Sein Handy verriet ihn

Westend-Entführung: Gesuchter lebte mit Frau in Asien

Mario S. posiert mit seiner Frau im Internet. Während der Tat trug er Vollbart, noch am selben Abend floh er von der Bergmannstraße in Richtung Flughafen.

München - Der mutmaßliche Westend-Entführer konnte 16 Tage nach der Tat festgenommen werden. Er lebte mit seiner Frau in Asien. Sein Handy hat ihn offenbar verraten.

Endstation Thailand: 16 Tage nach der spektakulären Entführung der Bankers-Frau (46) aus Ottobrunn ist der mutmaßliche Täter festgenommen worden.

Am Freitag klickten im Norden Thailands die Handschellen. Dorthin war Mario S. noch am Abend des Tattages vom Münchner Flughafen aus geflohen. Jetzt sitzt der Mann, ein 52-jähriger Deutscher, in Abschiebehaft. Dem mutmaßlichen Entführer auf die Spur gekommen sind die Münchner Ermittler offenbar mit Hilfe von Handyverbindungsdaten und kriminalistischem Spürsinn.

Mit diesen Fotos suchte die Polizei nach dem Mann.

„Der Tatverdächtige war nicht schlecht, doch wir waren besser“, frohlockte Kriminaloberrat Markus Kraus, der die Ermittlungen leitet. Nachdem sich das Entführungs-Opfer auf dem Lidl-Parkplatz an der Westendstraße von Mario S. hatte losreißen können, hatte sich der 52-Jährige umgehend in eine Wohnung an der nahen Bergmannstraße zurückgezogen. Diese hatte er Anfang Mai als Untermieter bezogen. Offenbar wollte er hier auch die Bankers-Gattin hinbringen und verstecken.

Während die Polizei an jenem Mittwoch, den 10. Juni, fieberhaft nach ihm gefahndet hat, verwischte der Verdächtige in aller Ruhe alle Spuren in der Wohnung. Und er veränderte sein Aussehen. „Er rasierte sich den Bart ab. Das machte eine Identifizierung schwer“, sagt Ermittler Markus Kraus. Deshalb gingen – trotz Öffentlichkeitsfahndung – keine konkreten Hinweise auf den mutmaßlichen Entführer ein.

Noch am Abend machte sich Mario S. auf zum Münchner Flughafen. Sein Handy loggte offenbar in diesem Bereich ein. Am Airport konnte er von einer Überwachungskamera gefilmt werden. Trotz optischer Veränderung machten die Ermittler den Mann unter anderen Passagieren ausfindig. Jetzt hatte die Polizei zumindest einen Hinweis, in welches Land sich der Mann absetzen wollte – Thailand.

Über die Handynummer konnte der bis dahin namenlose, mutmaßliche Täter offenbar ermittelt werden. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 52-jährigen Deutschen, einen gebürtigen Kölner, handelt. Nach tz-Informationen hatte der Mann bis Ende 2012 als Informatiker in München gearbeitet.

Seit 2013 lebt der mutmaßliche Entführer mit seiner jungen Frau in Phrae im Norden Thailands in einem schmucken Einfamilienhaus, das offensichtlich neu gebaut worden war. Doch der 52-Jährigen soll viel Geld verloren haben. Nach tz-Informationen machte er für den Verlust die Stadtsparkasse München verantwortlich. Jedenfalls gab er gegenüber dem Entführungs-Opfer an, das Bankinstitut habe gut 1,5 Millionen Euro seines Vermögens verspekuliert (tz berichtete).

Durch die Entführung der Bankiers-Gattin aus Ottobrunn wollte der Aussteiger sich sein verloren gegangenes Geld wohl wieder zurückholen. Er hatte jedenfalls 2,5 Millionen Euro in einem Erpresserbrief gefordert.

Die Entführung der Manager-Ehefrau war akribisch geplant. So wusste der Entführer offenbar, dass immer mittwochs die Putzfrau kommen würde. Deshalb öffnete zunächst an jenem Morgen der zwölfjährige Sohn der späteren Geisel die Tür. Der Entführer fesselte den Schüler an einen Heizkörper und zwang die Mutter mit gezückter Schusswaffe in deren Polo und fuhr los Richtung Westend. Dort konnte sie entkommen.

JAM

Das Verbrechen spielte im Westend

Am vergangenen Freitag wurde der Tatverdächtige von der thailändischen Polizei offenbar in seinem Haus im Norden des Landes festgenommen. Über die deutsche Botschaft war zuvor von der Münchner Staatsanwaltschaft erwirkt worden, dass dem Mann der Pass entzogen wird. Er hielt sich somit illegal in Thailand auf und wurde sofort von der örtlichen Polizei festgenommen. Der 52-Jährige sitzt nun in Thailand in Abschiebehaft.

Wann der mutmaßliche Entführer nach Deutschland überstellt wird, sei noch unklar, so der Leiter der Münchner Mordkommission, Markus Kraus. Die thailändischen Behörden haben die Festnahme jedoch den Münchner Ermittlern bereits bestätigt.

Wegen Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraubs und versuchter schwerer Erpressung könnten dem mutmaßlichen Entführer fünf bis 15 Jahre Haft drohen.

Vermutlich werden demnächst Zielfahnder der Münchner Polizei nach Thailand reisen und den Tatverdächtigen zurück nach München holen. Kommt es zur Anklage, wird im der Prozess gemacht.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag

Kommentare