.11.2013

Obacht! Boarisch! – Vorsicht! Bayrisch! Lesung mit Musik. Kulturladen Westend, Liegsalzstraße 44, ab 19.30 Uhr.

4.12.2013

Fahrrad-Flick-Kurs für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Im Verkehrszentrum des Deutschen Museums, Am Bavariapark 5, von 14.30 bis 15.30 Uhr.

Die bisherigen Teile:

Untergiesing-Harlaching: Wo der Fußball wohnt

Milbertshofen-Am Hart: Licht und Schatten

Laim: Münchens grüner Garten

Berg am Laim: Das Schlusslicht

Moosach: Die Idylle in der Großstadt

Au-Haidhausen: Das Dorf im Zentrum

Trudering-Riem: Mix aus Stadt und Land

Schwabing-West: Besser ist's nirgends

Pasing-Obermenzing: Tradition trifft Moderne

Ramersdorf-Perlach: Besser als der Ruf

Neuhausen-Nymphenburg: Paradies für Jung & Alt

Bogenhausen: Sauber, sicher, schick

Sendling: Günstig und gemütlich

Ludwigvorstadt-Isarvorstadt: Wo der Luxus wohnt

Aubing-Lochhausen-Langwied: Die Oase der Ruhe

Maxvorstadt: Die Kultur-Hochburg

Untergiesing-Harlaching: Wo der Fußball wohnt

Altstadt-Lehel: Das Herz Münchens

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