Erst rackern, dann ­rocken

Queen-Show im Deutschen Theater: Die tz beim Aufbau

+
Rainer Fränkel (sitzend) führt die tz durch die „Baustelle“ fürs Queen-Musical.

München - "We Will Rock You" wird ab dem 9. September im Deutschen Theater gezeigt. Rainer Fränkel (51) ist Chef-Aufbauer fürs neue Musical. Am Montag führte er die tz über die "Baustelle".

Das Deutsche Theater ist eine Baustelle. Halt, keine Angst: Die Hütte steht, der Wasserschaden ist Schnee von gestern. Aber derzeit wird gewerkelt, was das Zeug hält – schließlich wird am 9. September die jüngste Premiere über die Bühne gehen, We Will Rock You. Und die hat es in sich: eine ziemlich gigantische Produktion, die sich mit dem Schaffen der Kultband Queen rund um den unvergessenen Freddie Mercury beschäftigt. Rainer Fränkel (51) ist Chef-Aufbauer fürs neue Musical. Am Montag führte er die tz über die „Baustelle“.

Matthias Bieber

Erst rackern, dann ­rocken

Man muss es der Crew schon hoch anrechnen, dass wir von der tz – ein Fotograf, ein Schreiber – mitten im Aufbaustress eine Stunde lang herumrumpeln durften, im Weg standen und Löcher in den Bauch fragten. Aber, frei nach Queen, ins Gras gebissen hat keiner, und alle verhielten sich wie Champions. Allen voran der Oberaufbauer Rainer Fränkel , der uns durchs königliche Gewusel führt.

Für Fränkel ist München schon die zehnte Station in zehn Jahren. Bisher hat er die Queen-Show We Will Rock You schon in Stuttgart, Basel, Oslo, Berlin, Stockholm, Wien, Zürich, Köln und Essen auf die Bühnen gestemmt. „München“, sagt er, „ist bisher die kleinste Bühne. Die große Herausforderung ist es immer, die Produktion auf die jeweiligen Verhältnisse maßzuschneidern“.

Kleine Bühne, aber dafür eine tiefe – so kann man zwar die Requisiten, die je nach Szene rein- und rausgefahren werden, nicht an den Bühnenseiten aufbewahren, aber dafür hinten in der Tiefe. Das muss natürlich geprobt werden, mit Darstellern und Bühnenarbeitern.

Rund 50 Leute umfasst sein festes Aufbauteam, dazu kommen örtliche Helfer, sodass in der Hochphase der Vorbereitung schon 70, 80 Personen arbeiten. Schon bei unserem Termin gestern ist es, frei nach Heine, ein großes Hämmern und Bohren.

Immer wieder laufen Arbeiter über die Bühne, transportieren etwa große Rollen. An sie kommen per Klett-Technik Vorhänge aus gehärtetem Kunststoff, die von hinten mit Projektionen – Farben, Filme – versehen werden. „Sie sind so stabil, dass sie nur an den Enden befestigt werden müssen“, erklärt Fränkel. Gleich vier dieser Vorhang-rollen, je 13 Meter lang und 200 Kilo schwer, kommen räumlich versetzt auf die Bretter. Die hinteren drei können in der Höhe versetzt werden.

Die große Videoleinwand hängt bereits, natürlich geschützt. Sie ist 10,40 Meter lang, 2,40 Meter hoch und wiegt allein schon 1,8 Tonnen – „eines von vielen technischen Schmuckstücken“, sagt Fränkel. Mit einem Wert übrigens von etwa 250 000 Euro. Der Wert der gesamten technischen Ausstattung beträgt rund drei Millionen Euro, sagt der Bau-Boss. Für sattes Licht und satten Sound sorgen fünf Toningenieure, sieben Lichttechniker und sechs Setaufbauer.

Übrigens: Wer befürchtet, dass Freddie Mercury auf der Bühne gedoubelt wird, der darf aufatmen: We Will Rock You verhandelt zwar einen Haufen Queen-Songs, aber ein Freddie kommt gar nicht vor. „Der ist auch nicht imitierbar“, sagt Fränkel.

9. September bis 13. Dezember, Tickets von 29 bis 99 Euro erhalten Sie unter Telefon 54 81 81 81.

17 Lkw für 170 Tonnen

Gleich 17 solcher Lkw braucht man für den kompletten Aufbau von We Will Rock You. Jeder Sattelschlepper kann 100 Kubikmeter transportieren und bringt zehn Tonnen Material zum Deutschen Theater. Übrigens: Schon allein das Soundsystem wiegt fünf Tonnen, die Lichtanlage doppelt so viel. Die Show erstrahlt mit rund 70 kopfbewegten Lampen und 160 Profilscheinwerfern.

Der Sound kommt von ganz oben

Die achtköpfige Band thront weit hinten und hoch über der Szenerie hinter einem schwarzen Vorhang, ist für die Besucher unsichtbar – erst am Schluss kann man sie bewundern. Die Band besteht aus zwei Gitarristen, einem Bassisten, drei Keyboardern (einer dirigiert die Jungs), einem Percussionisten und einem Schlagzeuger.

Foto rechts: Tim Rawlings (37) ist einer von fünf Toningenieuren, die für den Sound aus 22 Mittel-Hochtönern, sechs Bässen und 25 Delays sorgen. Oben: So schaut die Schlagzeug-Box aus. Drummer und Percussionist hocken in zwei schalldichten Kämmerlein, sehen aber den Dirigenten und haben Monitore. Ihr Sound kommt per Mikros nach außen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

So will die Stadt das Feiervolk bremsen
So will die Stadt das Feiervolk bremsen
Frau geht mit Mops Boo an besonderen Ort - doch er stirbt qualvoll in ihren Armen
Frau geht mit Mops Boo an besonderen Ort - doch er stirbt qualvoll in ihren Armen
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag

Kommentare