Preisverfall

Schweden-Strom wird teuer für die Stadtwerke

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Windige Investition: Der Windpark in Sidensjö hat sich zum finanziellen Sorgenkind entwickelt.

Die Münchner Stadtwerke müssen für Windpark in Sidensjö 72 Millionen Euro nachschießen. 

München - Der Strompreis rauscht angesichts gigantischer Kohlestrom-Überkapazitäten in den Keller. Und das spüren auch die Stadtwerke München (SWM). Das Unternehmen muss seiner Tochterfirma in Schweden 72 Millionen Euro zuschießen. Dem Windpark-Betreiber drohte die Zahlungsunfähigkeit. „Es gibt einen vorübergehenden Liquiditätsengpass“, räumt Sprecherin Bettina Hess ein.

Sorgenkind ist die Anlage im schwedischen Sidensjö. 2015 hatten die Stadtwerke den Park eingeweiht. Ein Leuchtturmprojekt. Mit 48 Windrädern wollte das städtische Unternehmen rund 400 Millionen Kilowattstunden Ökostrom erzeugen. Das entspricht laut SWM dem Jahresverbrauch von 160 000 Münchner Haushalten.

Dass auch die Stadt-Tochter sukzessive auf erneuerbare Energien umsteigen muss, liegt auf der Hand. Die Erlöse aus dem konventionellen Geschäft gehen wie bei anderen Versorgern seit Jahren zurück: Das Strom-Überangebot im Markt und die billigen CO2-Zertifikate machen die herkömmlichen Kraftwerke mithin immer unwirtschaftlicher. Und die Preise an der Börse sind so niedrig, dass mittlerweile der Betrieb oft nicht mehr wirtschaftlich ist.

Das war bei der Finanzierung des schwedischen Windparks wohl in diesen Ausmaßen nicht absehbar – oder aber, die Planer waren zu optimistisch. Die Stadtwerke hatten 290 Millionen Euro für den Park ausgegeben. Die Summe setzt sich aus 180 Millionen Euro Eigenkapital und 110 Millionen Euro aus Krediten zusammen. Die müssen bedient werden, und diese Tilgung wiederum hätte durch den Verkauf des in Skandinavien erzeugten Stroms erfolgen sollen. So weit der Plan. 2012 gab der Stadtrat grünes Licht.

Da die Preise für den Strom aber jetzt weit unter dem damals erwarteten Niveau liegen, kommt der Windpark-Betreiber in die Bredouille. Er kann die Kredite nicht mehr bedienen. „Der Engpass beruht auf aktuell niedrigen Energiepreisen und auf gesunkenen Prognosen für die zukünftige Preisentwicklung von Strom und Zertifikaten“, sagt Hess.

Der Stadtrat hat nun in einer nicht öffentlichen Sitzung eine Finanzspritze genehmigt. Der Antrag liegt unserer Zeitung vor. Bis zum Jahr 2023 sollen demnach 72 Millionen Euro nach Skandinavien fließen. Hess weiter: „Der Onshore-Park Sidensjö in Schweden trägt sich noch selber. Die SWM erwarten, dass das Geld im Verlauf des Projektes wieder an die SWM zurückfließt.“ Das wäre aber nur dann der Fall, wenn die Verkaufspreise für den Strom wieder steigen. Der Glaube daran besteht weiter.

Laut Hess haben sich die erneuerbaren Energien – trotz einzelner Wertberichtigungen – zu einer Stütze des operativen Geschäfts entwickelt. Sie trügen bereits einen wichtigen Teil zum Betriebsergebnis der SWM bei. „Daher war der frühe und entschlossene Einstieg in die erneuerbaren Energien auch betriebswirtschaftlich richtig, und die SWM haben damit bessere Perspektiven als andere Energieversorger in Deutschland“, sagte die SWM-Sprecherin.

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