Heim fuhr Dirk Jessen sogar mit Ticket

Schwarzfahrer-Prozess nimmt überraschendes Ende

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Dirk Jessen muss 40 Euro zahlen.

München - Dirk Jessen (43) fährt aber ausschließlich schwarz – aus Prinzip! Am Montag wurde der Fall vor dem Landgericht München II verhandelt. Mit einem ungewöhnlichen Ende.

Hand aufs Herz. Sind Sie schon mal schwarz gefahren? Unabsichtlich ist das schon vielen passiert. Dirk Jessen (43) fährt aber ausschließlich schwarz – aus Prinzip! „Das Fahrkarten-System ist unsozial“, sagt der Malermeister. Statt mit Fahrkarte fährt der Münchner mit einem Schild um den Hals: „Ich fahre Schwarz.“ Seiner Meinung nach schützt ihn das vor einer Strafe. Begründung: Er tut es nicht heimlich!

Die Verkehrsbetriebe sehen das anders. Eine Kontrolle im September 2013 endete sogar vor Gericht, weil Jessen nicht zahlte. In erster Instanz wurde er in Starnberg bereits im Juli 2014 zu 400 Euro Geldstrafe (20 Tagessätze) verurteilt. Dagegen legte Dirk Jessen Berufung ein. Am Montag wurde der Fall vor dem Landgericht München II erneut verhandelt. Das Ergebnis: Der Prozess wird eingestellt – gegen eine Zahlung von 40 Euro.

Zum Gerichtstermin war Jessen per Zug angereist. Ohne Fahrkarte, versteht sich – dafür aber mit Verstärkung. Drei Mitstreiter begleiteten ihn, ausgestattet mit Flyern und Plakaten. Am Hauptbahnhof warteten bereits Polizisten. Die Personalien wurden aufgenommen, dann durften die Schwarzfahrer weiterziehen. Vom Bahnhof ging es mit Megaphon und Plakaten in Richtung Landgericht – mit der U-Bahn.

Weil sich im Prozess der damalige Kontrolleur nicht mehr erinnern konnte, ob Jessen ein Schild trug und auch keine Vermerkung im Protokoll zu finden war, schlug die Richterin Montag Nachmittag dann die Einstellung des Prozesses gegen eine Auflage von 40 Euro vor. Jessen solle das Geld spenden. Der notorische Schwarzfahrer war begeistert, die Staatsanwaltschaft stimmte knirschend zu. Die 40 Euro gehen an die Klinikclowns. Seinen Rückweg nach Gilching trat der leidenschaftliche Schwarzfahrer mit einem gültigen Tagesticket an, spendiert und vorfinanziert vom Gericht, weil der Mann bekanntlich kein Geld fürs Bahnfahren hat.

F. Fussek/A. Walser

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