Schweinegrippe: Jetzt schlagen Münchens Kinderärzte Alarm!

München Die Kinderärzte Bayerns schlagen Schweinegrippe-Alarm: Die Kleinen seien besonders häufig und manchmal auch schwer von der Infektion betroffen, warnt der Berufsverband.

Viele Praxen würden regelrecht überrannt, sagt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Bayern. „Wir hatten im Oktober noch nie so einen Ansturm wie jetzt. Bislang haben wir schon 300 zusätzliche Patienten im Vergleich zum Vorjahr“, berichtet der Landesvorsitzende Dr. Heinz Reiniger, Kinderarzt in Bogenhausen. Das entspreche einem Anstieg von etwa 15 Prozent. Insgesamt seien in seiner Praxis schon 200 kleine H1N1-Patienten behandelt worden!

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Die Infektion zeige sich fast immer mit Fieber. Wenn bei den Kindern die Temperatur steigt, sollten die Eltern mit ihnen zum Arzt gehen. „Allein, um Komplikationen auszuschließen“, rät Dr. Reiniger. Das sei fast immer der Fall. „Bislang sind die Verläufe größtenteils milde.“ Manche Kinder erwischt die Krankheit zwar schlimmer als andere, ins Krankenhaus einliefern lassen musste der Arzt aber bisher nur einen Patienten. „Besonders Kinder mit Asthma, Nieren- und Herzkrankheiten sind gefährdet.“

Kinder und Jugendliche leiden besonders häufig unter der Schwein­grippe. Insgesamt verzeichnet Bayern bislang fast 7000 Infektionen, über 1700 davon in München. Die mit 60 Prozent große Mehrzahl aller gemeldeten Kranken sei zwischen zehn und 25 Jahre alt. 75 Prozent sind jünger als 36, erklärte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der tz. In München sind an 125 von 340 Schulen Infektionen aufgetreten – an mehr als jeder dritten!

„Kinder und Jugendliche sind meistens die ersten, die sich mit Viren anstecken“, sagt Reiniger. Von den Kleinen könne sich das Virus auf die ganze Bevölkerung ausbreiten. „Das derzeitige Infektionsmuster ist typisch und weist darauf hin, dass wir bei der Schweingrippe kurz vor Beginn einer zweiten Infektionswelle stehen.“ Auch bei früheren Grippewellen seien die Kinder die Vorreiter gewesen.

Für die Kleinen sei die Impfung darum besonders wichtig. Die Empfehlung des Arztes: Von den Kleinen unter drei Jahren sollten die mit Grunderkrankungen den Schutz bekommen, die gesunden Kinder vorerst nicht. Von den älteren sollten die chronisch Kranken und die Kindergartenkinder gespritzt werden. Eltern gesunder Kinder könnten die nächsten Wochen noch abwarten, wie sich die Pandemie und die Schwere der Krankheit entwickelt. Vor dem Impfstoff Pandemrix und Nebenwirkungen brauche niemand Angst zu haben. Zehn Kinder hat Dr. Reiniger bereits geimpft: „Bis jetzt völlig unproblematisch. Probleme sind auch nicht zu erwarten.“

David Costanzo

Rubriklistenbild: © dpa

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