Schweinegrippe: Arzt verweigert Familie Untersuchung

Weilheim - Beim Thema Schweinegrippe gibt es eine neue Strategie: Die Ärzte können nur noch wenige Patienten auf H1N1 testen – zu teuer und angeblich zu unnütz! Das führt zu immer mehr Problemen.

Schlimm genug, dass die kleine Tochter Sophia mit ihren sechs Monaten und ihr Bruder Niclas (3) die Schweinegrippe durchmachen mussten. Die Eltern Andreas (40) und Verena K. (26) aus Polling bei Weilheim durchwachten Nächte. Und dann kam auch noch die Angst dazu: Hat sich jemand bei uns angesteckt?

Es gibt eine neue Strategie: Die Ärzte können nur noch wenige Patienten auf H1N1 testen – zu teuer und angeblich zu unnütz! Das führt zu immer mehr Problemen. Die Familie K. aus Weilheim hätte fast den ganzen Kindergarten in Gefahr gebracht …

Lesen Sie auch:

33-Jähriger stirbt in München an Schweinegrippe

Ärzteliste für Impfung gegen Schweinegrippe

Häufig gestellte Fragen zur Schweinegrippe

Wie der Schweinegrippe-Impfstoff hergestellt wird

Dabei hatten sie alles richtig gemacht: Letztes Wochenende übernachtete der Sohn bei der Oma. Niclas wurde krank – schlagartig Fieber. Am Sonntag untersuchte ihn der Bereitschaftsarzt. Montags sollten sie zum Kinderarzt. Der tippte auf Scharlach, weil das im Kindergarten grassierte, erstellte einen Test – negativ. Eine Untersuchung auf die Schweinegrippe nahm er nicht vor. „Wir wurden belächelt“, sagt Andreas A.

Dabei hätte der Mediziner stutzig werden können: Niclas’ Schwesterchen Sophia hatte nämlich schon 38,7 Grad Fieber. Bei ihr tippte der Arzt auf eine Blasenentzündung und machte einen Test – negativ. Auch sie wurde nicht auf H1N1 getestet. „Wir baten darum. Schließlich wollten wir einen Bastelabend für Eltern aus dem Kindergarten organisieren“, sagt der Vater. Der Arzt beschwichtigte.

Abends bereiteten die acht Mütter bei Familie K. den Weihnachtsbasar vor. Nach einer Stunde mussten alle gehen. Sophia fieberte bis 40 Grad und spuckte – auch am Dienstag. „In der Nacht dachte ich: Sie schafft’s nicht“, sagt der Vater. Mittwoch gingen die Eltern zu einem anderen Arzt, der sofort testete – H1N1! Sie informierten alle Mütter …

Das Robert-Koch-Institut hat wegen der vielen Kranken seine Strategie geändert. Seit Wochen wird nicht mehr flächendeckend getestet – sondern nur noch Schwerkranke, Risikopatienten und medizinisches Personal. So sollen die Labors für wichtige Fälle frei bleiben und sparen. „Das liegt im ärztlichen Ermessen. Wunsch-Tests zahlen die Kassen aber nicht mehr“, sagt Kirsten Warweg von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern der tz.

„Der Test ändert die Behandlung nicht“, sagt der Infektiologe Dr. Nikolaus Frühwein. Die Patienten hätten vom Test keinen Vorteil. Ärzte müssten Betroffenen aber die Konsequenzen erklären – dass sie stark ansteckend sind und Menschen meiden sollten. Darum war die Diagnose so ein Schock für Familie K. „Wir hätten den Bastelabend doch abgesagt! Zum Glück hatten wir alle über unsern Verdacht vorgewarnt“, erzählt der Vater. Keine Mutter steckte sich an. Niclas wurde gesund, Sophia war am Freitag fieberfrei und feierte am Samstag die Taufe.

David Costanzo

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Riesen-Festival kommt nach München - Jetzt steht fest: Weltweit bekannte Mega-Stars haben zugesagt
Riesen-Festival kommt nach München - Jetzt steht fest: Weltweit bekannte Mega-Stars haben zugesagt
Anwohner verärgert: Hier in München herrscht kolossaler Parkplatz-Irrsinn 
Anwohner verärgert: Hier in München herrscht kolossaler Parkplatz-Irrsinn 
Aus für beliebtes Münchner Lokal? Jetzt taucht ein Zettel auf, der Stammgäste freuen dürfte
Aus für beliebtes Münchner Lokal? Jetzt taucht ein Zettel auf, der Stammgäste freuen dürfte
Diese Münchner Stadtteile sind die Schulden-Hotspots - große Übersicht zeigt neuen „Sieger“
Diese Münchner Stadtteile sind die Schulden-Hotspots - große Übersicht zeigt neuen „Sieger“

Kommentare