Schweinegrippe: Gymnasium geschlossen

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Ein Zettel am Adolf-Weber-Gymnasium und ein Hinweis im Internet : So sollten Eltern und Schülern vom Unterrichtsausfall erfahren.

Weil zwei Schüler an der Schweinegrippe erkrankt sind, beginnen für die Schüler des Adolf-Weber-Gymnasiums die Ferien eine Woche früher. Dass der Unterricht ausfällt, wurde Eltern und Schülern lediglich im Internet mitgeteilt. Ratschläge von Behördenseite zur Informationspolitik gibt es für Schulen nicht.

Das Wort „Schweinegrippe“ fehlt auf dem orangefarbenen Zettel am Schultor des Adolf-Weber-Gymnasiums (AWG). „Der Unterricht entfällt“ bis einschließlich 30. Juli, steht da. Ein wenig mehr erfährt, wer die Internetseite des Neuhausener Gymnasiums aufruft. Hier heißt es, dass „aufgrund der aktuellen Situation bezüglich der ,Neuen Grippe‘“ alle 759 Schüler daheim bleiben dürfen. Es ist die erste komplette Schulschließung, seit das Virus auch München erreicht hat.

Schulleiter Hermann Aulinger bestätigte am Montag , dass ein Schüler einer 10. Klasse am H1N1-Virus erkrankt ist und eine Mitschülerin angesteckt hat. „Ich habe am Samstag um 19 Uhr erfahren, dass auch die Schülerin positiv getestet wurde“, berichtet Aulinger. Auch bei zwei Lehrerinnen bestand der Verdacht, dass sie das Virus aufgeschnappt haben. Inzwischen ist er ausgeräumt. Zusammen mit dem Gesundheitsamt beschloss die Schule, den Unterricht ausfallen zu lassen – und damit auch die für diese Woche geplante Projektwoche „Afrika“.

Nun musste der Schulleiter am Sonntag noch Sorge tragen, dass Eltern und Schüler informiert werden. Er verließ sich auf ein Mail an die Elternbeiräte – und das Internet. „Wir haben eine gut ausgebaute Homepage“, sagt Aulinger. „Die Eltern sind gewohnt, dort nachzuschauen, weil auch die Vertretungspläne hier stehen.“ Die Mutter eines AWG-Schülers sieht das anders: „Ich bin nur aus Zufall am Sonntag auf der Internetseite gewesen, weil ich etwas wegen der Projektwoche wissen wollte“, sagt sie. „Wer schaut denn da jeden Tag, gerade am Wochenende , drauf?“ Andere Eltern hätten gar kein Internet.

Wird eine Schule geschlossen, dann berät die örtliche Gesundheitsbehörde, gibt etwa Hinweise, wie sich die Schüler Zuhause verhalten sollen. Wie die Schulleitung die Schließung aber kommunizieren soll, dazu gibt es von Amtsseite keine Hilfestellung. Denkbar wären etwa Telefonketten, bei denen klassenweise einer den nächsten informiert. Denkbar wäre auch eine Mitteilung an lokale Fernsehsender und Hörfunkanstalten, die die Meldung verbreiten.

„Für die Information der Eltern muss die Schule selbst sorgen“, sagt Christopher Habl , Sprecher des im Kreisverwaltungsreferat angesiedelten Stabes für außergewöhnliche Ereignisse (SAE). Die Behörde sei dafür nicht zuständig. Neben der Information im Internet seien beim AWG aber auch Aushänge an der Schule angebracht worden. Dass sich Schüler auch vor dem Schultor stehend gegenseitig anstecken können, sei ein Risiko – aber „man kann eben nicht alle abtelefonieren“, sagt Habl.

Mundpropaganda führte schließlich dazu, dass viele Schüler des AWG daheim blieben. „Es hat wunderbar funktioniert“, resümiert Direktor Aulinger. Vor dem Schultor sei am Montag kein Schüler aufgetaucht. Nur im Sekretariat habe das Telefon am Morgen nicht stillgestanden. „Manche wollten wissen, ob das ein Scherz ist“, sagt Aulinger. Bei anderen „spürt man Ängste“. Doch oft beruhige Eltern, dass die Ansteckungsgefahr nach drei Tagen stark abnehme.

Insgesamt 77 bestätigte Fälle der Schweinegrippe waren am Montag beim SAE gemeldet – 32 mehr als noch am Freitag. Eine „deutlich erkennbare Steigerung der Fallzahlen“, erklärt Habl. Weitere Schulen seien derzeit nicht betroffen. Verstärkt beobachtet werden aber wohl die Schüler des Rupprecht-Gymnasiums an der Albrechtstraße. Die Schule teilt die Mensa mit dem AWG.

Ohne Zeugnis in die Ferien gehen sollen die Schüler des AWG trotzdem nicht. Die Vergabe finde am Freitagmittag statt, sagt Aulinger – ohne Anwesenheitspflicht. Die Zeugnisse könnten aber auch in der ersten Ferienwoche abgeholt werden oder nach den Ferien.

Von Caroline Wörmann

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